LONDON. Milliarden-Transaktion um Knorr, Hellmann's-Mayonnaise und Cholula-Sauce: Der britische Konsumgüterkonzern Unilever spaltet sein Lebensmittelgeschäft ab und schmiedet mit dem US-Gewürzhersteller McCormick einen 65 Mrd. Dollar (56,6 Mrd. Euro) schweren Branchenriesen. Beide Seiten hätten sich auf eine Transaktion geeinigt, teilten sie am Dienstag mit. Durch die Fusion entstehe ein "globales Kraftzentrum für Geschmack".
Der britische Konzern selbst wird damit zu einem reinen Anbieter von Haushalts- und Körperpflegeprodukten. Der Vereinbarung zufolge erhalten Unilever und seine Aktionäre 15,7 Mrd. Dollar in bar sowie eine Beteiligung von 65 Prozent an dem neuen fusionierten Unternehmen. Die Unilever-Lebensmittelsparte wird in der Transaktion mit 44,8 Mrd. Dollar bewertet.
Abschluss der Transaktion Mitte 2027 erwartet
Die Fusion soll als sogenannter "Reverse Morris Trust" strukturiert werden, was steuerliche Vorteile bietet. Dabei soll Unilever die Sparte abspalten und sie anschließend mit dem für seine Cholula-Saucen bekannten US-Unternehmen fusionieren. Die Sparte, zu der auch Marken wie Colman's und Marmite gehören, stand im vergangenen Jahr für rund ein Viertel des Gesamtumsatzes und erlöste mehr als 12,9 Mrd. Euro.
Allein in Europa arbeiten einem Insider zufolge knapp 5.000 Menschen für die Sparte. Das neue Unternehmen wird weiterhin McCormick heißen und von dessen Management geführt werden. Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2027 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der McCormick-Aktionäre und der Behörden. Die Konzerne erwarten jährliche Kosteneinsparungen von rund 600 Mio. Dollar.
Unilever: Wollen Portfolio schärfen
"Für Unilever ist diese Transaktion ein weiterer entscheidender Schritt, um unser Portfolio zu schärfen und unsere Strategie auf wachstumsstarke Kategorien auszurichten", sagte Unilever-Chef Fernando Fernandez. Für den seit März 2025 amtierenden Unilever-Chef soll die Transaktion ein Befreiungsschlag werden. Denn obwohl die Lebensmittelsparte hohe Margen abwirft, hinkt ihr Umsatzwachstum hinter dem der Sparten für Körperpflege und Kosmetik zurück. Dies belastet das Ziel des Konzerns, den Gesamtumsatz um vier bis sechs Prozent zu steigern.
Unilever steht seit Jahren unter dem Druck von Investoren, sich von Lebensmittelmarken zu trennen. Dieser Druck nahm zu, nachdem 2022 bekannt wurde, dass der aktivistische Investor Nelson Peltz eine Beteiligung an dem Unternehmen aufgebaut hatte. Im vergangenen Jahr hatte Fernandez bereits die milliardenschwere Eiscreme-Sparte mit Marken wie Ben & Jerry's und Magnum abgespalten. In den Bereichen Schönheit und Körperpflege verfügt Unilever über Marken wie Axe, Rexona und Dove.
Geschäft mit verarbeiteten Lebensmitteln unter Druck
Das Geschäft mit verarbeiteten Lebensmitteln steht dagegen unter Druck. Politiker warnen vor gesundheitlichen Risiken, zudem dämpft die wachsende Beliebtheit von Abnehmspritzen den Appetit vieler Verbraucherinnen und Verbraucher. Unilever trennt sich zudem von seinen Wurzeln, die bis 1860 zurückreichen. Denn die Firma geht auch auf eine Familie in den Niederlanden zurück, die im Handel mit Butter groß wurde. Der Konzern entstand dann 1929 aus der Fusion der Margarine Unie mit den Lever Brothers - schon damals eine der größten Transaktionen in Europa.
Die geplante strategische Ausrichtung sei sinnvoll, sagte Tineke Frikkee, Portfoliomanagerin beim Unilever-Investor W1M. "Um zu beurteilen, ob mittel- bis langfristig ein ausreichender Wert für die Aktionäre geschaffen wird, müssen wir jedoch die Details eines jeden Geschäfts sehen, einschließlich aller Vor- und Nachteile.“ (APA)
