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ORF III: Paradebeispiel zum Thema Public Value © ORF

Peter Schöber

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Peter Schöber

Dinko Fejzuli 16.03.2018

ORF III: Paradebeispiel zum Thema Public Value

Gestern präsentierte GF Peter Schöber die ­programmlichen Highlights der kommenden Info- & Kultur-Saison.

••• Von Dinko Fejzuli

Seit gut sechs Jahren ist ORF III am Markt und im Vergleich zu anderen europäischen Spartensendern sehr erfolgreich. Donnerstagabend präsentierte der Sender sein Programm für 2018. So dürfen sich die Zuschauer beispielsweise auch heuer an zahlreichen Eigenmarken erfreuen – im Interview sprach der ORF III-Programmleiter über das Programm des Senders, aber auch über Erfolge und nötige Flexibilität.


medianet:
Diese Woche präsentiert ORF III sein Programm für die kommende Saison. Bevor wir über die Zukunft sprechen – wie war das vergangene Jahr?
Peter Schöber: Unser Sender­baby wächst und gedeiht. Es ist uns gelungen, eine ganze Reihe erstklassiger Sendungen zu etablieren, und das Sendeschema wird vom Publikum hervorragend angenommen.

Seit dem vergangenen Jahr ist es so, dass täglich zehn Prozent der Erwachsenenbevölkerung unser Programm schauen. Diese Treue sehen wir auch bei neuen Formaten wie ‚Themenmontag: Der Talk' oder dem Wissenschaftsmagazin ‚Quantensprung'.


medianet:
Welche Highlights würden Sie besonders hervorheben?
Schöber: Ein toller Coup ist uns gelungen, als Barbara Rett und ihr Team unserem Publikum die neu produzierte ‚Ring Trilogie' aus dem Theater an der Wien präsentierten durften. Ein beeindruckender Erfolg unseres Weihnachtsprogramms war die ‚Die Akte Habsburg', ein neuer Doku-Fünfteiler mit Schauspieler Friedrich von Thun. Aber auch, dass wir Hugo Portischs Autobiografie ‚Aufregend war es immer' filmisch umsetzen durften, war uns eine große Ehre, die mich persönlich sehr stolz gemacht hat.

medianet:
ORF III ist nun seit gut sechs Jahren am Markt – Sie sind von Anfang an dabei; wie hat sich aus Ihrer Sicht der Sender insgesamt entwickelt?
Schöber: ORF III ist eine klar definierte und stringente Marke, die vom Publikum hervorragend angenommen wird. Dass unser Programm im Rahmen des Teletest häufig sehr hoch benotet wird, zeigt, dass die Zuseherinnen und Zuseher nicht nur genau wissen, wofür wir stehen und was sie bei uns erwartet, sondern auch, dass die hohe Qualität des ORF III-Angebots bemerkt und geschätzt wird.

medianet:
Wenn wir über das Programm sprechen – was haben Sie für die kommende Saison vor? Generell gefragt: Nach welchen Kriterien wählen Sie Inhalte aus?
Schöber: Qualität, Qualität und nochmals Qualität. Und es sollen Inhalte sein, die in Zusammenarbeit mit der heimischen Produzentenlandschaft entstanden sind – daher fließen auch 90 Prozent unseres Programmbudgets an Produzentinnen und Produzenten aus Österreich. Außerdem müssen die gewählten Inhalte natürlich zu unseren per Gesetz definierten Programmsäulen Kunst, Kultur, Zeitgeschichte, Religion und Wissenschaft passen.

medianet:
Was darf man sich im Bereich Information erwarten? Hier haben Sie ja mit Ingrid Thurnher eine wichtige Verstärkung als ORF III-Chefredakteurin bekommen.
Schöber: Gemeinsam mit Ingrid Thurnher möchten wir ORF III noch stärker in Richtung aktueller Information positionieren. Das bedeutet, dass ORF III sich bei erhöhter Ereignisdichte zu einem Informations- und Nachrichtensender wandelt. Um das schnell, mit minimalem Ressourcenaufwand und zu geringen Kosten zu realisieren, setzen wir derzeit ein Pilotprojekt mit Remote-Regie und Studio um. Ein weiterer Schwerpunkt ist der mittelfristig geplante Ausbau unserer Bundesländerinformation. ORF III soll dabei als eine Art nationale Auslage für die bestimmenden Bundesland-Themen fungieren und täglich in intensiver Abstimmung mit den Landesstudios einen Überblick über die interessantesten Top-Stories geben.

