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"Die CFOs sind schlecht gelaunt" picco.at

Gerhard Marterbauer, Partner Deloitte Österreich

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Gerhard Marterbauer, Partner Deloitte Österreich

Redaktion 16.11.2015

"Die CFOs sind schlecht gelaunt"

Deloitte European CFO Survey: Verschlechterung der Stimmung unter CFOs in Europa - Mehrheit erwartet negative wirtschaftliche Entwicklungen; auch die Österreicher.

Wien. Die aktuelle "Deloitte European CFO Survey" fasst die Ergebnisse von Befragungen aus insgesamt 15 europäischen Ländern, einschließlich Österreich, zusammen; analysiert wurden die Einschätzungen von rund 1.300 Finanzvorständen. Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Das Vertrauen der europäischen CFOs in die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Unternehmen ist in den letzten Monaten gesunken. Die Stimmung der österreichischen CFOs ist im europäischen Vergleich besonders zurückhaltend.

Nord-Süd-Gefälle

Bei Betrachtung der Ergebnisse des Deloitte European CFO Survey ist ein Nord-Süd-Gefälle in Bezug auf die Stimmung der CFOs erkennbar. Die größten Optimisten hinsichtlich der Entwicklung ihrer Unternehmen sind im Süden bzw. an den Rändern der Eurozone zu finden: Mit 58% liegt Irland an erster Stelle, gefolgt von Spanien (54%), Polen (50%) und Portugal (47%). In Österreich sind 22% optimistisch eingestellt. Am pessimistischsten sind die französischen und norwegischen Finanzchefs. Dort zeigen sich jeweils nur 14% der Finanzchefs optimistisch, ähnlich auch die Situation in Deutschland und UK (beide 18%).

Stimmung der CFOs verschlechtert sich, Kostensenkung im Fokus

Mit dem Meinungsklima geht es nach einer optimistischeren Phase im ersten Halbjahr deutlich bergab: Während im ersten Quartal 2015 noch 33% der CFOs von positiven Unternehmensprognosen ausgingen, trifft dies im dritten Quartal nur mehr auf 25% zu. Der Anteil jener, die weniger optimistisch in die Zukunft sehen, stieg von 18% in Q1 auf 23% in Q3.
„Die Stimmung der CFOs verschlechtert sich. Die europäische Deloitte CFO Studie hat dafür drei Hauptursachen identifiziert: Die weltweit schwache Konjunktursituation, geopolitische Risiken sowie eine rückläufige nationale und internationale Nachfrage“, erklärt Gerhard Marterbauer, Partner Deloitte Österreich.
Für 12 von 14 CFOs stellt daher auch Kostensenkung und -kontrolle eines der drei wichtigsten Business-Ziele dar. In sieben Ländern, unter diesen auch Österreich, hat die Senkung der Kosten sogar die Top-Priorität. „Vor dem Hintergrund einer anhaltend von Unsicherheit geprägten Weltwirtschaft ist Kostenbewusstsein für die CFOs besonders wichtig“, betont Marterbauer.

Risikobereitschaft geht zurück, Österreich im unteren Drittel

Die Risikobereitschaft unter den europäischen CFOs ist ebenfalls im Sinken begriffen. Nur 33% der CFOs finden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um Risiken einzugehen, im ersten Quartal 2015 waren es noch 38%. Am höchsten ist die Risikobereitschaft in Italien mit 56%, gefolgt von Irland (48%), UK und Spanien (je 47%). Am geringsten ausgeprägt ist die Risikobereitschaft in Norwegen und Deutschlang (je 20%), gefolgt von Frankreich und Österreich (je 22%) sowie den Niederlanden (21%).

Erwartungen an Umsätze und Neuanstellungen im Abwärtstrend

Die Erwartungen der europäischen Unternehmen in Bezug auf Umsatzwachstum und Personalausbau sind leicht rückläufig. So gehen 64% der Befragten davon aus, dass der Umsatz ihrer Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten steigen wird, im Vergleich dazu waren es noch 67% im ersten Quartal 2015. Der größte Optimismus in Bezug auf das Umsatzwachstum herrscht in Italien, wo 84% von einer Steigerung ausgehen, in Irland (82%) und Spanien (75%). Am wenigsten werden Umsatzsteigerungen in Norwegen (51%), den Niederlanden (44%), Frankreich und Österreich erwartet (42%).
„Die Umsatzerwartungen der Finanzverantwortlichen sind in Österreich besonders niedrig“, führt Marterbauer aus. „Das bestätigt die negative Stimmung am Wirtschaftsstandort, die wir bereits seit einiger Zeit wahrnehmen. Hier müssen dringend Maßnahmen getroffen werden, um das Vertrauen zurückzugewinnen.“
Vorsichtig zeigen sich die Finanzchefs der Eurozone nicht nur bei der Einschätzung des Umsatzwachstums, sondern auch in Bezug auf Neuanstellungen. Durchschnittlich 35% der Befragten erwarten eine Steigerung bei der Anzahl ihrer Mitarbeiter in den nächsten zwölf Monaten, 22% eine Senkung. Am ehesten rechnen Unternehmen in Irland (55%) damit, neue Mitarbeiter zu rekrutieren, gefolgt von UK (47%) und Spanien (46%). Österreich zählt hier mit 17% genauso zu den Schlusslichtern wie die Niederlande (12%) und Russland (24%).

Unsicherheiten im Unternehmensumfeld nehmen zu

Eine deutliche Mehrheit von 66% der Finanzchefs ortet zunehmende Unsicherheiten für ihr Business und das Unternehmensumfeld, zu Beginn des Jahres waren es noch 60%. Am deutlichsten zeigt sich diese Tendenz in Deutschland (87%), den Niederlanden (84%) und in der Schweiz (75%). „Die Unsicherheit unter den europäischen CFOs ist deutlich spürbar. Das generell schwache globale Wachstum und das anhaltende Schwächeln der Eurozone sorgen für eine pessimistische Stimmung“, so Marterbauer. „Auffällig ist dabei die schlechter werdende Einschätzung der CFOs in den nördlichen europäischen Ländern, die bisher der Wachstumsmotor waren. Das muss als Warnsignal für die Entwicklung der europäischen Wirtschaft gedeutet werden.“ (red)

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