„Viele Gründer wissen einfach viel zu wenig“
© Andreas Kraus
Andreas Kraus
MARKETING & MEDIA Redaktion 03.04.2026

„Viele Gründer wissen einfach viel zu wenig“

Andreas Kraus begleitet Unternehmen durch den komplexen betrieblichen Alltag – nun launcht er demnächst zwei neue Lernformate für Unternehmer.

••• Von Elisabeth Schmoller-Schmidbauer

Wer ein Unternehmen gründet, merkt schnell, dass die gute Idee nur der Ausgangspunkt ist. Was folgt, ist ein Alltag voller Entscheidungen – oft komplex, weitreichend und nicht selten existenziell. Viele (Jung-)Unternehmer sind auf diese Realität nur unzureichend vorbereitet. Und genau hier setzt Andreas Kraus an. Kraus versteht sich als Sparringpartner für Unternehmer. Seine Arbeit ist dabei weniger klassische Beratung als operative Begleitung. „Es gibt sehr, sehr viele Dinge, die man als Unternehmer nicht lernt, die aber Voraussetzung sind, um sich im unternehmerischen Alltag zurecht zu finden“, meint er.

Und Kraus weiß, wovon er spricht. Vor seiner Tätigkeit als Unternehmensberater führte ihn sein beruflicher Weg durch unterschiedliche wirtschaftliche Bereiche: vom öffentlichen Dienst als Berufssoldat über die Gründung eines digitalen Dienstleistungsmarktplatzes bis hin zum Aufbau einer eigenen Werbeagentur. Sein Werdegang ist geprägt von praktischer Erfahrung, unternehmerischen Umbrüchen und der direkten Auseinandersetzung mit den Herausforderungen, die Selbstständigkeit im Alltag mit sich bringt. Demzufolge begreift er Unternehmertum auch nicht als abstrakte Disziplin, sondern als gelebten Alltag.

In diesem operativen Alltag begleitet er Unternehmer und bietet dort Unterstützung an, wo klassische Hilfe oft endet. „Mein Anspruch ist, dass man die Leute in die Umsetzung bringt“, betont er. Dabei geht es ihm nicht um theoretische Konzepte, sondern um konkrete Entscheidungen, Strukturen und deren praktische Konsequenzen.

Sein Portfolio ist entsprechend aufgebaut. Kraus arbeitet mit einer überschaubaren Anzahl an Mandaten, oft in unterschiedlichen Konstellationen: rein beratend, operativ eingebunden oder auch beteiligt. Die Themen reichen von Governance-Fragen über Beteiligungsstrukturen bis hin zu alltäglichen unternehmerischen Entscheidungen. „Da geht es dann um die Anstellung der ersten Mitarbeiter, um Kaufverträge oder Provisionsverträge. Da geht es um all das, was einem so unterkommt in der Unternehmerkarriere“, erklärt Kraus. „Da gibt es gefühlt 100.000 Themen, die dich als Unternehmer und Unternehmerin treffen.“

Große Wissensdefizite
Was ihn dabei antreibe, sei weniger die Optimierung bestehender Geschäftsmodelle als die Auseinandersetzung mit strukturellen Defiziten. Denn Kraus sieht vor allem ein grundlegendes Thema in der praktischen Zugänglichkeit von Inhalten: Viele Unternehmer würden starten, ohne zentrale Grundlagen zu verstehen, obwohl diese zum Teil sehr gut aufbereitet vorhanden sind. „Viele Gründer wissen einfach zu wenig, es scheitert am Verständnis “, sagt er. Es fehle auch an Verständnis für Haftung, finanzielle Zusammenhänge oder vertragliche Strukturen. Themen also, die im Alltag schnell existenziell werden können.

„Die Realität ist, dass dir vermutlich neun von zehn Gründer und Gründerinnen nicht einmal erklären können, was auf einer Rechnung stehen muss“, so der Berater. Eng damit verbunden ist für ihn ein zentraler Leitgedanke, der in seiner Arbeit als Unternehmensberater eine wichtige Rolle einnimmt: Verantwortung. „Das Bewusstsein, dass man als Unternehmer Verantwortung trägt, gegenüber seinen Mitarbeitern, seinen Geschäftspartnern, aber auch der Gesellschaft gegenüber, das ist mir sehr wichtig“, betont er. „Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass diese Verantwortung im unternehmerischen Kontext häufig nicht übernommen wird.“ Entscheidungen würden getroffen, aber deren Konsequenzen oft ausgelagert oder weitergegeben – an Berater, Systeme oder Institutionen.