medianet:
Heuer gibt es mit 1918 und 1938 ganz besondere Jahresschwerpunkte. Welche Rolle übernimmt hier ORF III im programmlichen Zusammenspiel mit den beiden Hauptprogrammen?
Schöber: Unser Hauptfokus liegt hier auf dem 100. Republiksjubiläum, zu dem wir einerseits eine große Rückschau auf 700 Jahre Habsburgermonarchie planen und andererseits zahlreiche mehrteilige Dokumentationsreihen produzieren, in denen die Republiksgeschichte, ihr Werdegang und die bedeutenden Meilensteine und Zäsuren aufgearbeitet werden. So wie beim Schwerpunkt ‚1938 – Der ‚Anschluss''‚ erfolgt das in enger Abstimmung mit den anderen ORF-Medien. Besonders freut es mich, dass wir mittlerweile viele dieser Jubiläen und Gedenktage so gut wie ausschließlich mit ORF III-Produktionen bestücken können, die gemeinsam mit der österreichischen Produzentenlandschaft entstanden sind. Diese Ware ist natürlich auch für ORF eins und ORF 2 einsetzbar, umgekehrt erhält ORF III passende Sendungen des Vollprogramms.

medianet:
ORF III verzeichnet im Schnitt 700.000 Zuseherinnen und Zuseher täglich. Im Vergleich zu anderen Spartensendern in Europa, die zum Teil über viel größere Zuschauermärkte verfügen würden, ist ORF III besonders erfolgreich. Worauf führen Sie das zurück?
Schöber: Zum einen liegt es bestimmt daran, dass wir es geschafft haben, uns als klare Marke zu etablieren, die bei den wesentlichen Kulturveranstaltungen zugegen ist. Aber auch unsere Betriebsstruktur, die auf dem Channelprinzip ‚Ein Sender – Ein Team – Eine Marke' aufgebaut ist, gibt uns die Möglichkeit, schnell und flexibel zu reagieren und unser Programm den Gegebenheiten anzupassen oder zu ändern. Das war und ist vor allem im Informationsbereich ein wichtiges Asset, aber auch bei kulturellen Großereignissen wie der ‚ORF Langen Nacht der Museen' oder beim ‚Fest der Freude' werden im Bedarfsfall die bestehenden Strukturen aufgelöst. Des Weiteren haben wir die Möglichkeit, alle Synergien mit dem Konzern zu nutzen, und bekommen auch vonseiten des Generaldirektors und der ORF-Gremien größtmögliche Unterstützung.

medianet:
In ORF III haben Sie etliche Eigenmarken wie ‚Aus dem Rahmen' oder ‚erLesen' etabliert. Werden Sie dieses Angebot weiter ausbauen?
Schöber: Anders als viele Mitbewerber haben wir unseren Sender von Anfang an in den Hauptsendezeiten konsequent mit eigenen Programmschöpfungen bestückt. Mittlerweile sind es 31 Eigenmarken, die die Dachmarke ORF III definieren. Allein im vergangenen Jahr sind mit u.a. ‚Quantensprung', ‚Erbe Österreich' und ‚Themenmontag: Der Talk' insgesamt sechs neue Formate dazugekommen, die sehr gut angenommen werden. Heuer werden wir diese Strategie natürlich weiter fortsetzen und außerdem mit ‚Land der Berge' eine weitere ORF-Marke neu im Hauptabend platzieren. Dasselbe gilt auch für den Ausbau der Infostrecken mit ORF III-Chefredakteurin Ingrid Thurnher.

medianet:
Zu Beginn von ORF III gab es die Idee, bei Erfolg die eine oder andere Sendung oder bestimmte Formate auch in das Hauptprogramm zu hieven. Ist das passiert und wie funktioniert insgesamt das Zusammenspiel Hauptprogramm und Spartensender?
Schöber: Ich möchte das für die Zukunft auch nicht ausschließen, aber der ORF ist eine sehr stringent aufgestellte Senderflotte, die es schafft, jeden Tag in unterschiedlichen Publikumssegmenten eine große Zahl an Menschen zu erreichen. Dazu zählt ganz wesentlich, dass jeder Sender eine eigene Programmidentität und Unverwechselbarkeit hat.

medianet:
Letzte Frage: Der ORF steht derzeit unter scharfem Beschuss durch die FPÖ – wie wichtig ist da ORF III insbesondere in Bezug auf die öffentlich geführte Debatte zum Thema öffentlich-rechtliche Inhalte und ORF?
Schöber: Ich denke, wir erfüllen unseren gesetzlich verankerten öffentlich-rechtlichen Auftrag sehr gut. Dieser umfasst ja nicht nur Kultur und Nachrichten, sondern auch gelungene fiktionale Stoffe, Unterhaltung und Sport. Nur als gemeinsame Senderflotte können wir diesen Auftrag in allen Segmenten optimal abdecken.

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