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„Grow My Store”: Neues Google-Tool für Retailer © APA/AFP/Peter Muhly
© APA/AFP/Peter Muhly

Redaktion 31.10.2019

„Grow My Store”: Neues Google-Tool für Retailer

Internetriese ermutigt zum Start des Weihnachtsgeschäfts die Händler zur Website-Optimierung.

••• Von Paul Hafner

Pünktlich zum Start des Vorweihnachtsgeschäfts hat Google Austria den Start von „Grow My Store” in Österreich verkündet, das Einzelhändlern mit Online-Auftritt helfen soll, diesen den Käufer­erwartungen entsprechend zu optimieren. Das neue Tool ist Teil von Googles 2015 gestarteter Digital-Marketing-Plattform „Think with Google”.

Website Assessment

Unter dem Link http://g.co/growmystore können Händler mittels Website-URL und Angabe zur Shop-Ausrichtung (online, stationär oder beides) ohne Kosten eine Analyse beantragen.

Binnen einiger Minuten ist ein standardisierter Bericht erstellt, der die Website nach den Gesichtspunkten Produktinformation, Personalisierung, flexible Auftragsführung, Kundenservice, Sicherheit und Mobilgeräte-Optimierung analysiert.
Das Tool diene „dem Assessment der eigenen Website”, erklärt Christine Antlanger-Winter, Country Director von Google Austria. „Immer mehr Kaufentscheidungen starten heute online. Es ist umso wichtiger, dass sich österreichische Händler, gerade auch kleinere, auf die spezifischen Kundenerwarten on- und offline einstellen.”
Sinn des Tools sei es, „Unternehmer dabei zu unterstützen, die Chancen der Digitalisierung für das eigene Geschäft zu nutzen und ideale Voraussetzungen zu schaffen. Da will Google ein Partner sein”, erklärt Antlanger-Winter die Idee hinter Grow My Store, das in Deutschland schon ein paar Wochen früher an den Start gegangen ist.

Weihnachtsgeschäft

Der Zeitpunkt für die Einführung des Tools ist nicht zufällig gewählt. In den USA beginnt das Weihnachtsgeschäft traditionell mit dem Black Friday, der immer auf den Tag nach Thanksgiving und somit heuer auf den 29. November fällt.

Wie Google-Suchanalysen zeigen, beginnt allerdings mehr als ein Drittel der User schon im Frühherbst, über Weihnachtsgeschenke nachzudenken – und in der letzten Oktoberwoche wird die Suchmaschine signifikant häufiger zur Suche nach Geschenkideen genutzt. Für Händler gilt daher, wie Google-Sprecher Samuel Leiser formuliert: „Weihnachten beginnt im Oktober.”
Einen deutlichen Rückgang bei den Suchanfragen mit Handelsbezug gibt es indes ab Mitte Dezember, wo man eigentlich besonders rege Tätigkeit vermuten könnte. Nach Weihnachten und mit Neujahr gehen die Zahlen dann wieder nach oben. Je näher das Weihnachtsfest rückt, desto eher wird in die Geschäfte gepilgert – aus Angst vor zu später Zustellung? Die Zahlen liefern Retailern jedenfalls guten Grund, ihren Online-Auftritt rechtzeitig auf Vordermann zu bringen.

Mobile Shopping hoch im Kurs

Die Marktführerschaft Googles und die Allgegenwärtigkeit der Suchmaschine im Leben der Menschen lässt nicht nur Rückschlüsse auf das Weihnachtsgeschäft zu, sondern liefert – als Resultat einer Kombination von Erhebungen, Suchanalysen und Studien – interessante Zahlen zu den Kaufgewohnheiten.

So ist dem „Holiday Retail Playbook 2018” zu entnehmen, dass sich im vergangenen Jahr in den USA erstmals über die Hälfte der Recherchen und Einkäufe online abspielte. Google berichtet auch von einer starken weltweiten Zunahme an Onlinekäufen über Mobilgeräte: „Zwei Drittel der Weihnachtsshopper suchen über Mobilgeräte nach Weihnachtsgeschenken – insbesondere für die letzten zwei Jahre lässt sich hier ein hoher Anstieg beobachten”, berichtet Antlanger-Winter.

7,5 Mrd. Online-Umsatz

Schließlich unterstreicht auch der von Google Austria, Handelsverband und MindTake erstellte „Omnichannel Readiness Index 2.0” die steigende Bedeutung des Mobile Shoppings: Mit einem Zuwachs von 25% entfielen 2018 bereits 800 Mio. € auf M-Commerce – eine Vervierfachung der Umsätze seit 2013. Hier fällt der „Digital Divide” allerdings besonders gravierend aus: Sind es bei den Unter-29-Jährigen 60%, die via Smartphone einkaufen, liegt die M-Commerce-Quote bei den Über-60-Jährigen bei nur sechs Prozent.Der Onlineumsatz insgesamt befand sich im Vorjahr mit 7,5 Mrd. € auf einem Rekordniveau. Da mehr als jeder Zweite im Ausland bestellt, profitieren die rund 9.000 heimischen Web­shops nur beschränkt. In den Distanzhandel fließen 11% der gesamten Einzelhandelsausgaben – damit liegt Österreich knapp hinter Deutschland (13%).

85% der österreichischen Konsumenten recherchieren vor dem geplanten Kauf online, 62% der stationären Käufe werden digital beeinflusst.

Black Friday und Singles' Day

War der Black Friday hierzulande noch vor wenigen Jahren den wenigsten ein Begriff, bringt er es heute schon auf eine Bekanntheit von 66%.

Der ebenfalls amerikanisch geprägte Cyber Monday – jener auf den Black Friday folgende Montag, der mit Webshop-Rabatten den Start des Online-Weihnachtsverkaufs einläuten soll, bringt es indes auf eine Bekanntheit von 45%.
In China ein großer Wirtschaftsfaktor, fristet der am 11. November begangene „Singles' Day”, bei uns mit einer Awareness von gerade einmal 4% ein Nischendasein.
Wie das Beispiel der Schweiz zeigt, wo es im Vorjahr zu einer deutlichen Umsatzsteigerung kam, könnte sich die „steigende Beliebtheit in ganz Europa” (Antlanger-Winter) auch bald in Österreich deutlicher bemerkbar machen – das würde allerdings voraussetzen, dass der heimische Handel den Tag auch entsprechend vermarktet.

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