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Modehandel von Corona am stärksten betroffen © pixabay
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Redaktion 07.10.2020

Modehandel von Corona am stärksten betroffen

Zweite Covid-Prognose zeigt stärkeren Rückgang der Konsumausgaben, als im Mai prognostiziert: 1 Mrd. Euro mehr Verlust. Hauptverband für kostenfreie Corona-Tests für Beschäftigte bei Verdacht.

WIEN. In der ersten Covid-Prognose von Mai 2020 sind der Handelsverband und das Marktforschungsinstitut Branchenradar.com Marktanalyse noch davon ausgegangen, dass der Handel insgesamt – im best case Szenario (ohne weitere partielle Lockdowns & ohne bundesweite Maskenpflicht) – vergleichsweise glimpflich davonkommen könnte, denn die covidbedingten Ausgabenrückgänge betreffen primär Investitionsgüter (Immobilien, Autos) und Dienstleistungen (Flugreisen, Hotelzimmer).

"Unsere jüngste Prognose zeigt allerdings, dass die Auswirkungen auf den Handel weit drastischer ausfallen werden, als zunächst erhofft. Wir gehen für 2020 von einem zusätzlichen Konsumrückgang im Ausmaß von mindestens einer Milliarde Euro aus. Die Coronakrise lässt die privaten Haushaltsausgaben heuer um mehr als 16 Milliarden Euro einbrechen. Der heimische Handel muss sich damit im Winter warm anziehen", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Bekleidung, Schuhe und Baubedarf am stärksten betroffen
"Mit Abstand am stärksten hat Covid-19 die Bereiche Bekleidung (-13,9%) und Schuhe (-11,4%) getroffen. Auch das Segment Baubedarf (-6,1%) haben heftig zu kämpfen", bestätigt Studienautor Andreas Kreutzer von Branchenradar.com. Der Mode-, Uhren- und Luxusgüterbereich leiden überdies stark darunter, dass die kaufkräftigen Touristen aus dem Ausland fehlen. Dies trifft insbesondere Tourismus-Hochburgen wie Tirol, Wien oder Salzburg. "Segmente wie Getränke, Heimtextilien oder Sportgeräte haben sich im Vergleich zur Mai-Prognose ebenfalls leicht rückläufig entwickelt", sagt Kreutzer.

"Corona wirft einen langen Schatten auf das Konsumklima. Das zeigt sich jetzt insbesondere bei kostspieligen Anschaffungen, etwa Autos. Jeder fünfte Österreicher verschiebt zurzeit größere Anschaffungen im Handel oder streicht diese komplett. Noch immer beschränken sich zwölf Prozent ausschließlich auf den Kauf lebensnotwendiger Güter", ergänzt Handelssprecher Rainer Will.

Vermeintlicher Cooconing-Effekt mittlerweile verpufft
Eine leichte Verbesserung gegenüber der ersten Corona-Prognose von Handelsverband und Branchenradar.com gab es bei den Segmenten Möbel (+1,4% statt -1,9%), Weiße Ware (+1,6% statt -1,9%) und Elektrogeräte (+1,2% statt -2%). Dafür verzeichnen Warengruppen wie Sportausrüstung (-3,9%), Geschirr (-6,4%) und Gartenprodukte (-2,1%) höhere Rückgänge als ursprünglich prognostiziert. Der vermeintliche Cooconing-Effekt hat sich damit als Einmaleffekt entpuppt und dürfte mittlerweile verpufft sein.

E-Commerce & Smartphone-Shopping gestärkt
Die hohen Verluste aus dem stationären Handle konnten mancherorts zumindest teilweise vom E-Commerce abgefedert werden. Covid wird heuer den Onlinehandel in allen Warengruppen anschieben. Laut McKinsey haben sich digitale und kontaktlose Zahlungen coronabedingt in drei Monaten so schnell entwickelt wie normal in zehn Jahren."Corona war wie ein digitaler Urknall! Das gilt besonders für das Smartphone-Shopping. Hier haben wir innerhalb eines Jahres einen massiven Zuwachs von mehr als plus 50 Prozent erlebt", so Will, “wir erwarten heuer ein Wachstum der privaten Haushaltsausgaben im E-Commerce um  plus 13 Prozent. Am Ende des Jahres werden wir erstmals einen E-Commerce-Anteil am gesamten Einzelhandelsumsatz von mehr als elf Prozent erreichen.“

Viele heimische Händler haben das Potenzial in den letzten Monaten erkannt und in ihren Webshop investiert – eine gute Entscheidung. Erfreulich ist überdies, dass während der Corona-Pandemie ein deutlich gestiegenes Interesse seitens der Konsumenten am regionalen Einkauf eingesetzt hat.
"Wir erleben hier tatsächlich ein Umdenken: Faktoren wie Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit rücken stärker in den Vordergrund", so Andreas Kreutzer. Das ist eine Chance sowohl für die 13.500 heimischen Webshops als auch für den stationären Handel, mit Qualität "Made in Austria" zu punkten.

Klima der Zuversicht als Basis für den Konsum
Generell müssen sich die heimischen Händler das Licht am Ende des Tunnels jedoch hart erarbeiten. Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit haben die Kaufkraft geschmälert. Damit die Lohnsteuersenkung bei den Beschäftigten tatsächlich mehr Kaufkraft bringt, ist es wichtig, dass sich die Sparquote, die zuletzt deutlich angestiegen ist, wieder normalisiert. Dafür brauchen wir ein Klima der Zuversicht.

Gewöhnungseffekt bei Masken macht Hoffnung für Weihnachtsgeschäft
Mit dem Abklingen der Hochsommertage wird langsam auch ein Gewöhnungseffekt bei den Schutzmasken spürbar. Das ist zumindest ein Hoffnungsschimmer für den stationären heimischen Handel. Nun gilt es, die November-Sondereinkaufstage sowie das Weihnachtsgeschäft bestmöglich vorzubereiten, um doch noch einigermaßen gut durch das Jahr zu kommen.

Kostenfreie, vom Staat finanzierte, rasche Corona-Tests für Beschäftigte im Verdachtsfall
Vor diesem Hintergrund fordert der Handelsverband kostenfreie Covid-19-Tests mit raschen Ergebnisse binnen max. 48 Stunden auch für Beschäftigte von Handelsbetrieben im Verdachtsfall. Für Mitarbeiter von gewerblichen Gastronomiebetrieben ist dies bereits seit 1. September möglich. Die Kosten sollten gänzlich vom Staat getragen werden, um die beschäftigungsintensive Handelsbranche zu unterstützen.

"Das Angebot hat sich in der heimischen Gastronomie, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, im Handel bewährt, daher sollte es dringend auch auf den österreichischen Handel ausgeweitet werden. Damit schaffen wir noch mehr Sicherheit für den Konsumenten wie auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und sichern damit Arbeitsplätze“, ist Rainer Will überzeugt. (red)

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