Unternehmensinsolvenzen 2026: leichte Stabilisierung auf hohem Niveau
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Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface
RETAIL Redaktion 10.02.2026

Unternehmensinsolvenzen 2026: leichte Stabilisierung auf hohem Niveau

Die Zahl der weltweiten Unternehmensinsolvenzen bleibt 2026 hoch, zeigt jedoch erstmals Anzeichen einer leichten Stabilisierung.

WIEN. Laut Coface wird für das laufende Jahr global ein Anstieg um 2,8% erwartet, deutlich weniger als in den Vorjahren. Diese Entwicklung steht jedoch auf unsicherem Fundament. Bereits eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte könnte die Insolvenzdynamik erneut beschleunigen. Besonders anfällig bleiben Unternehmen in der Bau-, Chemie- und Textilindustrie sowie in Europa exportorientierte Branchen wie der Automobilbau und seine Zulieferer. Markus Kuger, Head of Economic Research DACH bei Coface, spricht von keiner echten Trendwende: „Das Jahr 2026 dürfte eher eine Verschnaufpause als eine echte Trendwende bringen. Die Insolvenzzahlen stabilisieren sich nur, wenn die Finanzierungskosten nicht wieder ansteigen.“ Dagmar Koch, Country Manager Coface Österreich, ergänzt: „Diese Stabilisierung auf hohem Niveau bleibt fragil. Die Verschuldung ist weiterhin hoch, Kreditbedingungen wurden zuletzt verschärft und die Margen stehen unter Druck.“
In Europa bleibt der Ausblick eng an die Entwicklung der Finanzierungskosten gekoppelt. Für Deutschland wird 2026 ein Anstieg der Insolvenzen um 1% erwartet, für Frankreich und das Vereinigte Königreich jeweils um 2%. Spanien dürfte mit einem Rückgang um 3% von einer stärkeren Konjunktur profitieren, Italien mit -2% vor allem von Verfahrensreformen. In den Niederlanden wird ein Plus von 4% prognostiziert, was einer Rückkehr zum Vor-Pandemie-Niveau entspricht. Für Österreich rechnet Coface mit einem moderaten Anstieg, getragen von einem BIP-Wachstum unter 1% und weiterhin erhöhten Zinsen. Trotz der Leitzinssenkungen der EZB lag das Zinsniveau im Dezember 2025 mit 3,47% deutlich über dem Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2022.

In Nordamerika entwickeln sich die Insolvenzen uneinheitlich. In den USA wird ein Anstieg um 4% erwartet, belastet durch eine abkühlende Konjunktur und höhere Zölle. Kanada hingegen dürfte mit -5% einen deutlichen Rückgang verzeichnen. Im asiatisch-pazifischen Raum bleibt Japan mit +7% besonders unter Druck, während Australien nach der Normalisierung nach der Pandemie eine weitgehende Stagnation (+0,5%) erwartet.

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleiben die Finanzierungskosten. Ein erneuter Zinsanstieg um 25 Basispunkte könnte die globale Insolvenzentwicklung wieder auf +4 bis +5% treiben. Besonders betroffen wären Europa und Sektoren mit geringer Schuldendienstfähigkeit. Damit hängt die Insolvenzentwicklung 2026 weniger vom Wachstum als vom Tempo der geldpolitischen Anpassung ab.

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