„Wir halten klar am  Standort Österreich fest“
© Adrian Almasan
RETAIL Redaktion 23.10.2026

„Wir halten klar am Standort Österreich fest“

Schlumberger-CEO Florian Czink erklärt im Interview, wie sich der Sekt- und Weinhersteller zukunftsfit aufstellt.

••• Von Georg Sohler

Die Welt verändert sich, das Konsumverhalten ebenso“ – ein kurzer Satz, der die Rahmenbedingungen der Sektbranche gut zusammenfasst. Er stammt von Florian Czink, der seit gut einem Jahr CEO der Schlumberger Wein- und Sektkellerei GmbH ist und die Geschicke des Traditionsunternehmens verantwortet. Im Interview spricht er über die aktuelle Weltlage, den rückläufigen Konsum und die Frage, wie Unternehmen und Politik darauf reagieren könnten oder sollten. Die Marschroute: „Schlumberger blickt auf über 180 Jahre Geschichte zurück und hat sich in dieser Zeit immer wieder erfolgreich neu erfunden. Genau das müssen wir auch heute tun.“

Vorweg: Sein erstes von Veränderung und Weiterentwicklung geprägtes Jahr als CEO resümiert er positiv. Das liegt wohl auch an seiner Grundeinstellung: „Ich forciere Transformation und bin bekannt dafür, auch neue Wege zu gehen.“ Aber die aktuelle geopolitische Lage macht es dem Unternehmen nicht leicht.

Schwieriges Umfeld
Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten verursachen unermessliches menschliches Leid und sorgen zugleich für wirtschaftliche Verwerfungen, die auch den Lebensmittelsektor betreffen. „Wir befinden uns mittlerweile seit Jahren in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld. Erst die Inflation, dann massive Rohstoffpreissteigerungen und die Energiekrise“, so Czink.

Wieder steigen die Kosten und das ist für Schlumberger keine einfache Situation. Einer naheliegenden Lösung für steigende Kosten – die Abwanderung ins günstigere Ausland – erteilt er aber gleich eine Absage. „Wir halten klar am Standort Österreich fest und investieren weiter. Mit unserem neuen Produktionswerk in Müllendorf im Burgenland haben wir erst im vergangenen Jahr ein starkes Zeichen gesetzt, sichern heimische Arbeitsplätze und stärken die Wertschöpfung im Land.“ In der Produktion geht Schlumberger heute schon neue Wege und füllt in Müllendorf neben eigenen Produkten Wein für Partner ab.

Auftrag an Politik
Gleichzeitig richtet Czink einen Appell an die Politik: „Natürlich wünsche ich mir von der Politik bessere Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft.“ Das betrifft Lohnnebenkosten, die erst ab 2028 sinken werden. Bei Energiepreisen und der geplanten Alkoholsteuererhöhung sei die Politik gefordert.
Gerade letztere werde nicht den erhofften Effekt bringen, denkt er: „Was ich in diesem Zusammenhang sehr kritisch sehe, ist die geplante Alkoholsteuererhöhung um 30 Prozent. Sie belastet eine ohnehin stark unter Druck stehende Branche zusätzlich. Ich bezweifle, dass die Regierung damit die erhofften Mehreinnahmen erzielen wird.“ Wer möchte, dass Unternehmen weiterhin in Österreich investieren, so Czink weiter, muss ihnen auch die entsprechenden Voraussetzungen dafür bieten.

Rückläufiger Konsum
Dass sich neben diesen Herausforderungen das Konsumverhalten verändert und vor allem jüngere Zielgruppen nicht mehr so oft zu alkoholischen Getränken greifen, wenn sie überhaupt ausgehen, kommt noch erschwerend dazu. Da sich aber durch Anprangern und Jammern selten etwas ändert, hat Schlumberger auch hierbei reagiert.

„Für uns bedeutet das, neue Wege zu gehen, in innovative Kategorien zu investieren und unser Portfolio entsprechend weiterzuentwickeln“, sagt er. Alkoholfreie Alternativen und Produkte mit reduziertem Alkoholgehalt, sogenannte Low-ABV-Produkte, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Mit dem neuen Schlumberger Sparkling Verjus & Tea 0,0% – Verjus ist der Saft unreifer Trauben – will das Unternehmen zeigen, dass „Premiumgenuss auch ganz ohne Alkohol funktioniert“.

Neu gedacht
Für die Marke Schlumberger ist das ein absolutes Neuprodukt, während es Hochriegl Alkoholfrei seit fünf Jahren gibt. Der Anteil der alkoholfreien Produkte liegt bei Hochriegl bei fast 10% Mit dem neuen Produkt will man ein hochwertiges Getränk anbieten, welches bewusst nicht entalkoholisiert wurde.
„Unsere Kellermeisterin Aurore Jeudy beschäftigt sich seit ihrem Einstieg 2022 intensiv mit der Entwicklung einer alkoholfreien Alternative, die unserem Qualitätsanspruch gerecht wird“, führt Czink aus, „Wir haben viel ausprobiert und gemeinsam verkostet. Letztlich waren wir überzeugt, dass wir mit einem eigenständigen Ansatz mehr Finesse und geschmackliche Komplexität erreichen können.“ Die Lösung ist eine Kombination aus Verjus aus den eigenen Trauben aus Bad Vöslau und weißem Tee aus Frankreich: „Für mich verbindet dieses Produkt unsere Herkunft mit echter Innovation. Und genau so wollen wir die Premium-Trinkkultur der Zukunft mitgestalten.“

Wachstumsmarkt
Der Anspruch ist somit: Alkoholfrei, aber ohne Kompromisse bei Qualität und Genuss. Als Zielgruppe hat man nicht nur klassische Sekttrinker auserkoren, sondern auch jene, die ein neues, nichtalkoholisches Geschmackserlebnis suchen. Noch ist der Markt nicht riesig, aber es wird zunehmend mehr verkauft. Laut Nielsen (2025) wuchs alkoholfreier Sekt im österreichischen Lebensmittelhandel zuletzt um 17,9% gegenüber dem Vorjahr und erreicht bereits einen mengenmäßigen Marktanteil von 3,2%.

Die wichtigste Jahreszeit
Das Jahresende ist für Schlumberger traditionell die umsatzstärkste Zeit. „Weihnachten und Silvester sind und bleiben für uns die wichtigste Zeit des Jahres“, sagt er unmissverständlich. Der von Schlumberger jährlich herausgegebene Sektreport zeigt auch heuer wieder, dass „hochwertiger Sekt nicht nur zum Anstoßen zu Silvester gehört, sondern auch ein beliebtes Geschenk unter dem Weihnachtsbaum ist.“ Sprich: „Für uns beginnt jetzt die Hochsaison, und wir sind bestens vorbereitet: mit besonderen Editionen, attraktiven Geschenkpackungen und erstmals auch einer alkoholfreien Premiumalternative. Die fünfte Jahreszeit ist für uns also nicht nur Tradition, sondern auch wirtschaftlich von enormer Bedeutung.“

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL