HEALTH ECONOMY
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Pharmig-Generalsekretär Jan Oliver Huber warnt vor Diskussionen über steigende Ausgaben für Krebsbehandlungen.

Ina Karin Schriebl 10.06.2016

Ausgaben für Krebs steigen

Die Zahl der Krebserkrankungen nimmt zu, die Zahl ­inno­vativer Therapien auch. Das führt auch zu steigenden Ausgaben. Experten warnen aber vor Kostendiskussionen.

••• Von Ina Karin Schriebl

WIEN. „Die Diagnose Krebs ist für jeden einzelnen Betroffenen ein schwerer Schlag. Erfreulich ist in einem solchen Fall zumindest, dass Patienten speziell in Österreich von einem exzellenten Zugang zu Krebstherapien profitieren”, sagt Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Pharmaverbands Pharmig.

Die Anzahl der Tumorerkrankungen nimmt, wie berichtet, weltweit stetig zu. In Österreich werden laut Statistik Austria jährlich etwa 39.000 Personen mit der Diagnose Krebs konfrontiert. Diese Entwicklungen stellen die Gesundheitssysteme vor riesige Herausforderungen. Österreich zähle zu den Top-5-Ländern in Europa mit den besten Krebs-Überlebensraten, sagt Huber. Mit neuen, innovativen Ansätzen, wie der personalisierten Therapie und der Immuntherapie, stehen den Ärzten neue und wirkungsvolle Optionen für die Behandlung zur Verfügung; dadurch steigt aber auch die Zahl der Patienten, die mit Krebs leben – wodurch sich im Umkehrschluss höhere Behandlungskosten ergeben.
Unter diesen Aspekten greife daher eine auf die Kosten der Krebsmedikamente reduzierte Diskussion viel zu kurz, warnt er. Vielmehr gelte es, den gesellschaftlichen ­Nutzen in den Fokus zu rücken. Huber: „Durch innovative Krebstherapien können Betroffene länger aktiv am Erwerbsleben teilnehmen oder früher wieder in den Job zurückkehren.”

Studie zeigt Erfolge

Eine Analyse des Marktforschungsunternehmens IMS Health zeigt die ökonomische Entwicklung: „In der Krebstherapie gab es in den vergangenen Jahren viele Erfolgsmeldungen und beträchtliche Entwicklungen. Verbessertes Outcome und längere Überlebensdauer werden durch präzisere Diagnostik, innovative Medikamente, neue chirurgische Verfahren und verbesserte radioonkologische Therapien erreicht”, teilt das Unternehmen mit.

In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Ausgaben für Krebsmedikamente in Österreich um 39%. „Derzeit sind die Patienten in Österreich noch bestens betreut, und auch im europäischen Vergleich stehen wir hierzulande gut da”, meint Hellmut Samonigg, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (OeGHO), in deren Auftrag IMS Health die Studie erstellte. „Doch die Schwere zwischen den medizinischen Möglichkeiten und den steigenden Kosten fürs Gesundheitssystem geht immer weiter auf.”

470 Mio. Euro in Österreich

Rund 11% vom BIP werden in das Gesundheitswesen investiert, davon entfallen mehr als 30% auf die stationäre Versorgung, und 0,1% vom BIP werden für hospitale onkologische Arzneimittel aufgewendet, rechnet IMS vor. Dass die Aufwendungen für Präparate jedoch unaufhaltsam steigen, sei klar: Weltweit wurden im Jahr 2014 rund 90 Mrd. € für Krebsmedikamente ausgegeben, fünf Jahre zuvor waren es 67 Mrd. €; das entspricht einer Steigerung um 34%. In Österreich erreichten die Ausgaben für Krebsmedikamente 2015 rund 470 Mio. € und hierzulande erhöhten sich die Kosten um 39%. Aufgrund der erhobenen Trends in anderen europäischen Ländern wird ein weiterer Anstieg um jährlich sechs bis acht Prozent erwartet.

„Die Zahlen zeigen mit großer Deutlichkeit, dass unbedingt eine Balance zwischen optimalem Therapieeinsatz und der Nachhaltigkeit für das Gesundheitssystem gefunden werden muss”, betont Erika Sander, Geschäftsführerin von IMS Austria. „Nur so kann weiterhin ­garantiert werden, dass jeder die für ihn geeignete Therapie erhält und das System nicht kippt.”

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