WIEN/LONDON. WPP hat seine vorläufigen Zahlen für 2025 vorgelegt und zugleich ein umfassendes strategisches Umbauprogramm angekündigt. Der Umsatz sank auf 13,55 Mrd. £ (≈ 15,58 Mrd. €), organisch (LFL) ging das Geschäft um 3,6 % zurück. Der zentrale Steuerungswert „Revenue less pass-through costs“ verringerte sich um 5,4 % auf 10,18 Mrd. £ (≈ 11,71 Mrd. €).
Die Headline-Operating-Marge lag bei 13,0 % und damit unter dem Vorjahreswert von 15,0 %. Das ausgewiesene operative Ergebnis fiel deutlich niedriger aus, unter anderem belastet durch Wertberichtigungen. Der operative Cashflow (bereinigt, vor Working Capital) erreichte 1,19 Mrd. £ (≈ 1,37 Mrd. €). Die durchschnittliche Nettoverschuldung lag bei 3,4 Mrd. £ (≈ 3,91 Mrd. €), das Verhältnis von Nettoschulden zu EBITDA bei 2,2x. Die Dividende wird auf 15 Pence (≈ 17 Cent) je Aktie reduziert.
Breiter Marktdruck
Operativ verzeichneten die Global Integrated Agencies 2025 einen organischen Rückgang von 5,7 %. WPP Media sank um 5,9 %, die übrigen integrierten Kreativagenturen um 5,6 %. Regional entwickelte sich das Geschäft in Nordamerika, Großbritannien und Kontinentaleuropa rückläufig. Besonders stark war der Rückgang in China, während Indien als Wachstumsmarkt positiv herausstach.
Belastend wirkten vor allem Kundenverluste im ersten Halbjahr sowie Budgetkürzungen in einzelnen Branchen. Healthcare & Pharma entwickelte sich hingegen stabiler als andere Segmente.
Elevate28: Von der Holding zur integrierten Organisation
Mit „Elevate28“ leitet CEO Cindy Rose einen mehrjährigen Transformationsprozess ein. Ziel ist der Umbau von einer Holdingstruktur hin zu einer stärker integrierten Organisation mit vier operativen Einheiten: WPP Media, WPP Creative, WPP Production und WPP Enterprise Solutions. Diese Struktur gilt über die Regionen Nordamerika, Lateinamerika, EMEA und APAC hinweg.
Im Zentrum steht eine Vereinfachung des Operating Models sowie die stärkere Verzahnung von Media, Kreation, Produktion und Technologie. Media soll als Kern einer integrierten Kundenschnittstelle fungieren, Enterprise Solutions adressiert gezielt den wachsenden Bedarf an KI-basierter Transformation auf Kundenseite.
Bis 2028 plant WPP jährliche Brutto-Kosteneinsparungen von 500 Mio. £ (≈ 575 Mio. €). Für die Umsetzung des Programms werden Transformationskosten von rund 400 Mio. £ (≈ 460 Mio. €) über zwei Jahre erwartet.
KI als Infrastruktur
Ein zentrales Element ist die Plattform „WPP Open“, die als agentische Marketingplattform Media, Daten, Kreation und Produktion verbinden soll. 2025 investierte WPP rund 300 Mio. £ (≈ 345 Mio. €) in KI-getriebene Technologie. Mehr als 70.000 Mitarbeiter nutzten die Plattform zuletzt aktiv monatlich.
Mit neuen KI-gestützten Anwendungen wie „Agent Hub“ sowie der Weiterentwicklung der datenschutzkonformen Dateninfrastruktur über „Open Intelligence“ will der Konzern seine Rolle als integrierter Wachstumspartner internationaler Marken stärken.
Ausblick 2026
Für 2026 rechnet WPP im ersten Halbjahr mit einem weiteren organischen Rückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, erwartet jedoch eine Verbesserung im zweiten Halbjahr. Die Headline-Operating-Marge soll zwischen 12 % und 13 % liegen. Strategisch wird 2026 als Stabilisierungsjahr definiert, 2027 soll die Rückkehr zu organischem Wachstum erfolgen, ab 2028 wird eine beschleunigte Wachstumsphase angestrebt.
Für den internationalen Agenturmarkt signalisiert WPP damit eine klare Fokussierung auf Vereinfachung, Plattformintegration und KI-gestützte End-to-End-Lösungen – bei gleichzeitigem Margen- und Verschuldungsdruck im Übergangsjahr. (red)
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•• Von Helga Krémer Industrie- und Energieunternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Prozesse nachhaltiger, effizienter und zugleich resilient zu gestalten. Digitalisierung und Innovation
