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© WKO/Leithner

Analyse Was verrät das Fachkräfte-Radar 2018? Bild: WKO-Präsident Harald Mahrer (r.) und Generalsekretär Karlheinz Kopf.

britta biron 14.09.2018

In Österreich fehlen 162.000 Fachkräfte

WKO-Chef Mahrer präsentiert mit dem Fachkräfte-Radar die Zahlen, die Bundesregierung zieht mit einer Reform nach.

••• Von Britta Biron

Das Problem ist nicht neu: Seit mindestens zehn Jahren schwebt der Fachkräftemangel wie ein Damoklesschwert über der Wirtschaft. Längst betrifft er nicht mehr lediglich IT-Spezialisten und Ingenieure, sondern auch Installateure und Tischler, Lkw-Fahrer und Ärzte, Altenpfleger und Manager und damit praktisch alle Branchen und Unternehmen.

Laut einer vor wenigen Tagen präsentierten Studie, die das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) im Auftrag Wirtschaftskammer Österreich (WKO) durchgeführt hat, ist der Fachkräftemangel für 75% der rund 4.500 befragten Unternehmen ein großes bzw. sehr großes Problem. Hochgerechnet auf ganz Österreich, ergibt das 162.000 Stellen, die nicht oder nur mit Mühe zu besetzen sind.
„Die Problematik ist eine größere, als in den letzten Jahren beobachtet wurde”, konstatiert WKO-Präsident Harald Mahrer die Situation.

Regionale Unterschiede

Und eine Besserung ist nicht in Sicht, denn auch die Demografie spielt dem Fachkräftemangel in die Karten. Laut den Bevölkerungsdaten der Statistik Austria hat die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter bereits heuer ihren Höhepunkt erreicht und wird bis 2030 um 230.000 abnehmen.

Wie schwierig die Besetzung offener Stellen ist, hängt auch von der Region ab. Während es zum Beispiel in Wien in vielen Branchen zumindest theoretisch genügend potenzielle Mitarbeiter gibt, lässt sich in der Provinz die Lücke zwischen freien Stellen und Arbeitsuchenden oft nicht einmal rechnerisch schließen.
Eine detaillierte Übersicht über das Arbeitskräfteangebot bis auf Bezirksebene liefert der neue WKO-Fachkräfte-Radar. Dieses Tool soll vor allem dazu dienen, die vorhandenen Potenziale in Österreich zu nutzen.
„Wenn die Firma Maier aus Vöcklabruck dringend Elektroinstallateure sucht, sieht sie auf der interaktiven Karte auf wko.at/fachkraefte, dass in ihrem Bezirk nur 19 arbeitslose Elektroinstallateure zur Verfügung stehen, gleichzeitig aber auch, dass in Wien 320 arbeitslose Elektroinstallateure auf 100 offene Stellen kommen. Die Firma Maier kann somit das AMS bitten, auch in Wien nach Kandidaten für den Job in Vöcklabruck zu suchen”, erläutert WKO-Generalsekretär Karlheinz Kopf die Idee.

Fragt sich nur, wie hoch die Bereitschaft eines Wiener Elektroinstallateurs zur jobbedingten Übersiedlung ist bzw. welche Goodies der Maier-Chef zu bieten bereit ist, um sie auf das notwendige Level zu bringen.

Zuwanderung ist ein Muss

Aber selbst wenn die heimischen Arbeitskräfte mobiler werden und sämtliche Maßnahmen – von Qualifizierung über bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, neue Ansätze beim Recruiting sowie dem langfristigen Halten von Mitarbeitern, innerbetrieblicher Weiterbildung, Imagesteigerung von Lehrberufen – tatsächlich fruchten, werde es laut Mahrer künftig nicht ohne Fachkräfte aus dem Ausland gehen. Vor allem auch deshalb, weil es in bestimmten Berufen schlicht keine heimischen Bewerber gibt.

Allerdings ist der Fachkräftemangel ein globales Problem, wie auch der aktuelle „Talent Shortage”-Report von Manpower zeigt. Seit 2010 ist der Anteil der Unternehmen, die angeben, unter Fachkräftemangel zu leiden, von 31 auf 45% gestiegen.
Besonders angespannt ist der Arbeitsmarkt etwa in Japan (89%), Rumänien (81%) und Taiwan (78%), aber auch in Deutschland, Polen und Ungarn (je 51%), Indien (56%), der Slowakei (54%) sind qualifizierte Mitarbeiter rar und daher immer seltener auf einen Job in Österreich angewiesen.

Regionalisieren

Um Österreich als Arbeitsort attraktiver zu machen, sei laut Mahrer etwa eine Weiterentwicklung der Rot-Weiß-Rot-Karte nötig: „Wir müssen Verfahren beschleunigen, die Form der Anmeldung vereinfachen und vor allem auch die Mangelberufsliste regionalisieren.

Im Vordergrund stehen für den WKO-Chef aber Maßnahmen im Inland und dabei ist ihm die Qualifizierung ein besonderes Anliegen: „Wir werden in den nächsten Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Bereich Aus- und Weiterbildung investieren.” Ein großer Teil davon werde in die Weiterentwicklung der Lehre von der dualen zur trialen Ausbildung gehen. „Es ist sehr erfreulich, dass neue Lehrberufe wie der Coder geschaffen werden. Aber die Digitalisierung hält fast überall Einzug in den Berufsalltag, und wir brauchen daher in allen Bereichen digitale Kompetenzen.”

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