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Tristan Horx blickt beim ersten FM4-Futuretalk in die Zukunft © leisure communications/Christian Jobst

Tristan Horx, Petra Silbermaier, Monika Eigensperger, Oliver Böhm

© leisure communications/Christian Jobst

Tristan Horx, Petra Silbermaier, Monika Eigensperger, Oliver Böhm

Redaktion 17.10.2018

Tristan Horx blickt beim ersten FM4-Futuretalk in die Zukunft

Als kuratierter Kommunikationsplattform stehen dem Radio in Zeiten der Hyper-Digitalisierung rosige Zeiten bevor. Der „Bullshit-Filter“ von Digital Natives lässt sie Manipulation durch Algorithmen schnell erkennen.

WIEN. Dienstagabend feierte der FM4-Futuretalk im ORF RadioKulturhaus Premiere. Auf Einladung von ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger und ORF-Enterprise-CEO Oliver Böhm gastierte der deutsche Zukunftsforscher Tristan Horx in Wien und erklärte, wie Radio auch in Zukunft die Herzen der Hörer erobert und damit noch attraktiver für Werbetreibende wird.

„Items wie Alexa, Cortana und Co. wären ohne den Content nur technische Gadgets. FM4 steht für diesen Content, der kritisch, anspruchsvoll, abwechslungsreich ist und Haltung beweist. Damit schafft FM4 die Relevanz, bei der sich die junge Avantgarde zuhause fühlt“, begrüßt ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger.

„Als Festivalradio ist FM4 schon heute eine starke Plattform mit einer engen Beziehung zu ihrer treuen Community. Das Programm ist identitätsstiftend und erreicht 260.000 Hörer täglich. Damit bietet es einen einzigartigen Zugang zu jungen Trendsettern, die die Qualität und den unverwechselbaren Charakter des Senders schätzen“, sagt ORF-Enterprise-CEO Oliver Böhm.

Konnektivität: Grundbedürfnis nach menschlichen Beziehungen
Zukunftsforscher Tristan Horx zählt sich selbst zur FM4-Zielgruppe und geht in seiner Keynote der Frage nach, wie Marken auch künftig die junge Zielgruppe erreichen können. Er warnt davor, Hypes wie beispielsweise „Pokemon Go“ mit tatsächlichen Mega-Trends zu verwechseln. Als realen Mega-Trend bezeichnet er die Konnektivität. Sie ist ein menschliches Grundbedürfnis, das durch technische Entwicklungen gefördert wird. Sie wird von „digitaler Einsamkeit“ begleitet, bei der sich bestens verbundene Menschen in digitalen Blasen einkapseln. Während Menschen früher in Gemeinschaften geboren wurden und Individualität finden mussten, würden sie heute als Individuen geboren und suchen die Gemeinschaft, ist Horx überzeugt. „Das Netz löst Verbindungsfragen, aber keine Beziehungsfragen“, betont der Zukunftsforscher.

Als Beispiel für die wachsende technische Konnektivität nennt Horx die Entwicklung des Internet-of-Things (IoT): Bereits 2008 waren mehr Dinge als Menschen auf der Welt miteinander verbunden. Bis 2020 werden 50 Milliarden Dinge auf der Welt miteinander verbunden sein.

Fragmentierte Gesellschaft: Lebensstile lösen Generationen ab
Klassisches Generationendenken wird heute von Lebensmodellen abgelöst, die sich über wesentliche längere Zeiträume erstrecken. „Digital Creative“, „Party Hopper”, „Moderne Nomaden”, „Multi Performer”, „Urban Matcha“, „Mainstreamer“, „Golden Mentor“ oder „Nervösbürger“ sind nur einige Beispiele.

„Homogene Gruppen werden nur durch katastrophale globale Ereignisse wie beispielsweise Weltkriege erzeugt“, erklärt Horx einen der Faktoren, wodurch es zu einer wesentlich stärkeren Individualisierung und Fragmentierung der Gesellschaft kommt. Differenzen zwischen Individuen sind ausgeprägter als zwischen Kohorten, wodurch auch Marketingverantwortliche vor neuen Herausforderungen in der Zielgruppenansprache stehen.

Digital Natives haben bereits einen natürlichen „Bullshit Filter“ und erkennen schnell, wenn Algorithmen sie manipulieren wollen. Dadurch entsteht eine neue digitale Achtsamkeit und ein real-digitales Mindset.

Zukunftschance für das Radio: Das Bedürfnis nach menschlichen Beziehungen
„Im Zeitalter der Hyperdigitalisierung wächst das Interesse an Persönlichkeiten enorm. Die Digitalisierung fördert eine Renaissance des Menschen“, weiß Horx.

Er bezeichnet Radio als Beziehungskurator. Trotz aller Digitalisierung bleibt es menschlich, weil es von Menschen für Menschen gemacht wird und damit den Wunsch nach zwischenmenschlichen Beziehungen erfüllt. Einen großen Vorteil sieht er in der Achtsamkeit, die das Medium Audio entwickeln kann. Erfolgreiches Radio der Zukunft ist eine Plattform aus Usern, Kultur, Events, Radio und Online, auf der es menschelt.

Gemeinsamer Blick in die Zukunft: Werbebranche beim FM4-Futuretalk
Zum FM4-Futuretalk begrüßten ORF-Radiodirektorin Monika Eigensperger und ORF-Enterprise-CEO Oliver Böhm im ORF RadioKulturhaus gemeinsam mit Petra Silbermair (ORF-Enterprise, Head of Sales Radio) und FM4-Marketingleiter David Dittrich unter anderem Alfred Göbhart (KUONI), Anja Hettesheimer (OMD), Christian Aberer (Samsung), Christian Pesau (Industriellenvereinigung), Dagmar Pillwatsch (Österreichische Lotterien), Harald Fleischer (ÖAMTC), Joanna Klein (T-Mobile), Michaela Fuchs (Berglandmilch), Nathalie Jagsch (Marionnaud), Petra Hruska (IPG Mediabrands), Ralf Kober (Springer & Jacobi), Sabine Abt (Reichl und Partner), Sandra Fennes (Österreichische Post AG), Sebastian Bayer (Young & Rubicam), Sybille Blümel (Wavemaker), Verena Tauzimsky (Media1) sowie Thomas König (Reichl und Partner). (red)

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