„Nominell und real unter dem Vorjahr”
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Hinter den Erwartungen Das Weihnachtsgeschäft 2023 war von Kaufzurück­haltung geprägt. Verantwortlich für die realen Umsatzrück­gänge war ­neben der schlechten Kauflaune auch der kurze Advent.
RETAIL Redaktion 12.01.2024

„Nominell und real unter dem Vorjahr”

Das Weihnachtswunder ist ausgeblieben – der heimische Einzelhandel blickt auf ein schwaches Jahr zurück.

WIEN. „Unsere trüben Prognosen haben sich leider bewahrheitet”, bedauert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will die Zahlen zum Weihnachtsgeschäft, laut denen sich 60% der befragten Händler aus dem Mitgliederkreis des Handelsverbands unzufrieden mit dem heurigen Weihnachtsgeschäft zeigen.

„Daran konnten auch die vier starken Einkaufstage zwischen Weihnachten und Silvester nichts mehr ändern. Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft blieben nicht nur nominell, sondern auch real deutlich unter dem Vorjahr. Hauptverantwortlich dafür waren der kurze Advent und die schlechte Konsumlaune”, so der Handelssprecher.

Run auf Gutscheine

20% der Händler gaben gar an, „sehr unzufrieden” mit dem Verlauf des Weihnachtsgeschäfts zu sein – demgegenüber steht eine Minorität von sechs Prozent, die „sehr zufrieden” ist.

Positiv auf die Umsätze der letzten Tage vor Silvester wirkte sich die Tatsache aus, dass heuer so viele Gutscheine wie nie zuvor unter den Christbäumen lagen. Diese werden bereits fleißig eingelöst. Auch Geldgeschenke kommen dem Handel heuer stärker zugute als in den letzten Jahren. Erfreulich für die Kunden: Vielerorts begann der Winterschlussverkauf bereits vorzeitig.

Pessimismus

Was die Erwartungen an die kommenden Monate betrifft, hat sich die Perspektive der Handelsunternehmen eingetrübt und bleibt überwiegend pessimistisch. So erwarten die befragten Händler für das neue Geschäftsjahr im Schnitt ein Umsatzminus von drei Prozent.

„Österreich steckt in einer Rezession. 2024 beginnt so schwach, wie 2023 geendet hat. Vor diesem Hintergrund stellt die historisch höchste Kollektivvertrags-Erhöhung von durchschnittlich 8,4 Prozent viele unserer Betriebe vor enorme Herausforderungen”, warnt Handelssprecher Rainer Will. Zwar dürften die steigenden Realeinkommen die Konsumnachfrage ankurbeln, doch sei diese zuletzt „an den Warenkäufen vorbei” gelaufen. „Zuversicht braucht Substanz. Wenn sich die Bundesregierung nicht auf eine wirkungsvolle Anti-Inflations-Strategie einigt, wird sich die Kostenspirale immer weiter drehen und Österreich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren.”
Daneben erneuert der HV seine Forderung nach einer Lohnnebenkostensenkung, die durch eine Deckelung bei höheren Einkommen umgesetzt werden könnte, um die Betriebe zu entlasten und Stellen zu sichern. Auch die Forderung nach einem Bürokratieabbau bleibe aufrecht, so Will. (red)

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