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„Hart, aber herzlich?” © Miguel Riopa/AFP/picturedesk.com

Don't be evil! Larry Page (Bild)

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Don't be evil! Larry Page (Bild)

05.02.2016

„Hart, aber herzlich?”

Eine wirtschaftspsychologische Analyse zur Hebung der Steuermoral. Über die dunkle Seite der Macht der Behörden und mögliche Anreize.

WIEN. Steuern, deren zähneknirschende Bezahlung – und deren mutwilliges Verprassen (insbesondere im Fall der öffentlichen Hand) bleiben ein beliebtes Thema, nicht nur im Umfeld des Finanzministeriums. Der Privatsender Puls 4 etwa geht mit seinem Format „Bist Du deppert!” (Thema: Steuerverschwendung) eben wegen des großen Erfolgs in die zweite Staffel. Der mehr oder weniger sinnentleerte Verbrauch von kumuliert 900 Mio. € steht auf dem Programm. Und: Auch auf EU-Ebene kommt eben wieder Bewegung in das Thema; steht doch das Maßnahmenpaket von EU-Kommissar Pierre Moscovici für faire Steuersysteme und den Kampf gegen Steuerflucht auf dem Brüsseler Programm.

Wie man die Menschen dazu bringt, ihre Steuern mit weniger Widerwillen zu bezahlen, damit setzen sich Wiener Psychologen auseinander. Deren Fazit: Wenn eine Behörde rigoros straft, aber die „Richtigen” erwischt, fühlen sich Bürger beschützt und zahlen ihre Steuern. Eher als sonst jedenfalls.

Der Schlüssel zur Moral

Der Schlüssel zur guten Zahlungsmoral ist, dass das Finanzamt als „vertrauensvoller und unterstützender Partner” erlebt wird, heißt es in dem Forschungspapier. Die Forscher identifizierten eine negative und positive Seite der „Behörden-Macht”. Sie gehen in ihrem sogenannten Slippery Slope-Modell davon aus, dass die Zahlungsmoral einerseits vom Machtgefüge zwischen Steuerzahler und Behörde und andererseits vom Vertrauen in die Behörde abhängt. Weitere wichtige Aspekte sind Steuerlast, Höhe der drohenden Strafen und die Wahrscheinlichkeit, überprüft zu werden.

Das Vertrauen in das Steuersystem hänge stark davon ab, wie gut Menschen über die Steuerbestimmungen informiert sind und ob sie sich gerecht behandelt fühlen, erklärte die Wirtschaftspsychologin Eva Hofmann. Sie untersucht Steuerehrlichkeit zusammen mit Kollegen um Barbara Hartl vom Institut für Angewandte Psychologie – Arbeit, Bildung, Wirtschaft der Uni Wien im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts.

Hinterziehen kann mühsam sein

Dabei identifizierten die Wissenschafter zwei Arten von Macht: ­Einerseits „eine klare, harte Macht”, die mit Strafen und der Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, zusammenhängt, sozusagen die „negative Seite der Macht”. Andererseits gebe es aber auch eine „positive Macht”, die unterstützende Seite der Behörde – wenn diese sich bemüht, Steuerzahlen möglichst einfach und angenehm zu gestalten. Es könne durchaus attraktiver sein, mit ein, zwei Knopfdrücken die Abgaben abzuführen, „als sich lange und mühselig zu überlegen, wie ich hinterziehen kann”, so Hofmann.

Im Gegensatz zur negativen Macht, die sich auf Bestrafung stützt, könne es bei der positiven Seite sogar zu einer gewissen Identifikation mit der Behörde kommen, da sich viele Durchschnittssteuerzahler mit dem Gesamtziel – nämlich Einkommen gerechter zu verteilen – ja prinzipiell identifizieren könnten.

Unehrlichkeit steckt an

In ihren Experimenten haben die Psychologen herausgefunden, dass Strafandrohungen nicht nur negativ konnotiert sind: Hat man nämlich Vertrauen, dass die Behörde die Hinterzieher findet und bestraft, fühlen die Menschen sich und ihren Steuerbeitrag gewissermaßen „beschützt”. Wenn aber beispielsweise Ex-Politiker mit zweifelhaften Methoden konsequenzlos Steuervermeidung betreiben oder sich Großkonzerne der Besteuerung teilweise entziehen, wirke das natürlich nicht förderlich.

Übrigens gibt es schon seit Jahren einen Austausch zwischen den Wiener Psychologen und den Steuerbehörden; diese Zusammenarbeit habe zu „massiven Verbesserungen des Service-Angebots” geführt. Neben den Niederlanden sei „die österreichische Steuerbehörde hier wirklich ein Aushängeschild”, sagte Hofmann. (red) Info: https://poweroftaxes.univie.ac.at/home

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