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Metro in Defensive © APA/dpa/Federico Gambarini

„Viel zu gering” falle das Übernahmeangebot für Metro aus, kritisiert der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch.

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„Viel zu gering” falle das Übernahmeangebot für Metro aus, kritisiert der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch.

Paul Hafner 05.07.2019

Metro in Defensive

Der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky will die Metro AG übernehmen – der Vorstand kritisiert das Angebot.

••• Von Paul Hafner

DÜSSELDORF. Die deutsche Metro AG hat weltweit rund 150.00 Mitarbeiter in 760 Märkten und kommt auf einen Umsatz von 36 Mrd. €. Nun könnte der Düsseldorfer Konzern vor einer Übernahme stehen. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky und sein slowakischer Partner Patrik Tkac haben am 21. Juni ein Übernahmeangebot durch ihre Investment­gesellschaft EP Global Commerce abgegeben.

Angebot und Reaktion

Den Metro-Aktionären werden 16 € je Stammaktie und 13,80 € je Vorzugsaktie geboten, was einer Unternehmensbewertung von 5,8 Mrd. € entspricht. Metro-CEO Olaf Koch wertete das Angebot in einer ersten Reaktion als einen Affront, die Zahlen würden das Unternehmen „erheblich unterbewerten”.

Ob es zur Komplettübernahme kommen wird, hängt indes von den Metro-Erben und ihrer Verkaufswilligkeit ab. Neben dem Vorstand sind auch der Anlegerschutzverein und die 15% Beteiligung haltende Familienstiftung Meridian gegen eine Übernahme durch die EPGC.

Kretinskys Anteile

Mit seinen Plänen, den Handelskonzern übernehmen zu wollen, war Kretinsky bereits im Vorjahr öffentlich gegangen – in einem ersten Schritt erwarb er 7,3% der Stammaktien vom Familienkonzern Haniel.

In einem weiteren Schritt erwarb er 3,6% von Ceconomy und eine Call-Option auf weitere 5,4%, die er jetzt wahrnehmen dürfte. Mit weiteren Prozenten aus dem Haniel-Fundus könnte die Beteiligung der EP Global Commerce nun auf über 30% kommen.

Das Phantom aus Tschechien

Allzu viel ist über den Mann hinter dem Angebot nicht bekannt. Kretinsky ist 43 Jahre alt, studierte Jus in seiner Heimatstadt Brünn und ist mit 53% Haupteigentümer der besagten EPGC, einer Abspaltung des tschechischen Energieversorgunsunternehmens EPH.

Kretinsky, vom Spiegel als „das Phantom Tschechiens” betitelt, ist seit 2004 Miteigentümer und Präsident des tschechischen Fußballclubs Sparta Prag und besitzt das Medienunternehmen Czech News Center, zu dem auch das Boulevardblatt Blesk – die meistgelesene Zeitung Tschechiens – gehört.

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