Wissenslücke schließen
Aus diesen Beobachtungen heraus entstand schließlich die Idee für Kraus’ aktuelle Projekte: die Formate „Unternehmerkarriere“ und „Unternehmerlernen“. Sie sind der Versuch, genau jene Lücke zu schließen, die er im System erkennt. „Es sind Lernplattformen und unterschiedliche Inhalte, die man über meine Website erreicht und die eine Mischung an digitalen Praxisbüchern, Lernkarten, Videos, aber auch Liveformaten anbieten“, erklärt Kraus. Die beiden Angebote greifen ineinander, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze.

„Unternehmerlernen“ ist als strukturierte Wissensplattform konzipiert. Sie bündelt die digitalen Inhalte mit dem Ziel, Unternehmern die Grundlagen zu vermitteln, die im Alltag oft fehlen – nicht abstrakt, sondern anhand konkreter Situationen. „Denn man mag es nicht glauben, aber selbst erfahrene Unternehmer, müssen oft lernen wie ein Arbeitsvertrag genau strukturiert ist“, so Kraus. „Und ich habe mittlerweile mehrere hundert Vorlagen, anhand derer ich den Aufbau und Inhalt erkläre, um Wissen zu festigen und Verständnis zu schaffen.“

„Unternehmerkarriere“ geht hingegen einen Schritt weiter. Hier steht die aktive Begleitung durch Kraus im Vordergrund. Dabei arbeitet Kraus direkt mit Unternehmern, moderiert, stellt Fragen und bringt seine Erfahrung in konkrete Entscheidungsprozesse mit ein. Es ist ein Format, das vor allem auf Anwendung ausgerichtet ist. „Beide Formate sind noch in der Fertigstellung und sollen in den kommenden drei Monaten gelauncht werden“, erklärt der Unternehmensberater.

„Gründungen sind zu einfach“
Warum diese Formate notwendig sind, begründet Kraus auch systemisch. In Österreich sei es zu einfach, ein Unternehmen zu gründen. „Ich bin der Ansicht, dass nicht jeder einfach gründen sollte“, sagt er. Die niedrigen Hürden würden dazu führen, dass viele ohne ausreichende Vorbereitung starten, mit entsprechenden Risiken für sich selbst und andere. „Ich bin daher tatsächlich der Meinung, dass es eine verpflichtende Prüfung geben sollte und mehr Auflagen, bevor jemand ein Unternehmen gründen darf“, meint er.

Gleichzeitig sieht Kraus aber auch im öffentlichen Diskurs Defizite. „Unternehmertum wird häufig über Kennzahlen definiert, wie durch steigende Gründungszahlen“, sagt er. Für ihn greife das jedoch zu kurz: „Entscheidend ist nicht die Anzahl der Gründungen, sondern deren Qualität und Nachhaltigkeit.“

Auch die Motivation hinter unternehmerischem Handeln habe sich verändert. Während früher häufiger aus Überzeugung oder Problemlösung heraus gegründet worden sei, beobachtet er heute eine stärkere Orientierung an kurzfristigen Chancen, wie er meint: „Ich glaube, dass heute Unternehmensgründungen viel, viel opportunistisch-kapitalistischer getrieben sind.“
Dem setzt Kraus ein anderes Verständnis entgegen. Für ihn ist Unternehmertum dann sinnvoll, wenn es mit inhaltlicher Überzeugung verbunden ist und einen konkreten Nutzen stiftet. Erfolg definiert er in erster Linie über Wirkung und persönliche Erfüllung: „Ein Unternehmen ist für mich dann erfolgreich, wenn die Tätigkeit für mich als Unternehmer erfüllend ist, und der Output einen nachhaltigen und positiven Effekt hat.“

Seine eigenen Unternehmens ziele formuliert er dabei bewusst offen. Eine klare Wachstumsstrategie folgt dabei vor allem seinem Verständnis von Unternehmertum: „Ich möchte mich weiterhin vor allem in die Sachen reinstürzen, von denen ich überzeugt bin und die mir auch Freude bereiten.“ So lange er als Unternehmer das Gefühl habe, am richtigen Weg zu sein, so lange werde er auch weitermachen. „Und vielleicht werde ich nicht mehr auf 100.000 Kirtagen gleichzeitig tanzen“, meint er mit Blick auf die Zukunft.

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