Die Teuerung macht zwar vor den Bäckereien nicht halt, allerdings sind die Preise für Backwaren wie Weißbrot, Gebäck oder Semmeln laut Statistik Austria weniger stark als der Verbraucherpreisindex gestiegen. Andere inflationsbedingte Kostensteigerungen betreffen die Bäckereien dennoch. Darüber hinaus bieten sie längst nicht nur Backwaren an: Das Angebot reicht von Getränken über verschiedene To-go-Angebote bis hin zum Betrieb kleinerer oder größerer Kaffeehäuser. medianet hat mit verschiedenen Vertretern der Branche gesprochen, um sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage, aktuellen Trends und den Produktneuheiten für die kommende Zeit zu machen.
Kostendruck und Qualität
Die Antworten auf Fragen zum wirtschaftlichen Umfeld fallen unterschiedlich aus. So erklärt etwa Georg Resch, Eigentümer und Geschäftsführer von Resch&Frisch: „Das wirtschaftliche Umfeld bleibt anspruchsvoll, die Kunden achten stärker auf den Preis.“ Dennoch kann er ein Umsatzplus von 4% auf rund 155 Mio. € verkünden. Das Unternehmen mit rund 1.300 Mitarbeitern setzt auf eine hohe Produktqualität, Service und mehrere Standbeine: „Mit Gastronomie, Hauszustellung und Bäckerei-Cafés sind wir breit aufgestellt.“
Eine gewisse Breite führt auch die Ankerbrot-Gruppe mit ihren über 100 Filialen im Großraum Wien/Niederösterreich/Burgenland als Plus ins Treffen. Tina Schrettner, Geschäftsführerin Marketing, Filialvertrieb & ESG bei Ankerbrot, erklärt die zwei großen Säulen: Die erste sind die Anker-Filialen und der Cateringvertrieb für die Westbahn. Die zweite Säule umfasst „den Lebensmittelhandel, den Großhandel sowie die direkte Gastronomie. Diese unterschiedlichen Vertriebskanäle schaffen eine stabile Basis und ermöglichen es uns gleichzeitig, gezielt auf die jeweiligen Bedürfnisse einzugehen.“
Sinnvoll sparen notwendig
Michael Mann, Bäckermeister von DerMann, verweist auf Einsparungsnotwendigkeiten mit Augenmaß: „Die aktuelle Lage fordert uns alle, und natürlich schauen auch wir genau hin, wo wir sinnvoll und verantwortungsvoll sparen können. Eines steht für uns aber außer Frage: Bei der Qualität unserer Produkte und bei unserer Mannschaft wird nicht eingespart.“ Um erfolgreich zu wirtschaften, ist es insgesamt wichtig, den Kunden das zu bieten, was sie wollen – und dafür auch auf Trends zu reagieren.
Der derzeit stärkste Trend, den beispielsweise Mann bei den Gästen beobachtet, ist wie in anderen Lebensmittelbereichen Protein: „Viele wünschen sich bewusst nährstoffreiche Genussmomente, und darauf haben wir reagiert. Wir bieten in unseren Kaffeehäusern Frühstücksoptionen mit High-
Protein an, dazu zählen ein Protein-Omelette und ein Proteinshake.“
Anker bestätigt diese Entwicklung. Neu im Angebot ist beispielsweise ein Skyr-Weißbrot. Schrettner sagt darüber hinaus: „Wir sehen mehrere parallele Entwicklungen: Der Wunsch nach schneller, unkomplizierter Verpflegung für unterwegs nimmt ebenso zu wie das Interesse an bewusster Ernährung, regionaler Herkunft und neuen Geschmackserlebnissen.“ Auch die Aufmachung muss passen. Deshalb präsentiert sich die eigene Schnittbrot-Range in einem neuen, aufmerksamkeitsstarken Verpackungsdesign. Das soll für eine bessere Sichtbarkeit im Regal sorgen und die österreichische Herkunft der Brote klar hervorheben.
Neu im Herbst und Winter
Aktuelle Ernährungstrends greift Resch&Frisch beispielsweise mit dem Buchweizenbrot auf. Das weizenfreie Brot enthält Sonnenblumenkerne, Leinsamen und Quinoa. Darüber hinaus legt das Unternehmen Wert auf Bio-Produkte: „Besonders freue ich mich über die drei Bio-Produkte, die wir mit Joseph Brot entwickelt und eben erst vorgestellt haben: das Bio-Bircher-Müsli-Weckerl, den Bio-Brioche-Bagel und das Bio-Korn-Krusti. Seltene heimische Urgetreidesorten bringen dabei ganz besondere Geschmacksnoten auf den Frühstückstisch.“ Erhältlich sind diese Produkte ausschließlich über die Hauszustellung. Richtung Weihnachten setzt man dann wieder auf Klassiker wie Vanillekipferl, Linzer Augen oder Florentiner.
Anker kündigt ebenfalls eine Reihe an Produkten an, die in diesem Herbst erhältlich sind (siehe Seite 48). Bei DerMann will man sich nicht in die Karten blicken lassen: „Welche Überraschungen genau auf sie warten, verraten wir noch nicht – nur so viel: Es wird ganz bestimmt köstlich, und wir laden alle herzlich ein, sich überraschen zu lassen.“
Es zeigt sich also landauf, landab, dass die heimischen Bäcker nicht nur dank Breite gut performen, sondern auch sowohl hinsichtlich Trends und Klassiker gut aufgestellt sind.
Social Media Verbot für Jugendliche aufgeschoben
WIEN/BRÜSSEL Zum Ende der Begutachtungsfrist für nationale Gesetzesentwürfe für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche hat die EU-Kommission die dafür zuständige Stillhaltefrist