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Mogelpackung im Immo-Business © WKÖ/Blauensteiner

Fachverbands-Funktionäre Reinhold Lexer, Fachverbands-GF Ursula Pernica, Georg Edlauer und Gerald Gollenz (v.l.).

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Fachverbands-Funktionäre Reinhold Lexer, Fachverbands-GF Ursula Pernica, Georg Edlauer und Gerald Gollenz (v.l.).

04.03.2016

Mogelpackung im Immo-Business

Die heimische Immobilienwirtschaft kritisiert die ­Aussetzung der Richtwertmietenerhöhung und weist auf große ­Herausforderungen für die heimischen Kommunen hin.

••• Von Paul Christian Jezek

WIEN. Das jüngst im Plenum des Nationalrats beschlossene „Mietrechtliche Inflationslinderungs­gesetz” (MILG) wird von der Immobilienwirtschaft in Österreich als „Mogelpackung” und „Sand in die Augen streuen” gesehen.

„Verkauft wird es als große Einsparung für die rund 200.000 Mieter von Wohnungen, die dem Richtwertgesetz unterliegen. Das ist es aber mitnichten”, kritisiert Georg Edlauer, Obmann des Fachverbands der Immobilientreuhänder der Wirtschaftskammer. „Der Richtwertmietzins ist wertgesichert; alle zwei Jahre wird die Miete auf Basis des Jahresdurchschnitts des Verbraucherpreis­index angehoben.” Dies entspreche keiner Mieterhöhung, wie dies fälschlicherweise dargestellt wird, sondern diene lediglich dazu, den inneren Wert des vereinbarten Mietzinses zu sichern. „Diese Wertsicherung wird nur um ein Jahr hinausgeschoben; die Verlagerung bedeutet aber eine stärkere Anpassung im nächsten Jahr, wo die Miete nominell dann stärker steigen muss, um den Kaufkraftverlust von drei Jahren nachzuholen.”
Die Politik rechtfertige derart „willkürliche Eingriffe” – so Edlauer – damit, dass die Konsumgüter­investitionen angekurbelt werden sollen. Die Wertschöpfung einer Investition in Konsumgüter bleibe aber nur zum geringsten Teil in ­Österreich – „anders bei Investitionen in die Errichtung oder die Sanierung von Immobilien”, meint Fachverbandsobmann Edlauer.
„Um das in Zahlen darzustellen: Für den Mieter bedeutet das z.B. in Wien eine Anhebung um 14 Cent pro m2 pro Monat. Durch die weitere Aussetzung der Wertsicherung um ein Jahr werden den Vermietern damit aber rund 45 Mio. Euro entzogen; dies allein entspricht einer möglichen Wohnbauleistung von rund 400 Wohnungen, die mit diesem Betrag neu errichtet werden könnten – oder etwa dem Fünf­fachen an Wohnungen, die mit diesem Betrag thermisch saniert werden könnten.”

Infrastruktur auf dem Land

In den heimischen Gemeinden seien Neuorientierungen notwendig, „die Strukturen müssen sich verändern und für die Zukunft neu aufstellen”, fordert FV-Obmann-Stv. Gerald Gollenz. „Nur so wird es den Gemeinden in Zukunft möglich sein, auch weiterhin genügend Spielraum bei den Ausgaben und Investitionen zu haben.”

Eine der größten Herausforderungen der Kommunen und deren Budgets sei die Schaffung, Restrukturierung, Erhaltung und wirtschaftliche, technische und rechtliche Optimierung von Gebäude-Infrastruktur, auch in Hinblick auf zeitgemäße Immobilienstrukturen. Gollenz: „Das ist der Kernbereich der Immobilientreuhänder und wir möchten neue Chancen durch Partnerschaften zwischen Gemeinden und der gewerblichen Immobilienwirtschaft aufzeigen.”

Provisionsrechner als Online-Tool

Fachverbandsobmann-Stellvertreter Reinhold Lexer ist es ein Anliegen, das Vertrauen des Kunden in den Makler zu stärken: „Dazu gehört auch, dass von Beginn an die Kosten für die Vermittlung durch den Makler bekannt sind und damit Unklarheiten vermieden werden. Unser Anliegen ist ein aktiver, vorsorglicher Konsumentenschutz, um Rechtssicherheit für alle Beteiligten zu erreichen – darum stellt der Fachverband jetzt auf seiner Website www.wkimmo.at einen Maklerprovisionsrechner als ­Online-Tool zur Verfügung.”

Zur Transparenz gehört auch, dass alle Maklerformulare (Auftragsformulare, Nebenkostenübersichten, etc.) in Deutsch/Englisch und Italienisch auf der Website frei zugänglich sind.

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