STUTTGART. Künstliche Intelligenz ist im Einzelhandel zwar nahezu flächendeckend angekommen, wirtschaftlich zahlt sie sich bislang jedoch nur selten aus. Das zeigt eine gemeinsame Studie von Voyado und Retail Economics. Demnach haben 95 Prozent der Händler KI im Marketing oder E-Commerce bereits getestet, aber nur fünf Prozent erzielen daraus einen klaren, skalierbaren Return on Investment.
Grund für diese Diskrepanz ist laut Studie weniger der Zugang zur Technologie als vielmehr die fehlende Datenbasis und organisatorische Reife. Während fortgeschrittene Unternehmen deutlich mehr Datenquellen nutzen, bleibt der Einsatz von KI in vielen Fällen auf einzelne Anwendungen beschränkt und entfaltet keine durchgängige Wirkung.
Die wirtschaftliche Bedeutung dürfte dennoch deutlich zunehmen. Bis 2030 werden laut Berechnungen rund 39 Prozent der Marketing- und E-Commerce-Budgets im DACH-Raum – das entspricht etwa 7,3 Milliarden Euro jährlich – in Bereiche fließen, die direkt von KI beeinflusst sind. Besonders datenintensive Felder wie Analytik, CRM und Kundenbindung gelten als zentrale Einsatzgebiete.
„Das Spannendste ist, dass wir noch ganz am Anfang stehen und die KI, die wir heute nutzen, wahrscheinlich die am wenigsten beeindruckende Version ist, die wir je sehen werden. Diese Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Generative KI hat bereits erhebliche Effizienzsteigerungen gebracht, aber erst agentische KI, die auf den richtigen Datenfundamenten aufbaut, wird echten kommerziellen Wert beweisen.“
„Im Wettlauf um den Nachweis von KI-Fortschritten ist es leicht, sich auf das Sichtbare zu konzentrieren: neue Schnittstellen, Chatbots und Funktionen. Ohne die richtige Datengrundlage und den richtigen Kontext bleibt die Wirkung jedoch einfach aus. Der wahre Wert im Einzelhandel entsteht durch KI, die im Hintergrund arbeitet – indem sie die richtigen Kunden priorisiert, Entscheidungen optimiert und sicherstellt, dass im richtigen Moment das Richtige geschieht.“
Organisation als entscheidender Faktor
Als größte Hürden nennen die befragten Führungskräfte vor allem interne Faktoren. 58 Prozent sehen Qualifikationsdefizite als zentrales Problem, gefolgt von internem Widerstand (57 Prozent), rechtlichen und datenschutzrechtlichen Bedenken (54 Prozent) sowie mangelndem Vertrauen in KI-gestützte Entscheidungen (53 Prozent). Technische Fragen treten damit in den Hintergrund.
„Die nächsten zwei Jahre stellen einen Wendepunkt dar, da KI sich von einem Experiment zu einer Wettbewerbsnotwendigkeit wandelt. Einzelhändler befinden sich auf einer Reise. Während die meisten damit begonnen haben, KI zu testen und einzusetzen, haben nur wenige ein Stadium erreicht, in dem sie konsistente wirtschaftliche Erträge liefert.“
„Da KI die Aufgaben im Einzelhandel verändert, gestaltet sie die Art und Weise neu, wie Marketing- und E-Commerce-Ausgaben getätigt werden. Erfolgreich werden jene Einzelhändler sein, die jetzt die richtigen Datengrundlagen, Kompetenzen und Betriebsmodelle aufbauen, da KI zu einer zentralen Voraussetzung für einen effektiven Wettbewerb im Einzelhandel avanciert.“
Innerhalb der kommenden zwei Jahre erwarten 71 Prozent der Händler, dass KI ein fixer Bestandteil ihrer Marketingaktivitäten sein wird. 45 Prozent rechnen in diesem Zeitraum auch mit messbaren Erträgen. (red)
