Standort, Innovation und Steuern – diese Themen standen beim jüngsten medianet executive Club bei LeitnerLeitner im Haus der Wiener Kaufmannschaft im Mittelpunkt. Unter der Moderation von medianet-Verlagsleiter Bernhard Gily diskutierten Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, Gunter Mayr, Sektionschef für Steuerpolitik und Steuerrecht im Finanzministerium, und Natascha Stornig-Wisek, Partnerin bei LeitnerLeitner, über das Spannungsfeld zwischen Budgetkonsolidierung, steuerlichen Anreizen und administrativer Effizienz.
Im Zentrum des Podiumgesprächs, das von mehr als 100 geladenen Gästen interessiert verfolgt wurde, standen die Übersetzung von Forschung in marktfähige Produkte, bestehende steuerliche Instrumente sowie der bürokratische Aufwand für Unternehmen.
Abkehr von der Gießkanne
Minister Hanke hob die Bedeutung von Produktivitätszuwächsen für die Wertschöpfung hervor und betonte, dass Politik den Rahmen setze, am Ende jedoch die Unternehmen die Anreize nutzen müssten. Um dem europäischen Problem einer verzögerten Marktumsetzung entgegenzuwirken, setze die Regierung auf „gezielte Schwerpunktsetzungen in Schlüsseltechnologien statt Förderung nach dem Gießkannenprinzip“.
Sektionschef Mayr sprach über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Steuerrechts und verwies auf die Forschungsprämie in Höhe von 14%, für die in den letzten Jahren jährlich 1,2 Mrd. € ausbezahlt worden seien. Darüber hinaus kündigte er das Erscheinen der überarbeiteten Richtlinien für ebendiese Prämien an und plädierte für eine Konzentration auf die „wirksamsten Steuerungsinstrumente“.
Ruf nach mehr Austausch
Einen Perspektivenwechsel vollziehend, beleuchtete Stornig-Wisek die Anforderungen der Unternehmenspraxis. Sie lobte die Innovationskraft des heimischen Mittelstands, wies jedoch auf Herausforderungen bei der Bereitstellung von Wachstumskapital und der Abgabenbelastung des Faktors Arbeit hin. Während der Investitionsfreibetrag administrativ unkompliziert handhabbar sei, erzeuge die Anwendung der Forschungsprämie bei Betriebsprüfungen mitunter Unsicherheiten; es brauche mehr Planungssicherheit für Unternehmen und Anreize, die „nicht nur die Forschung, sondern auch die anschließende wirtschaftliche Verwertung und Produktion am Standort halten“. Die Herausforderung bei der Kapitalmarktbeschaffung fasste sie prägnant mit einem bildhaften Vergleich zusammen: Innovation sei die „Rakete“, Wachstumskapital der dafür benötigte „Treibstoff“.
Zum Abschluss unterstrich Mayr die Relevanz des direkten Austauschs, der „ganz entscheidend sei“. Die Forschungsprämie habe ihren Stellenwert erhöht, so „dass natürlich die rechtlichen Fragen auch an Bedeutung gewonnen haben“. Auch Hanke befand, es brauche unbedingt ein „engeres Miteinander zwischen Wirtschaft und Politik und Unternehmertum“. (haf)
Alle Fotos des Events unter: medianet.at/executiveclub