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Der "Standard" wird 30 Jahre alt © APA / Roland Schlager

Oscar Bronner

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Oscar Bronner

Redaktion 18.10.2018

Der "Standard" wird 30 Jahre alt

Vom Internet-Pionier zum "Diskursmedium" mit lebhafter Community; Print- und Online-Marken verschmelzen unter neuem Logo.

WIEN. Der "Standard" feiert seinen 30er. Am 19. Oktober 1988 erschien die erste Ausgabe der Tageszeitung, Gründer Oscar Bronner wollte damals eine "intelligente, mündige, überregionale Tageszeitung" schaffen. 30 Jahre später verfolgt der "Standard" diesen Anspruch schon längst nicht mehr als gedruckte Zeitung, sondern mit einem starken Online-Auftritt, war er doch Internet-Pionier.

Inspiriert war die "Standard"-Gründung von Bronners New Yorker Jahren. Er hatte sich in den 1970ern als Gründer von "profil" und "trend" einen Namen gemacht und dann seinen Lebensmittelpunkt im Big Apple gefunden, wo er sich der Malerei widmete. Die tägliche Lektüre der "New York Times" brachte den Wunsch hervor, wieder in den Journalismus einzusteigen. Nach der Rückkehr nach Österreich sowie etlichen Gesprächen und Sondierungen kam es Ende der 1980er dann zur Zeitungsgründung.

Partner zum Start war der Springer-Verlag, 1995 nahm Bronner einen 200-Millionen-Schilling-Kredit bei der Bank Austria auf, um die Deutschen auszukaufen. Drei Jahre später wurde die "Süddeutsche Zeitung" als Partner an Bord geholt, vor zehn Jahren dann wanderte auch dieser Anteil in Bronners Hände. Gespräche mit der NZZ vor rund zwei Jahren führten zu keiner neuen Partnerschaft. Auf der Suche sei man ohnehin nicht, betonen Bronner und sein Sohn Alexander "Aco" Mitteräcker.

2014 zog sich Bronner aus dem operativen Verlagsgeschäft auf seine Herausgeberposition zurück. Mitteräcker verblieb gemeinsam mit Wolfgang Bergmann im Vorstand. Seit dieser 2016 ins Belvedere wechselte, ist Mitteräcker Alleingeschäftsführer. Chefredakteur ist seit 2017 Martin Kotynek, der von der "Zeit Online" kam. Er löste die langjährige Chefredakteurin Alexanda Föderl-Schmid ab. Sie war 2007 dem Gründungschefredakteur Gerfried Sperl nachgefolgt.

Als erste deutschsprachige Tageszeitung ging der "Standard" 1995 online und nutzte die Pole-Position, um über die Jahre hinweg auch eine starke Community aufzubauen. Als "Diskursmedium" definiert sich der "Standard" folglich mittlerweile. Erst vergangenes Wochenende wurde der User-Austausch mit der Aktion "Österreich spricht" auch ins echte Leben transponiert.

2013 wurden Print- und Online-Redaktion mit der Übersiedlung aus der Innenstadt ins Quartier in Wien-Landstraße "integriert". Den nächsten Integrationsschritt setzt man jetzt zum 30er: Die bisher getrennten Marken für Print und online firmieren künftig unter einem neuen Logo einheitlich als "Der Standard". Für die Online-Plattform ist ein Relaunch angekündigt, an dem derzeit noch getüftelt wird. Auch die Print-Ausgabe hat sich optisch seit Kotyneks Antritt deutlich verändert.

Mit den Resultaten dieser Anstrengungen zeigt sich das Führungsteam zufrieden. Die verkaufte Auflage sank in den vergangenen Jahren dem allgemeinen Trend entsprechend, doch laut aktueller Media-Analyse (2017/2018) liegt die Print-Reichweite beim Allzeit-Hoch von sieben Prozent. Online liegt die Reichweite laut ÖWA plus (1. Quartal 2018) bei 39,1 Prozent.

Gebührend gefeiert wird der runde Geburtstag am Donnerstagabend in den Wiener Gösser-Hallen. Die Laudatio auf den "Standard" wird Kabarettist Florian Scheuba, selbst als Kolumnist tätig, halten. Die Party sei nicht nur Gelegenheit, mit Wegbegleitern und Kunden zu feiern, betont Mitteräcker, sondern auch ein "Mitarbeiterfest". (APA)

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