Qualität ist wichtiger als Quartalsdenken
© Privatbrauerei Hirt
Niki Riegler
RETAIL Redaktion 20.03.2026

Qualität ist wichtiger als Quartalsdenken

Bierbrauen mit Haltung: Die Privatbrauerei Hirt verbindet Tradition mit Strategie und weiß, wie man damit im schrumpfenden Markt besteht.


••• Von Christian Novacek

Seit 180 Jahren befindet sich die Privatbrauerei Hirt in Familienbesitz und setzt konsequent auf Qualität, nachhaltige Produktion und langfristige Partnerschaften mit Gastronomie und Handel. Im Gespräch mit medianet erklärt Eigentümer und Geschäftsführer Niki Riegler, warum Qualität, lange Reifung und unternehmerische Unabhängigkeit für ihn wichtiger sind als kurzfristige Marktlogiken.

medianet: Der heimische Bierausstoß ist 2025 um 7,1% gesunken. Wie hat sich die Privatbrauerei Hirt in diesem Umfeld entwickelt?
Niki Riegler: Wir blicken auf eine über 755-jährige Braugeschichte zurück und haben gelernt, dass Qualität Zeit braucht. Seit 180 Jahren ist die Privatbrauerei Hirt familiengeführt und dabei setzen wir konsequent auf eine Entwicklung, die unsere Werte widerspiegelt. Während der Markt zunehmend von großindustriellen Konzernstrukturen geprägt ist, bewahren wir uns unsere Unabhängigkeit. Wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Unsere Positionierung ist klar: Wir nehmen uns die Zeit für eine schonende Brauweise und eine lange Reifung – ein Qualitätsversprechen, das uns als Träger des Slow Brewing-Gütesiegels auszeichnet. Diese kompromisslose Haltung zum Handwerk schätzen unsere Kunden, die Wert auf bewussten Genuss und traditionelle Braukunst legen.

medianet: Der Mehrweganteil ist branchenweit auf 72 Prozent gestiegen. Wie wichtig ist Mehrweg für die Privatbrauerei Hirt – ökologisch, wirtschaftlich und markenstrategisch?
Riegler: Mehrweg ist für uns ein Ausdruck von gelebter Verantwortung gegenüber der nächsten Generation. Ökologisch setzen wir bei unseren Limonaden konsequent auf die Glas-Mehrwegflasche. Im Biersegment differenzieren wir bewusst: Während wir im 0,33 l-Bereich primär Einweg anbieten, ist unsere Königsmarke – das Hirter Privat Pils – für die Gastronomie auch in der 0,33 l-Mehrwegflasche erhältlich. Markenstrategisch ist die Investition in Kreislaufwirtschaft essenziell: Unsere neue, hochmoderne Flaschenwasch-, Abfüll- und Verpackungsanlage reduziert den Wasserverbrauch um 20 Prozent und den Energieverbrauch um zehn Prozent. Das zeigt, dass Nachhaltigkeit bei uns kein Schlagwort ist, sondern durch Millioneninvestitionen am Standort aktiv gelebt wird.

medianet: Die Privatbrauerei Hirt gilt seit jeher als starker Partner für die Gastronomie und den Handel. Warum ist Ihnen diese ausgewogene Verteilung zwischen den beiden Säulen so wichtig, und welchen Mehrwert bietet die Privatbrauerei Hirt ihren Partnern als unabhängiger Familienbetrieb?
Riegler: Die Gastronomie nimmt mit einem Absatzanteil von rund 60% einen zentralen Stellenwert bei uns ein, während der Lebensmitteleinzelhandel 40% abdeckt. Diese Verteilung verleiht uns eine wichtige Stabilität und schützt uns vor der einseitigen Abhängigkeit vom Lebensmitteleinzelhandel und dessen Preisentwicklungen. Als inhabergeführte Privatbrauerei stehen wir dabei für Flexibilität, Verlässlichkeit und eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Unser Team nimmt sich die Zeit für unsere Kunden und Partner, um individuelle Lösungen, persönliche Serviceleistungen und eine effiziente Logistik zu bieten, die exakt auf die Bedürfnisse der Gastronomie und des Handels abgestimmt sind.

medianet: Alkoholfreie Biere wachsen kontinuierlich. Welche Bedeutung hat das Segment für die Privatbrauerei Hirt – und wie weit darf Innovation gehen, ohne die Kernmarke zu verwässern?
Riegler: Wir sehen klare Zuwächse bei alkoholfreiem Bier, auch wenn das Niveau im Vergleich zum klassischen Bier weiterhin moderat ist. Während viele Brauereien erst jetzt auf diesen Trend aufspringen, ist unser ‚Hirter Freigeist‘ seit Jahren erfolgreich am Markt etabliert. Es überzeugt als unbeschwerter Durstlöscher mit fruchtig feinen Biernoten und charaktervollem Geschmack – eben für alle, die bewusst auf Alkohol verzichten möchten, aber keine Kompromisse beim Genuss eingehen wollen. Diesen hohen Anspruch

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