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Russland hat ein Milchproblem Panthermedia.net / Daxiao Productions
Panthermedia.net / Daxiao Productions

Redaktion 05.07.2016

Russland hat ein Milchproblem

Andere Länder, andere Sorgen: In Russland wird die Milch zunehmend zur Mangelware.

MOSKAU. Während die heimischen Bauern nicht wissen, wohin mit der Milch, wird diese in Russland immer mehr zur Mangelware wegen des Einfuhrverbots für westliche Lebensmittel. Auf der Suche nach einem Milch-Ersatz greifen manche Hersteller zu Käse, der zehn Minuten lang brennt, zu Käse mit Stärke, zu Kreide oder gar Seife.

„Es gibt ein Milch-Defizit", sagt Wadim Semikin von Institut für Agrarmarktstudien in Moskau; acht Mio. Tonnen zu wenig waren es seiner Schätzung nach im vergangenen Jahr.
Die Nachrichtenseite Fontanka zeigte vergangenen Monat ein gruseliges Hüttenkäse-Experiment: Das zum Verzehr angebotene Produkt wurde angezündet und sprang im Topf zunächst wie Popcorn; dann entwickelte sich ein grauer Rauch, schließlich brannte es zehn Minuten lang – der Hüttenkäse enthielt laut Fontanka nicht ein Quäntchen Milch und sei „nur geeignet für Kerosinlampen".

Der Herstellerbetrieb wurde dicht gemacht, doch das Problem sei „systemisch", sagt Fontanka-Journalistin Wenera Galejewa. Auch die russischen Behörden haben schon im April eingeräumt, dass es immer mehr Produkte „zweifelhafter Qualität" und immer mehr „gefälschten Käse" auf dem Markt gibt. Die für landwirtschaftliche Produkte zuständige Aufsichtsbehörde veröffentlicht seit diesem Jahr eine „Liste der Ehrlichen": Firmen, die tatsächlich noch Milch und Obers bei der Herstellung von Joghurt oder Eis verwenden. Andere dagegen würden die Milch nicht nur mit Wasser strecken, sondern mit "Stärke, Kreide, Seife, Backpulver, Kalk oder sogar Zement", warnte die Behörde erst vergangene Woche.

„Die meisten heimischen Hersteller nutzen den mangelnden Wettbewerb voll aus und strengen sich nicht an, gute Produkte zu machen", kritisiert Irina Tichmjanowa von der regierungsunabhängigen Verbraucherorganisation Roscontrol; diese testete kürzlich 46 Molkereiprodukte - 60% davon enthielten Ersatzstoffe; bei Fleischprodukten lag dieser Prozentsatz sogar noch höher.

Das Erstaunlichste an der ganzen Situation: Die Zustimmung zum Verbot europäischer Produkte in Russland ist sogar noch gestiegen. In einer Umfrage des unabhängigen Instituts Lewada im Juni sagten 40%, sie seien für ein solches Verbot; im März 2015 waren es 21% gewesen. Die EU hat seit Mitte 2014 Sanktionen gegen Russland wegen der Unterstützung Moskaus für die prorussischen Separatisten in der Ostukraine verhängt; Russland verfügte daraufhin ein Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der EU, das erst vergangene Woche bis Ende 2017 verlängert wurde. Es sei „eine gute Gelegenheit", die einheimische Landwirtschaft zu unterstützen, wie Regierungschef Dmitri Medwedew sagte.

In der EU gibt es - auch wegen des russischen Embargos - viel zu viel Milch. Die Milchbauern in der EU leiden unter den derzeit sehr niedrigen Preisen, viele können ihre Kosten nicht mehr decken und müssen ihren Betrieb aufgeben. Es bleibt nur zu hoffen, dass Russland und die EU zu einer Einigung kommen und sich endlich besinnen. (APA/nn)

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