Gratis, aber teuer: Retouren steigen
© APA/dpa/Tom Weller
RETAIL Redaktion 24.04.2026

Gratis, aber teuer: Retouren steigen

Eine wachsende Mehrheit der Onlinekäufer schickt Ware zurück – das hat Konsequenzen für alle.

WIEN. Laut einer aktuellen IHaM-Analyse haben im Vorjahr 57% der heimischen Onlinekäufer zwischen 16 und 74 Jahren zumindest einmal online bestellte Ware wieder zurückgeschickt – das ist ein Anstieg von einem Prozentpunkt gegenüber 2024 bzw. fünf Prozentpunkten gegenüber 2023. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg ist die wachsende Popularität internationaler Billighändler: „Wenn bei Temu, Shein & Co. bestellt wird, steigt die Retourenquote im Durchschnitt auf 63%, während sie ohne diese Plattformen mit 48% deutlich niedriger ausfällt“, erklärt IHaM-Handelsforscher Ernst Gittenberger.

Internationaler Vergleich
Besonders hoch fällt die Retourenquote in den jungen Alterskohorten 16–24 Jahre mit 63% und 25–34 Jahre mit 67% aus, was die Studienautoren vor allem auf die hohe Bestellhäufigkeit zurückzuführen; unter den 64- bis 75-jährigen Onlineshoppern fällt die Retourenquote mit 39% deutlich niedriger aus.

Im internationalen Vergleich liegt Österreich damit knapp über Ländern wie Deutschland (2024: 53%), der Schweiz (2024: 54%) und auch den USA (2023: 52%), aber gleichzeitig weit hinter dem „Spitzenreiter“ China mit 69%. Besonders gering fällt die Retourenquote mit 42% (2023) in Italien aus, was die Studienautoren nicht zuletzt auf eine geringe Affinität zum Onlinekauf bei Mode zurückführen.

Anprobiert und zurück
Apropos Mode: 51% der Online-Shopper in Österreich, die im Jahr 2025 Bekleidung oder Schuhe im Internet bestellt haben, schickten zumindest einmal einen Teil der bestellten Produkte wieder zurück. Damit ist die Retourenquote bei Modeartikeln nach 44% im Jahr 2023 und 47% im Jahr 2024 auch 2025 weiter stark angestiegen. Hauptmotiv für die Rücksendungen ist die Passform: 71% der Mode-Shopper, die Ware zurücksendeten, geben „falsche Größen(-angaben)“ als Grund an, 49% unerwartet schlechte Produktqualität und 29% gar Produktschäden.
Deutlich geringer fallen die Retouren in allen weiteren Online-Warengruppen aus. Trotz deutlichem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr liegt die Retourenquote bei Sportartikeln 2025 bei „nur“ 22%. Anstiege verzeichnen auch die Kategorien Möbel und Garten (17%), Unterhaltungselektronik und Spielzeug (je 16%).

Kostenlos hat seinen Preis
„Gratisretouren spielen im Onlinehandel eine Schlüsselrolle, weil sie das wahrgenommene Kaufrisiko massiv reduzieren. Was viele Shopperinnen und Shopper dabei ausblenden: Eine Retoure ist nie wirklich kostenlos – sie wird entlang der Wertschöpfungskette eingepreist und letztlich von Handel, Industrie oder indirekt von allen Konsumentinnen und Konsumenten getragen“, erinnert IHaM-Vorstand Christoph Teller. Aus Sicht der Konsumentenforschung zeige sich hier „ein klarer Trade-off: Bequemlichkeit und Preis schlagen häufig Nachhaltigkeit – mit entsprechenden Konsequenzen für Handel und Umwelt.“ (red)

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