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Woerle und HBLA Ursprung starten nachhaltiges Forschungsprojekt © Woerle / Franz Neumayr

Bernhard Stehrer, Biologe Konrad Steiner (beide HBLA Ursprung) und Gerrit Woerle (Geschäftsführer Woerle), vorne die Schülerinnen Johanna Schinwald (l.) und Katharina Wirnsperger.

© Woerle / Franz Neumayr

Bernhard Stehrer, Biologe Konrad Steiner (beide HBLA Ursprung) und Gerrit Woerle (Geschäftsführer Woerle), vorne die Schülerinnen Johanna Schinwald (l.) und Katharina Wirnsperger.

Redaktion 13.04.2021

Woerle und HBLA Ursprung starten nachhaltiges Forschungsprojekt

Woerle betreibt Bildungs- und Forschungskooperation mit der HBLA Ursprung.

SALZBURG / HENNDORF. Im Rahmen der umfangreichen Nachhaltigkeitsstrategie hat man bei Woerle jetzt den nächsten Schritt gesetzt. Neben den Landwirten will man durch die Zusammenarbeit mit der HBLA Ursprung gezielt auch die nächste Generation in das groß angelegte Klimaschutzprojekt „Woerle wirkt weiter“ miteinbinden. Das Forschungsprojekt, das mit Schülern der Landwirtschaftsschule im Salzburger Flachgau umgesetzt wird, soll sowohl der CO₂-Reduktion als auch der Förderung der Artenvielfalt dienen.

In der Henndorfer Privatkäserei Woerle steht heuer das Thema „CO₂-Reduktion“ im Mittelpunkt der langfristig angelegten Maßnahmen rund um den Klimaschutz. Neben der Ausreizung von Einsparungspotenzialen im eigenen Betrieb stellt die Erreichung einer klimaresilienten Landwirtschaft dabei eines der wesentlichen Ziele dar. Nach dem Start der Initiative mit der Errichtung eines CO₂-Kontos für die Milchbauern wurde nun in Kooperation mit der HBLA Ursprung das nächste Projekt in Angriff genommen; dabei haben Schüler der Praxisgruppen am landwirtschaftlich genutzten Gelände der HBLA auf einer Länge von insgesamt 320 m eine sogenannte Forschungs-Hecke gepflanzt.

„Bei den vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten unseres Nachhaltigkeitsprogramms nimmt die Bildungs- und Forschungskooperation mit der HBLA Ursprung einen wichtigen Teil ein. Mit dem Heckenpflanzungs-Projekt wollen wir außerdem zeigen, dass Klimaschutz für die Landwirte auch einen Mehrfachnutzen bedeuten kann“, erklärt Geschäftsführer Gerrit Woerle. „Gerade im Hinblick auf die CO₂-Reduktion ist die Pflanzung von Hecken eine wirksame Maßnahme, da diese meist schnell wachsen und deren Gehölz CO₂ aus der Luft bindet“, ergänzt Konrad Steiner, Biologe und Lehrender an der HBLA Ursprung. Konkret geht es dabei um ca. 1 t CO₂ bei 1 m³ Holz. Ab wann mit messbaren Ergebnissen zu rechnen ist und in welchem Umfang, soll anhand dieses einzigartigen Vorzeigeprojekts genau überprüft und erforscht werden.

Forschungshecke mit Mehrfach-Nutzen
Was die neu gepflanzte Hecke in Ursprung von einer normalen Gartenhecke unterscheidet? Diese „Forschungs-Hecke“ wurde für das Agroforstsystem optimiert – sie soll ein Mikroklima für die Wiesen und Ackerflächen im Umfeld schaffen und damit helfen, in Zukunft die Widerstandskraft bei Trockenperioden oder Starkregen-Ereignissen zu stärken. Neben den klimaschützenden Effekten soll für die Landwirte zugleich ein zusätzlicher Nutzen entstehen. „Agroforstsysteme tragen nicht nur zur Steigerung der Biodiversität bei, da sie vielen verschiedenen Lebewesen einen Lebensraum und Nahrung bieten, sondern haben auch den Vorteil der Ertragssteigerung auf den umliegenden Flächen – sie bieten also einen Doppelnutzen für die Landwirtschaft. Genau das wollen wir hier überprüfen und mittels der Ergebnisse sicht- und messbar machen“, erläutert Konrad Steiner. Dafür wird jährlich im Winter mittels eines 3D-Laserscans der Holzzuwachs der einzelnen Heckentypen ermittelt – geplant ist die Messung der Ergebnisse zunächst für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren.

Die neue Hecke besteht aus vier Heckentypen, und zwar aus einer Wildobsthecke, einer Energieholzhecke, einer für Wildtiere optimierten Hecke sowie einer Artenvielfalt XXL-Hecke. Da vor allem gerade einheimische Gehölze besonders vielen Tieren Lebensraum und Nahrung bieten, wurden für die Pflanzung regionale, autochthone Pflanzen – also Sträucher, die von wildwachsenden, heimischen Pflanzen stammen – ausgewählt.

Langfristige Schulpartnerschaft
In der Höheren Bundeslehranstalt für Landwirtschaft will man – u. a. auch durch Kooperationen mit heimischen Unternehmen – verschiedene Vorhaben umsetzen. So sollen etwa Forschungsprojekte auch als Themen für Diplomarbeiten dienen bzw. die Forschungsergebnisse aus dem laufenden Projekt in die Lehrinhalte der nächsten Jahre einfließen. „Die praxisbezogene Lehre stellt bei uns einen wichtigen Teil des Unterrichts dar, dazu gehören natürlich auch Forschungsprojekte. Wir freuen uns, dass wir mit Woerle einen Partner gefunden haben, mit dem wir auf Basis einer langfristigen Zusammenarbeit gemeinsame Ziele verfolgen können. Zugleich sind unsere Partner aus der Wirtschaft auch potentielle, zukünftige Arbeitgeber für unsere Absolventen“, erklärt dazu Bernhard Stehrer, Direktor der HBLA Ursprung.

Moderne Agroforstsysteme können beispielsweise die Bodenfruchtbarkeit, Wasserqualität, Biodiversität und das Mikroklima verbessern. Die Bodenfruchtbarkeit wird einerseits durch stärker geschlossene Nährstoffkreisläufe zwischen den Ackerkulturen und den Holzgewächsen erhöht. Andererseits wird durch Laubfall und abgestorbene Feinwurzeln sowie durch Wurzelausscheidungen vermehrt Kohlenstoff gespeichert, Humus angereichert und so die Bodenqualität langfristig gesteigert. (red)

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