HV-Studie: Online-Betrug im E-Commerce bleibt auf hohem Niveau
© Gabriel Alarcón / Rizar.Photo / Handelsverband
RETAIL Redaktion 29.01.2026

HV-Studie: Online-Betrug im E-Commerce bleibt auf hohem Niveau

WIEN. In Österreich sind 64 Prozent der Online-Shops bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert worden. Laut der aktuellen Umfrage „Betrug im E-Commerce“ des Handelsverbands Österreich und von CRIF berichten 46 Prozent der befragten Händler von weiter steigenden Betrugsrisiken, 42 Prozent sehen die Betrugsfälle auf konstant hohem Niveau, während nur zwölf Prozent einen Rückgang verzeichnen. Grundlage der Ergebnisse sind Angaben von knapp 100 österreichischen Online-Shops.

Die häufigsten Betrugsformen betreffen das Bestreiten des Warenerhalts (51 Prozent), gefälschte Namens- oder Adressdaten (49 Prozent) und Identitätsbetrug (43 Prozent), bei dem sich Käufer als andere reale Personen ausgeben. Ebenfalls verbreitet sind gestohlene Zahlungsdaten (42 Prozent) und Eingehungsbetrug (32 Prozent), während Abstreiten der Bestellung, komplett falsche Identitäten, Account-Übernahmen oder fiktive Zahlungsdaten seltener vorkommen.

„Fast zwei Drittel der Onlineshops in Österreich waren bereits von Betrug im Netz betroffen. Das Risiko kann also gar nicht hoch genug eingestuft werden. Investitionen in die Sicherheit sind daher nicht zu teuer. Teuer kann es werden, wenn man nicht investiert“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands.

Wirtschaftlich zeigt sich die Tragweite der Betrugsfälle deutlich: 62 Prozent der Shops beziffern die jährlichen Verluste auf unter 5.000 Euro, 22 Prozent zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Sechs Prozent berichten von Schäden zwischen 10.000 und 50.000 Euro, zehn Prozent sogar von bis zu 100.000 Euro pro Jahr. Damit kann Betrug im E-Commerce für einzelne Händler existenzbedrohend sein.

„Online-Shops sollten besonders aufmerksam sein, Identitäts- und Zahlungskontrollen verstärken und ihre Betrugspräventionsstrategien überprüfen, um das Umsatzpotenzial nicht durch Verluste zu gefährden. Betrugsprävention ist heute wichtiger denn je: Wer einen Online-Shop betreibt, muss in vielen Fällen damit rechnen, Opfer von Betrug zu werden“, kommentiert Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin von CRIF Österreich.

Immer mehr Händler setzen auf automatisierte Lösungen zur Betrugserkennung: 50 Prozent der Online-Shops wenden bereits entsprechende Maßnahmen an, 17 Prozent planen diese. 61 Prozent kombinieren manuelle und automatisierte Verfahren, 24 Prozent arbeiten ausschließlich manuell, während 15 Prozent komplett automatisierte Systeme nutzen.

„Viele Händler mussten bereits erhebliche finanzielle Einbußen durch organisierten Betrug hinnehmen. Die Methoden der Täter werden dabei immer professioneller. Künstliche Intelligenz und synthetische Identitäten werden die Betrugsaktivitäten künftig zusätzlich verschärfen. Unsere Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass neben Identitäts- und Datenmanipulation zunehmend streitige Konstellationen rund um Lieferung und Empfang an Bedeutung gewinnen – ein klarer Hinweis auf die Relevanz belastbarer Proof-of-Delivery-Prozesse und transparenter Belegketten im Fulfillment“, so Eisner-Schwarz.

Abschließend empfiehlt Rainer Will, auf Gütesiegel wie das Trustmark Austria des Handelsverbands zu achten: „Gütesiegel stehen für Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit. Sie stellen für Konsumenten eine wichtige Orientierungshilfe dar, um auf einen Blick vertrauenswürdige Anbieter erkennen zu können.“ (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL