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Österreichischer Handel von Ausfallsbonus III schwer enttäuscht © medianet/Katharina Schiffl

Handelsverband-Chef Rainer Will.

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Handelsverband-Chef Rainer Will.

Redaktion 06.12.2021

Österreichischer Handel von Ausfallsbonus III schwer enttäuscht

10-20% Ausfallsbonus hilft Händlern bei Zahlungsschwierigkeiten zu wenig; 80.000 Euro-Deckelung für beschäftigungsintensive Händler zu niedrig.

WIEN. Der vierte bundesweite Lockdown beschert dem stationären Handel in Österreich mitten im Weihnachtsgeschäft Umsatzverluste von 2,7 Mrd. €. Die Folge: 57% aller Betriebe leiden unter Existenzängsten, ein Viertel kann eingehende Rechnungen nicht mehr vollständig bedienen, ein Drittel muss Personal reduzieren.

Die gestern Abend bekannt gewordenen Details zum neuen Ausfallsbonus III werden das Leid des "Patienten Wirtschaft" nur geringfügig lindern. Einzel- und Großhändler mit einem Umsatzverlust von mehr als 30% im November und Dezember 2021 (im Vergleich zum Betrachtungszeitraum 2019) erhalten lediglich 10% bis 20% der Umsatzausfälle ersetzt. Zudem ist der Ausfallsbonus III mit max. 80.000 € gedeckelt.

Filialwachstum seit 2019 bleibt bei Berechnungen völlig unberücksichtigt
"Der heimische Handel befindet sich aufgrund des harten Lockdowns in existenzieller Not. Nur jedes siebte Handelsunternehmen ist mit der Abwicklung der Corona-Staatshilfen zufrieden. Viele haben das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben und in der Bürokratie zu versinken. Umso schlimmer ist die nunmehrige Gewissheit, dass die Bundesregierung die milliardenschweren Verluste unserer Branche nur mit zehnbis 20 Prozent abdecken wird", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Weder berücksichtigt man den Umstand, dass manche Unternehmen seit 2019 gewachsen sind und daher automatisch auch höhere Umsätze erwirtschaften, noch wird dem Faktum Rechnung getragen, dass große Unternehmen mit einem 80.000 € Deckel keinesfalls das Auslangen finden können, wenn sie jede Woche Millionen verlieren.

Verlustersatz kommt für Betriebe mit Liquiditätsengpässen zu spät
Auch wenn der Verlustersatz als Hilfsinstrument lobend zu erwähnen ist, kommt diese Langfristhilfe erst Monate später auf die Konten der belasteten Unternehmen. Liquidität als größte Herausforderung in einer Zeit, in der sich die Effekte von zwei Jahren Pandemie mit jenen der aktuellen behördlichen Schließungen überlagern, wird nicht ausreichend berücksichtigt, selbst wenn zeitnahe Überweisungen des Ausfallsbonus stattfinden sollen. Dafür sind die vorgesehenen Prozenthöhen viel zu gering bemessen.

Der Handelsverband hatte sich in unzähligen Gesprächen mit den politischen Entscheidungsträgern bis zuletzt vehement für eine treffsichere Ausgestaltung der Hilfe eingesetzt, doch leider wurde am bisherigen Aufbau des Ausfallsbonus rigoros festgehalten. Einzig die Empfehlung des HV zur Senkung der Eintrittsschwelle wurde zumindest teilweise gehört (von 40% auf 30%, besser wäre noch 20% gewesen). Diese wirkt jedoch nur für jene Unternehmen, die seit 2019 nicht gewachsen sind. Alle anderen schauen durch die Finger.

Vierter bundesweiter Lockdown im Handel muss letzter Lockdown bleiben
Generell sei es bedauerlich, dass der Politik zwei Jahre nach Ausbruch der Pandemie immer noch keine bessere Maßnahme zur Senkung der Infektionszahlen einfällt als der harte Lockdown, so der Handelsverband. Dabei ist dieses Instrument längst stumpf geworden, wie alle Analysen der Mobilitätsdaten zeigen. Aktuelle Studien belegen zudem klar, dass der Handel bei der Verbreitung von Covid-19 keine Rolle spielt. Nur 0,1% (AGES) bis maximal ein Prozent (Contact-Tracing-App "Luca" in Deutschland) aller Fälle lassen sich auf das Einkaufen zurückführen. Der Blick zurück und die Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse wären also wesentlich, um künftige Fehler dieser Form nicht zu wiederholen.

Der Tenor in der Handelsbranche ist eindeutig: "Sperrt nicht eine ganze Branche zu, die kein Corona-Hotspot ist, wenn ihr nicht in der Lage seid, die Umsatzausfälle korrekt auszugleichen." (red)

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