•• Von Dinko Fejzuli
Vergangene Woche wurde im Presseclub Concordia die VG Newsmedia, eine Verwertungsgesellschaft für Presseverlage in Österreich, vorgestellt. Die VG Newsmedia GmbH hat bereits im November vergangenen Jahres ihre Arbeit offiziell aufgenommen. Sie übernimmt die kollektive Wahrnehmung des Leistungsschutzrechts für Presseverlage in Österreich und sorgt für eine gerechte Abgeltung für die Vervielfältigung ihrer Inhalte, vor allem gegenüber großen Digitalkonzernen wie Meta und Google. Die Geschäftsführer sind Julia Wippersberg und Gerald Grünberger, dem Aufsichtsrat gehören Markus Mair, Maximilian Dasch und Alexander Mitteräcker an. medianet nahm dies zum Anlass und bat Julia Wippersberg um ein paar Antworten zur VG Newsmedia.
medianet: Frau Wippersberg, Sie sind nun gemeinsam mit Gerald Grünberger Geschäftsführerin der neuen Verwertungsgesellschaft VG Newsmedia, die das Leistungsschutzrecht der Presseverlage künftig wahrnehmen und gegenüber vor allem den großen Plattformen durchsetzen soll. Wie weit ist man hier schon, und was sind Ihre nächsten Aufgaben?
Julia Wippersberg: Wir haben mehrere Aufgabenbereiche. Einerseits die noch offenen Formalia – insbesondere die Finalisierung des Wahrnehmungsvertrags, den wir dann mit den Rechteinhabern abschließen werden. Dann die Verteilungsregeln, die bestimmen, wie das Geld, das hereinkommt, aufgeteilt werden soll. Das muss innerhalb der Gesellschaft beschlossen werden, denn diese sind ja die Grundlage unserer Tätigkeit.
Darüber hinaus geht es darum, unseren Platz im Kreis der Verwertungsgesellschaften zu finden. Das hat auch finanzielle Aspekte. Das ist relativ kompliziert, etwa im Zusammenhang mit Vergütungsansprüchen, die allen Verwertungsgesellschaften offenstehen.
medianet: Wie wird denn aufgeteilt? Bekommen jene, die von Ihnen vertreten werden, je nach Nutzung ihren Anteil oder gibt es einen Grundstock für jeden und dann je nach Nutzung durch die Plattformen?
Wippersberg: Das sind genau jene Fragen, die wir noch klären müssen. Die Corint Media, die deutsche Verwertungsgesellschaft beim Leistungsschutzrecht, verteilt etwa 70 Prozent nach Online-Reichweite und 30 Prozent für angestellte Journalistinnen und Journalisten. Wir sind derzeit dabei, verschiedene Modelle durchzudenken und durchzurechnen, was das jeweils bedeuten würde. Aber man braucht natürlich handfeste Kriterien, nach denen das Geld verteilt wird.
medianet: Das heißt, die Verlage und Medienhäuser bekommen Geld – aber auch einzelne Journalistinnen und Journalisten?
Wippersberg: Nein, nicht aus dem Leistungsschutzrecht, das steht nur Verlagen zu. Für Einzelpersonen gilt wie bisher das Urheberrecht. Bei den Verteilungsregeln heißt das – ähnlich wie bei der Qualitätspresseförderung – wenn Sie angestellte Journalistinnen und Journalisten beschäftigen, wird das anteilsmäßig berücksichtigt.
medianet: Gerade wenn es um Giganten wie Google oder Facebook geht, ist es eine Frage, Recht zu haben, aber eine völlig andere, dieses Recht bzw. eigene Ansprüche gegenüber diesen Firmen auch durchzusetzen …
Wippersberg: Wohl wahr! Und das ist je nach Konzern auch unterschiedlich schwierig, bei einigen entsteht auch schön langsam ein Bewusstsein für den Leistungsschutz. Und in Österreich gibt es durchaus gute Kontakte zu Google. Das heißt in der Sache zwar noch gar nichts, aber zumindest gibt es Gesprächsmöglichkeiten. Umgekehrt ist es aber auch nicht unser Zugang zu sagen: Das wird ohnehin nichts, also lassen wir es.
medianet: Können sie schon etwas über ihre Mitglieder sagen? Wer ist schon dabei?
Wippersberg: Die Mitgliedschaften entstehen durch einen sogenannten Wahrnehmungsvertrag zwischen der VG Newsmedia und den Presseverlagen. Da wir diesen noch nicht finalisiert haben, konnte ihn bisher noch niemand unterschreiben. Es gibt allerdings bereits zahlreiche Absichtserklärungen.
medianet: Werden auch Gratismedien dabei sein?
Wippersberg: Grundsätzlich stehen wir allen Presseverlagen offen gegenüber.
medianet: Auch digitalen Medien und dem ORF?
Wippersberg: Digitale Medien könnten bei uns Mitglied werden, der ORF bzw. TV-Sender nicht. Bei uns geht es nur um Print und Online.
medianet: Sie stehen nun am Anfang. Was sind denn realistische Ziele für das erste Jahr.
Wippersberg: Wir wollen so viele Wahrnehmungsverträge wie möglich abschließen und die Finanzierung der VG Newsmedia sicherstellen. Es geht aber auch darum, eine gut abgestimmte Strategie mit den Rechteinhabern, den Presseverlegern, zu entwickeln, die sie wirklich mittragen können. Und Beispiele aus Ländern, wo es solche Verwertungsgesellschaften bereits gibt, zeigen, dass man nur dann erfolgreich sein wird, wenn man zusammensteht und sich von Google und Co. nicht durch Einzelvereinbarungen auseinanderdividieren lässt, wo der eine etwas und der andere gar nichts bekommt.
medianet: Selbst als geeinte Verlage, ganz einfach wird es nicht, ihre Rechte durchzusetzen. Rechnen sie deshalb auch mit rechtlichen Auseinandersetzungen?
Wippersberg: Natürlich wird es passieren, dass der eine oder andere Tech-Konzern nicht freiwillig zahlen wird wollen. Deshalb ist es um so wichtiger, die bestmögliche rechtliche Regelung zu schaffen, auf die wir uns stützen können. Ob wir die schon im Jahr 2026 bekommen werden, kann ich nicht sagen, aber es würde schon vieles erleichtern.
