WIEN. Österreichs Agraraußenhandel hat sich im ersten Halbjahr 2026 stabil entwickelt, doch die Lebensmittelindustrie gerät unter Druck. Laut Statistik Austria stieg der Wert der Agrarexporte um ein Prozent auf 8,73 Mrd. €, während die Importe um rund drei Prozent auf 9,65 Mrd. € sanken. Das Handelsdefizit verringerte sich um knapp 394 Mio. € auf rund 917 Mio. €. Die Exportmenge blieb indes mit 5,17 Mio. Tonnen nahezu unverändert.
Herausforderndes Umfeld
„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auch in einem herausfordernden Umfeld auf internationalen Märkten gut behauptet“, erklärte Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing. Besonders gut liefen Rindfleisch mit einem wertmäßigen Plus von 12,2%, Geflügel (+9,2%), Käse (+2,7%) und Äpfel (+63,5%). Deutschland blieb mit 3,35 Mrd. € und 38,4% Anteil wichtigster Abnehmer der heimischen Agrarexporte.
Rückläufig in Wert und Menge
Deutlich kritischer fällt die Bilanz der verarbeitenden Lebensmittelindustrie aus. Bei verarbeiteten Lebensmitteln sank die Exportmenge um 5,1% auf 2,9 Mio. Tonnen, der Exportwert um 0,8% auf 5,3 Mrd. €. „Die Lebensmittelexporte sind erstmals rückläufig und zwar sowohl beim Wert als auch bei der Menge“, erklärte Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des WKÖ-Fachverbands der Lebensmittelindustrie. Der Außenhandelsüberschuss dieser Warengruppe beträgt zwar noch 587 Mio. €, ist aber seit 2021 deutlich geschrumpft.
Als Hauptproblem sieht Koßdorff die Kostenbelastung der heimischen Hersteller: „Österreichische Lebensmittelhersteller tragen einen vergleichsweise schwereren Kostenrucksack bei Aufwendungen für Personal- und Energiekosten als ihre ausländischen Mitbewerber. Das rächt sich dann auf den Exportmärkten.“ Auch die abgesetzte Produktion ging im ersten Halbjahr wertmäßig um 5,4% auf
5,7 Mrd. € zurück. Die Diskussion über Lebensmittelpreise und Margenkontrollen lenke von den eigentlichen Standortproblemen ab, kritisierte Koßdorff. Sie fordert niedrigere Standortkosten und eine Stärkung der Exportaktivitäten.
AF-Getränke an der Spitze
Wichtigstes Exportprodukt der Lebensmittelindustrie blieben alkoholfreie Getränke mit rd. 1,2 Mrd. €, gefolgt von Lebensmittelzubereitungen (508 Mio. €), Tierfutter (495 Mio. €) und feinen Backwaren (428 Mio. €). Während die Lebensmittelexporte nach Italien und Tschechien zulegten, gingen jene nach Deutschland, in die Niederlande und nach Ungarn zurück. Die EU ist mit 76,7% Anteil wichtigster Absatzmarkt. (red)
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