••• Von Oliver Jonke und Paul Hafner
Die Geschichte von Werner & Mertz reicht bis ins Jahr 1867 zurück und beginnt mit der Gründung der Wachswaren- und Siegelfabrik „Gebrüder Werner“. Man habe „als Kerzenproduktion und Wachszieherei begonnen“ und sich angesichts der Erfindung des elektrischen Lichts schon bald „neu erfinden müssen, weil das Geschäftsmodell plötzlich obsolet geworden war“, erläutert Florian F. Iro, Geschäftsführer von Werner & Mertz Hallein, im Gespräch mit medianet-Herausgeber Oliver Jonke. Das Unternehmen sattelte auf den Schutz von Oberflächen um – und erkannte rasch, „dass sich Oberflächen, die man schützen kann, auch reinigen lassen“. So entwickelten sich Reinigung, Pflege und Schutz zu den Kernkompetenzen des bis heute familiengeführten Konzerns.
Erfinder der Schuhcreme
Ein „wichtiger, großer Meilenstein“ sei die Erfindung der ersten Schuhcreme unter der neugegründeten Marke Erdal 1901 gewesen: „Damals wurden Schuhe noch mit Teer geschwärzt, der das Leder angriff und wenig wasserabweisend war. Mit unserer Wachskompetenz konnten wir diese Probleme lösen. Als Symbol für die neue Marke wählten wir den Froschkönig: Er steht für Wasserabweisung und für die Vorstellung, etwas wieder schön zu machen – ähnlich wie sich im Märchen der Frosch in einen Prinzen verwandelt“,
so Iro.
Diese „bis heute tief in der DNA des Unternehmens verankerte Pionierleistung“ ebnete den Weg für die langfristige Zukunft des Unternehmens, das im kommenden Jahr sein 160. Bestehensjubiläum feiern wird – und dessen Produktportfolio sich heute von der Haushaltsreinigung über den professionellen Bereich (Gebäudereinigung, Krankenhäuser, Pflegeheime und die Gastronomie) erstreckt. Indes steht auch das heurige Jahr im Zeichen eines Jubiläums: Die Marke Frosch feiert ihren 40. Geburtstag. Auch an ihrem Anfang stand eine große Herausforderung – allerdings weniger technologischer als gesellschaftlicher Natur.
Disruptionen als Chance
„Ende der 1970er- und Anfang der 1980er-Jahre wurde das Umweltthema immer präsenter. Die Chemiebranche galt vielfach als Verursacher von Umweltverschmutzung. Man denke nur an den sauren Regen oder die Schaumbildung auf Flüssen. Dann kam noch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hinzu. Unser damaliger Eigentümer entschied, dass es so nicht weitergehen könne: Wir wollten als Chemieunternehmen vorangehen, aus der klassischen, konventionellen Chemieproduktion aussteigen und uns stärker auf ökologische Reinigung konzentrieren“, erzählt Iro. Die dafür entwickelten Produkte erhielten wiederum eine eigene Marke: Aus dem roten Froschkönig wurde ein „grün eingefärbtes, freundlich grinsendes Symbol“. Damit entstand Frosch als Marke für ökologische Reinigung. „Die dahinterstehende Idee, die Umweltleistung unserer Produkte kontinuierlich zu verbessern, prägt uns bis heute“, betont Iro.
Disruptionen entstünden, „wenn sich Geschäftsmodelle verändern oder gesellschaftliche Bewegungen neue Anforderungen schaffen. Unternehmen, die solche Veränderungen nicht aufgreifen, riskieren, langfristig nicht zu überleben. Erfolgreich sind jene, die den Mut und den Weitblick haben, daraus neue Chancen zu entwickeln und mit innovativen Geschäftsmodellen voranzuschreiten“, ist Iro überzeugt.
Es verändert sich also nicht nur der Markt, sondern mit ihm die Unternehmenslandschaft: Jene, die sich „gut anpassen können oder sogar innovativ sind und mit Business Cases voranschreiten, die über weitere Generationen tragen, werden erfolgreich sein – und ich glaube, das haben wir auf jeden Fall geschafft“.
Dahinter stecke aber viel Disziplin, weil eine Umweltleistung auch beschrieben werden müsse: „Ich muss zunächst identifizieren: Womit muss ich aufhören, womit muss ich anfangen?“
Zweierlei Kreisläufe
Rasch habe man zwei große Bereiche identifiziert: „Der eine ist das Verbrauchsgut selbst, also die Flüssigkeit in der Flasche, das Reinigungsmittel. Das ist quasi der biologische Kreislauf. Der zweite Bereich ist die Verpackung als technischer Kreislauf.“ Um diese zu optimieren und damit in logischer Folge den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, habe man sich „mit Wissenschaftlern zusammengetan, Forschung betrieben und Schritt für Schritt konkret an diesen Kreisläufen gearbeitet“.
Ein Meilenstein dieser langjährigen Arbeit sind die zu 100% aus Recyclat bestehenden Flaschen, hinter denen eine enge Partnerschaft mit Altstoff Recycling Austria, Alpla und Mondi besteht. Ein geschlossener Kreislauf erfordere weit mehr als eine recyclingfähige Verpackung: „Es braucht funktionierende Sammelsysteme, eine hochwertige Sortierung, geeignete Recyclingverfahren und Hersteller, die das gewonnene Material wieder einsetzen. Um das wirklich im Kreislauf zu führen, bedarf es ganz viel Hirnschmalz, Daten und eben auch Partner, die sagen: ‚Wir gehen in die Vorleistung, wir investieren‘“, unterstreicht Iro.
Mit steigender Beteiligung würden die Kosten sinken. Noch werde Recyclat in vielen Branchen zu wenig eingesetzt, obwohl ausreichend geeignetes Material vorhanden sei. Gerade für große, kapitalmarktorientierte Unternehmen sei das ein Hindernis, weil sie auf die Kosten achten müssten. Iro sieht deshalb auch die Politik gefordert, „Anreize für den verstärkten Einsatz von Recyclat zu schaffen“.
Nachhaltiges Wirtschaften könne „nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn es auch ökonomisch funktioniert und sinnvoll ist“. Gerade mittelständische Unternehmen würden zeigen, dass Kreislaufwirtschaft bereits heute praktisch umgesetzt werden könne. Nun brauche es „konkrete politische Maßnahmen und Förderungen“, damit weitere Unternehmen nachziehen.