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Werbe-Boykott wird YouTube & Co verändern APA dpa-Zentralbild Jens Buettner
APA dpa-Zentralbild Jens Buettner

Redaktion 28.03.2017

Werbe-Boykott wird YouTube & Co verändern

Nachdem 250 Werbekunden ihre Ads auf der Google-Plattform YouTube gestoppt haben, berechnen Analysten die drohenden finanziellen Einbußen für den Mutterkonzern Alphabet. "Traditionelles" TV könnte profitieren.

WIEN. Google könnte durch den Werbe-Boykott von derzeit fast 250 Marken - nachdem Anzeigen neben extremistischen Inhalten aufgetaucht waren - bis zu 750 Mio. USD verlieren, so die Analysten des japanischen Brokerhauses Nomura Instinet. Dies könnte die Video-Plattform allein in den USA 7,5% ihrer Einnahmen in 2017 kosten.

Werbung im TV ist besser planbar
"Traditionelle" TV-Sender, schreibt der Nachrichtendienst Business Insider, würden versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Das Argument: Werbung im TV garantiert mehr Transparenz - eine vorhersehbare Platzierung in qualitätsgarantiertem Umfeld und damit Markensicherheit. In Folge der Probleme rund um YouTube sei jetzt zudem damit zu rechnen, dass auch andere Plattformen, die auf user-generated Content beruhen, wie Facebook, Twitter und Snapchat, einer eingehenderen Prüfung unterzogen werden. RCB Capital Markets und Morgan Stanley, berichten US-Medien, schätzen den Effekt des YouTube-Werbeboykotts auf Google derzeit noch als gering ein. Morgan Stanley etwa argumentierte damit, dass selbst die 100 größten Werbekunden für Google nur 20% ihrer Gesamteinnahmen repräsentierten. Weitere Experten spekulieren, dass viele Werbekunden diese Gelegenheit auch schlicht dazu nutzen werden, um am Preis ihrer Anzeigen zu schrauben.

Google arbeitet an Kontrollmechanismen
Allerdings ist man sich dahingehend einig, dass Google jetzt in mehr direkte Kontrolle ihrer Inhalte und der Anzeigenplatzierung investieren müsse, um den Wünschen der Werbekunden nachzukommen. Die Aktien der Google-Mutter Alphabet Inc. wurden in letzter Zeit etwas in Mitleidenschaft gezogen und fielen seit Donnerstag um etwa 4%. Google kündigte in einem Blog-Beitrag bereits "Expanded safeguards for advertisers" an (https://blog.google/topics/ads/expanded-safeguards-for-advertisers/): "Wir werden Werbung gezielter von Videos entfernen, die Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Geschlechts oder ähnlicher Kategorien diffamieren oder belästigen", so Google-Manager Philipp Schindler. In den kommenden Tagen und Monaten werde man Werbekunden nicht mehr Werkzeuge in die Hand geben, damit sie auf noch einfachere Art und Weise ihre Anzeigen im richtigen Umfeld platzieren könnten.

Stop Funding Hate?
Kampagnen wie etwa jener der britischen NGO "Stop Funding Hate" (oder in Österreich: #KeinGeldfürHetze der sektion 8) könnte damit ebenfalls ein Teil ihrer Legitimation entzogen werden: "Stop Funding Hate" forderte dazu auf, das Werbebudget nicht in Boulevardmedien wie "Sun" oder "Daily Mail" zu investieren, die das gesellschaftliche Klima vergiften. Diese Kampagnen gegen ein nicht-CSR-taugliches Umfeld laufen jedoch sehr wohl auf Plattformen wie Facebook oder YouTube, die ebenfalls im Verdacht stehen, zumindest einen Teil der Werbeeinnahmen an zwielichtige Contentanbieter auszuschütten.  "medianet" berichtet diesen Freitag über die Folgen dieser Causa für den heimischen Werbemarkt. (sb)

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