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Neuer ORF 2-Channelmanager Hofer muss im Vorabend aufräumen © ORF

Alexander Hofer, Channelmanager von ORF 2.

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Alexander Hofer, Channelmanager von ORF 2.

Redaktion 02.07.2018

Neuer ORF 2-Channelmanager Hofer muss im Vorabend aufräumen

Senderchef lehnt Punzierung als ÖVP-nah ab.

WIEN. Der neue Channelmanager von ORF 2 will das Profil des Senders schärfen, was spätestens 2019 auch für die Zuseher sichtbar sein soll. Das kündigt Alexander Hofer im APA-Interview an. Größte Baustelle sei der Vorabend, wo man "schnell handeln" müsse, um die Quoten zu stabilisieren. Die Regionalisierung bezeichnet er als weiteren Schwerpunkt; die Punzierung als ÖVP-nah lehnt er ab.

"Nein" sagt Hofer klipp und klar auf die Frage, ob er ein Schwarzer sei und deshalb den Job bekommen hat. "Bestens vernetzt in der niederösterreichischen ÖVP" ist eine der eleganteren Formulierungen, mit denen er medial rund um seine Bestellung bedacht wurde. "Dass man als langjähriger ORF-Mitarbeiter lernt, mit Punzierungen umzugehen oder sie zumindest zur Kenntnis nimmt, weil es offenbar nicht ohne geht, ist klar", sagt er dazu. "Ich bin jetzt 26 Jahre im Haus und habe in dieser Zeit Wert auf Äquidistanz und Glaubwürdigkeit gelegt." Ausschlaggebend für seine Bestellung seien "Leistung, Leistungsbereitschaft und gute Ergebnisse" gewesen, "mit dem Rest muss man zu leben lernen".

ORF 2 beschreibt Hofer als den "mit Sicherheit erfolgreichsten Sender der gesamten ORF-Fernsehfamilie. Wir haben stabilste Marktanteile in der für uns wesentlichen Zielgruppe und die einzigartige Ausrichtung, mit dem Alltag des Publikums engstens vernetzt zu sein". Marktanteile "im Schnitt zwischen 21 und 22 Prozent" stünden für Stabilität, jüngste Rückgänge seien "Ausreißer". Das Publikum zu halten und wenn möglich neue Seher zu gewinnen, betrachtet Hofer aber als Auftrag.

Seine Vorhaben will er über den Sommer konkretisieren. Er gehe seinen Job "sehr ambitioniert" an, sagt Hofer und will "das große Flaggschiff sukzessive 'refreshen', wie man in der Branche sagt. Wir sind erfolgreich aufgestellt, dürfen aber nicht Gefahr laufen, in die Jahre zu kommen." Dafür müsse man immer wieder an "Rädchen drehen".

Konkrete Sendungspläne verrät er noch nicht; im Herbst aber schwebt ihm eine Weiterentwicklung des "Bürgerforums" vor. Den "politischen Schwerpunkt" anlässlich der EU-Ratspräsidentschaft Österreichs will er als Anlass für eine "Hauptsendung mit Bürgerbeteiligung" nehmen, um eine "verstärkte Beteiligung des Publikums an öffentlichen Diskussionen" zu ermöglichen - "Agora" fällt Hofer hier als Schlagwort ein.

Was die Finanzierung seiner Programmpläne betrifft, hält er fest: Mit Budgetvorbehalt arbeite er nicht. "Wir entwickeln Programme, die wir uns leisten können. Ideen haben wir alle; spannend wird es, wenn man sie auch mit den zur Verfügung stehenden Mitteln umsetzen kann."

