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Die Fortsetzung des Maskenballs © APA/Herbert Neubauer

Seit Anfang der Woche herrscht im Handel wieder generelle Maskenpflicht. Anlass sind die gestiegenen Infektionszahlen. Der Handelsverband rechnet mit Umsatzeinbußen von 500 Mio. € pro Monat.

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Seit Anfang der Woche herrscht im Handel wieder generelle Maskenpflicht. Anlass sind die gestiegenen Infektionszahlen. Der Handelsverband rechnet mit Umsatzeinbußen von 500 Mio. € pro Monat.

Redaktion 18.09.2020

Die Fortsetzung des Maskenballs

Die generelle Maskenpflicht im Handel ist zurück; damit herrscht zumindest hier wieder Klarheit – und Gleichheit.

••• Von Paul Hafner

WIEN. Ein bestimmendes Merkmal, das sich durch fast sämtliche Aspekte der Coronakrise zu ziehen scheint, ist das der Unklarheit. Es ist unklar, ob eine Herdenimmunität erreichbar ist. Es ist unklar, wann ein zugelassener Impfstoff verfügbar sein wird, und ob dieser die Pandemie eindämmen wird können. Folglich sind auch die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen unklar. Selbst der Sinn von Schutzmasken ist Gegenstand eines heißen Disputs: Hält er Tröpfchen in relevantem Ausmaß zurück und vergrößert er das Gefahrenbewusststein oder führt sein Tragen zu einem falschen Sicherheitsgefühl und schadet somit mehr, als es nutzen sollte?

In jedem Fall ist die generelle Maskenpflicht im Handel seit Montag wieder in Kraft – womit zumindest hier, unabhängig von regionalen Ampelschaltungen, bundesweit Klarheit und Gleichheit geschaffen wurde, was sich beim Einkauf gebietet: Mund-Nasen-Schutz für alle, unabhängig von der Art des Geschäfts und ob man Kunde oder Mitarbeiter ist.

Faire Lösung

Konfusion hatte die letzten Monate etwa in Drogerien geherrscht: Waren sie zu Beginn der Krise gemeinsam mit Lebensmittelhändlern als Geschäfte des täglichen Bedarfs vom Lockdown ausgenommen, galt die Vermummungspflicht seit Mitte Juni plötzlich nur noch für den Lebensmittelhandel, nicht mehr für die Drogerien – die für Risikogruppen doch denselben Stellenwert haben mussten wie im März.

Letztlich scheint es auch kaum nachvollziehbar, warum „optionale” Geschäfte von der Maskenpflicht ausgenommen sein sollen, nur weil Risikogruppen dort nicht regelmäßig verkehren müssen. Wenn die Vermummung im Melting Pot Supermarkt dazu beiträgt, die Verbreitung des Virus einzudämmen (oder auch nur zu verlangsamen), tut sie dies auch (oder mehr noch) im Einkaufszentrum. Und das ist immerhin das erklärte Ziel der Bundesregierung – insofern ist die neue Regelung zumindest in Hinblick auf das allgemeine Ziel schlüssig.

Blaues Auge für den Handel

Gemäß Handelsverband-Prognose soll sich die allgemeine Maskenpflicht bundesweit in einem Umsatzverlust von einer halben Mrd. € pro Monat im Handel auswirken.

Geschäftsführer Rainer Will kritisierte die daraus gefolgerte Obsoleszenz der Corona-Ampel und damit die Aushebelung der regionalen Geltung: „Warum gelten in Gebieten, in denen keine Corona-Fälle bekannt sind, nun ebenso die strengeren Vorschriften?” Vom Prinzip „lokal vor regional vor national” werde mit der bundesweiten Maskenpflicht nun wieder abgewichen.
Pragmatisch nimmt es WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik: „Ein zweiter Lockdown wäre für die gesamte Wirtschaft eine Katastrophe.” Die generelle Maskenpflicht im Handel sei das „gelindere Mittel” – und angesichts der steigenden Neuinfektionszahlen „nachvollziehbar”. Auch er erwartet negative Auswirkungen auf die Kundenfrequenz sowie Impulskäufe, aber: „Es gibt diesmal sicherlich nicht dieselbe Aufregung wie im März”, so Trefelik abschließend.

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