Weniger Fläche, mehr Selektion: Handel setzt auf Effizienz statt Expansion
© Handelsverband
Rainer Will
RETAIL Redaktion 23.02.2026

Weniger Fläche, mehr Selektion: Handel setzt auf Effizienz statt Expansion

WIEN. Die Verkaufsflächen im österreichischen Handel sind auch 2025 weiter geschrumpft. Laut „Handelsflächen-Report 2026“ von RegioPlan Consulting, der heuer erstmals gemeinsam mit dem Handelsverband präsentiert wurde, reduzierte sich die Gesamtfläche um 3,0%. Nach dem Rekordminus von 3,3% im Jahr 2024 hat sich der Rückgang damit leicht abgeschwächt.
„Was wir derzeit sehen, ist kein Rückzug des Handels, sondern ein Effizienz- und Qualitätsupgrade“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Standorte würden gezielt optimiert, Konzepte geschärft und Flächen dort reduziert, wo sie wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien. Österreich verfüge weiterhin über eine hohe Verkaufsflächendichte, die auch mit der Versorgung alpiner Regionen zusammenhänge.

Seit 2014 sinkt die Verkaufsfläche jährlich um 1,5% bis 2,5%. Die Jahre 2024 und 2025 markieren Ausreißer nach oben, vor allem infolge der Schließungen von Kika und Leiner sowie Einschnitten im Mode- und Schuhhandel. Im Zehnjahresschnitt verschwinden jährlich rund 280.000 m² Verkaufsfläche. Zum Vergleich: Die Westfield Shopping City Süd bietet 193.000 m², die Mariahilfer Straße rund 199.000 m². Pro Kopf sank die Fläche von 1,75 m² (2014) auf 1,5 m², wobei auch das Bevölkerungswachstum rechnerisch beiträgt.

„Der Rückgang der Verkaufsflächen in den meisten Handelsbranchen ist eine Folge des Wandels im Konsumverhalten“, erklärt Romina Jenei, Geschäftsführerin von RegioPlan Consulting. eCommerce habe zuletzt wieder stärker zugelegt, zugleich fließe ein größerer Teil der Konsumausgaben in Gastronomie, Freizeit und Dienstleistungen. Der Handel reagiere mit Netzoptimierungen, Investitionen in moderne Formate und technologische Aufrüstung leistungsfähiger Standorte, während schwächere Lagen aufgegeben würden. Selbst im Lebensmittelhandel sei inzwischen ein leichter Flächenrückgang sichtbar, während der Drogeriebereich zuletzt durch Filialvergrößerungen auffiel.

In der Expansionsanalyse 2024/25 führt Woolworth mit 48 Neueröffnungen. Auch NKD (+16), s.Oliver (+8) und Action (+7) erweiterten ihre Netze. Für Markteintritte bleibt Österreich attraktiv: Die dänische Drogeriekette Normal startete im März, Arc’teryx und On Running kündigten ebenfalls erste Standorte an.

Die 25 Top-Geschäftsstraßen verzeichneten 2025 nur einen leichten Flächenrückgang von 0,4% bei einer durchschnittlichen Leerstandsquote von 5,6%. In mittleren und kleineren Geschäftszonen schrumpfte die Fläche hingegen um 4,1%, die Leerstandsquote stieg auf 14,7%. „Der Strukturwandel ist im ganzen Land sichtbar, aber er verläuft differenziert“, betont Will. Erfolgsfaktoren blieben starke Einzugsgebiete, Kaufkraft, Branchenmix sowie ein hoher Anteil an Gastronomie und Dienstleistungen.

Shoppingcenter zeigen sich stabiler: Durch die Neueröffnung der Supernova Villach stieg die Fläche leicht um 0,2%, bei einer Leerstandsquote von 4,6%. Retail Parks verloren 0,5%, die Leerstandsquote liegt bei 5,2%. In vielen mittelgroßen Städten besteht weiterhin Überversorgung. Wiener Neustadt kommt auf 6,5 m² Verkaufsfläche pro Einwohner, Steyr, Wels, St. Pölten und Klagenfurt auf rund 5,5 m². Um- und Nachnutzungen nehmen zu, etwa durch Ärztezentren oder mehr Gastronomie. „Nur eine genutzte Fläche ist auch nachhaltig“, sagt Jenei. Gastronomie und Dienstleistungen könnten freiwerdende Handelsflächen jedoch nur begrenzt ersetzen; vielfach seien Verkleinerungen oder Umwidmungen notwendig.

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