Eher nach einem abrupten Steuerkommando verlangt die Lage in der sogenannten Daytime. "Wir müssen schauen, dass wir von 17:30 bis 19:00 Uhr wieder dorthin zurückkehren, wo man von einem Erfolg sprechen kann. Wir haben es hier mit einem Nachgeben der Reichweite und des Marktanteils zu tun." Darunter leide auch der Audience Flow in die folgenden Sendungen, selbst wenn mit "Bundesland heute" immer noch ein "klarer Einschaltimpuls" garantiert sei. Dass die Fläche in ihrer jetzigen Form gerade einmal zehn Monate alt und schon Baustelle ist, will Hofer nicht kommentieren. Er kenne den Vorabend aber als "sensible Zone", habe er doch selbst lange für "Willkommen Österreich" gearbeitet. Auch eine Rückkehr ins Studio - derzeit tourt "Daheim in Österreich" ja durch die Lande - könne er nicht ausschließen. "Wir sollten hier keine Überlegung außer Acht lassen. Wir sind bereits in sehr engen Gesprächen mit der Daytime-Redaktion."

Regionalität definiert Hofer als "österreichisches Erscheinungsbild, aber kein provinzielles, nach innen gekehrtes. Wir wollen einen reflektierten Umgang mit den Begriffen, Heimat, Zuhause, Österreich.“ Die Bundesländer, zumeist durch ihre Vertreter im Stiftungsrat, deponieren regelmäßig ihre Wünsche nach mehr regionaler Sendezeit in den Hauptsendern am Küniglberg. "Begehrlichkeiten und Vorstellungen gibt es viele", sagt Hofer dazu. "Aber das Publikum ist der Maßstab unseres Erfolgs." Er sei ein "großer Freund der Landesstudios" und kenne ihre Leistungen. Konkrete Sendungsideen - ob Lokaleinstiege um 21.50 Uhr oder zusätzliche Fläche am Wochenende, wo die Lotteriesendungen entfallen - müsse man aber "pilotieren und mit dem Publikum prüfen". Das von ihm entwickelte "Erfolgsmodell '9 Plätze 9 Schätze'" kann er sich jedenfalls als Vorbild für ein weiteres, ähnliches Format vorstellen.

"Informationskompetenz" ist für den neuen Senderchef ein weiterer Markenkern von ORF 2. Vor allem FPÖ-Politiker, aber auch deren Vertreter im Stiftungsrat, Norbert Steger, nun Vorsitzender des Gremiums, haben die TV-Journalisten des Öffentlich-rechtlichen in den vergangenen Monaten durchaus ruppig angepackt. Hofer will keine "Sager" kommentieren. "Ich messe den Auftritt unserer Moderatoren an dem, was sie sagen, wie sie Gespräche führen und wie erfolgreich die Sendungen sind. Ich weiß von allen, dass das Topjournalisten sind." Und gerade die "Zeit im Bild 2" sei ein "Erfolgsmodell" und werde "gut und regelmäßig genutzt". Die Zusammenarbeit mit dem neuen ORF 2-Chefredakteur Matthias Schrom lasse sich hervorragend an, betont Hofer. Was die Leitung der "Zeit im Bild 2" angeht, hofft er, "dass wir uns da nicht allzu lang Zeit lassen“; der bisherige Verantwortliche, Wolfgang Wagner, wechselte an die Spitze des "Report", derzeit fungiert sein früherer Stellvertreter Matthias Schmelzer als interimistischer Sendungschef. Ausschreibung und Besetzung sind Sache des Generaldirektors.

Mit Lisa Totzauer, neue Channelmanagerin von ORF eins, sei er in "einem sehr guten und ständigen Austausch. Wir werden gemeinsam mit Programmdirektorin Kathrin Zechner und dem Generaldirektor in den nächsten Wochen die Zusammenarbeit definieren. Der Rückblick auf die letzten Wochen macht mich sehr zuversichtlich", meint Hofer, der jedoch zugleich betont: "Wir stehen am Anfang eines der größten Change-Prozesse für das TV-Programm und das Haus. Man darf nicht glauben, dass das von einem Tag auf den anderen geht." (APA)

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