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Zwischen Bauernkrieg und Proteinboom © APA/Barbara Gindl
© APA/Barbara Gindl

Redaktion 17.04.2020

Zwischen Bauernkrieg und Proteinboom

Die Milchwirtschaft zeigt sich stark im Export, doch die Zahl der ­Milchbauern schrumpft.

••• Von Paul Hafner

WIEN. Die Situation der heimischen Milchwirtschaft war 2019 von Ambivalenz geprägt. Es gingen Bilder von vor Handelsfilialen protestierenden Milchbauern durch die Medien, rund 1.000 von ihnen stellten im Vorjahr ihren Milchbetrieb ein; gleichzeitig gab es einen Rekord beim Export der Milchprodukte. Innovativ zeigten sich etwa Berglandmilch mit der Einführung der Mehrwegflasche und Nöm mit dem Launch und der ständigen Erweiterung seiner Proteinrange.

Was die Industrie bewegte

Österreichische Milchprodukte sind im Ausland sehr gefragt: Jahr für Jahr steigen die Milch­exporte, auch 2019 waren sie wieder im Aufwind – gleich­zeitig konnten auch die Im­porte leicht verringert werden. Für die heimischen Molkereien und Bauern brachte die schwierige Wettbewerbslage infolge der hohen Handelskonzentration weiteren Druck auf die Er­gebnisse der Molkereien und Erzeugermilchpreise.

„Es ist somit verständlich, wenn Land­wirte ihren berechtigten Unmut auf den Straßen zum Ausdruck bringen”, kommentierte Helmut Petschar, Präsident der Vereinigung Österreichischer Milch­verarbeiter (VÖM), den auch medial geführten „Bauernkrieg”.
„Für Berglandmilch war 2019 ein forderndes Jahr, das wir aber gut gemeistert haben”, resümierte Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer und scheint damit für viele Betriebe zu sprechen; auch die Konkurrenz trotzte Herausfordrungen wie steigenden Butterpreisen (Braunshofer: „Unsere Bauern kämpfen immer wieder mit klimatisch schwierigen Bedingungen”) und konnte ihr Niveau halten bzw. umsatztechnisch leicht ausbauen.
Die Gmundner Molkerei erweiterte ihr Fairhof-Sortiment bei Hofer und erreichte mit 53% eine neue Höchstquote beim Export; Berglandmilch profilierte sich nicht nur mit der ökologischen Mehrwegflasche, sondern auch mit fruchtigen bzw. eiweißreichen Joghurtkreationen (Greek Style, Skyr).

Auswirkungen der Coronakrise

Die Coronakrise macht sich in der heimischen Milchindustrie bisher weniger bemerkbar als anderswo. Wie für die Fleischindustrie stellen die Verfügbarkeit von Containern und hohe Frachtkosten ein Hauptproblem für das Exportgeschäft dar; Verluste dort sowie durch die Lokalsperre können aber durch erhöhte Nachfrage im in- und ausländischen Handel zumindest teilweise oder gar überkompensiert werden.

Über Umsatzeinbrüche berichten vorrangig regionale Molkereien wie die Vorarlberg Milch. Doch auch für die großen Molkereien könnte die jetzt anbrechende Phase zwischen Hamsterkäufen und dem Wiederaufsperren der Lokale kritisch werden – Petschar fordert jedenfalls vorsorglich ein „Abstandhalten von aggressiver ­Aktionspolitik” vom LEH ein.

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