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„Durch Exzellenz einen Unterschied machen!”
© dm/Stefan Wascher

Harald Bauer

Redaktion 31.01.2025

„Durch Exzellenz einen Unterschied machen!”

Der Vorsitzende der dm-Geschäftsführung, Harald Bauer, im Interview – darüber, wie man Dinge richtig macht.

••• Von Georg Sohler

Seit Anfang des Jahres ist Harald Bauer Vorsitzender der Geschäftsführung bei dm. Er folgt auf Martin Engelmann, der diese Position seit 2008 innehatte. Und er folgt auch seinem Vater und dm-Mitgründer Günter Bauer. Erfahrung hat er genug, ist er doch seit 2004 im Unternehmen – zunächst als Gebietsmanager und seit 2008 in der Geschäftsführung, wo er für Marketing und Einkauf zuständig war. medianet hat mit ihm über aktuelle und künftige Herausforderungen gesprochen.

medianet: Herr Bauer, wie groß sind die Fußstapfen, die Martin Engelmann hinterlässt?
Harald Bauer: Mein Vater hat mir folgenden Sinnspruch mitgegeben: ‚Wer in die Fußstapfen eines anderen tritt, kann keine eigenen Wege gehen!' Deshalb werde ich aus den Fußstapfen meines Vaters und jenen von Martin Engelmann heraus versuchen, eigene Wege zu gehen. Engelmann ist seit bald 40 Jahren für dm tätig, er ist ein wichtiger Kulturträger unserer Wirtschaftsgemeinschaft und wir haben mittlerweile eine 16-jährige gemeinsame Geschichte in der Geschäftsführung. Es war uns beiden ein wichtiges Anliegen, für diesen Übergang einen bewussten und ‚smoothen' Prozess zu gestalten.

medianet:
Was wollen Sie aus Ihren eigenen bisher 20 Jahren im Unternehmen hervorheben?
Bauer: Die großen Weiterentwicklungen, auf die wir in diesen letzten 20 Jahren bei dm besonders stolz sind, waren allesamt Gemeinschaftsleistungen. Es würde den Beiträgen meiner Kolleginnen und Kollegen nicht gerecht, hier einzelne gemeinsame Erfolge hervorzuheben. Persönliche Erfolge erlebe ich, wenn es mir gelingt, einen als richtig erkannten Weg konsequent zu gehen, auch wenn er aus der Situation heraus für mich vielleicht gerade unbequem ist.

medianet:
Haben Sie dafür ein Beispiel?
Bauer: Nehmen wir die Inflation her – wenn alles teurer wird, dann ist es der einfache Weg, auch nach oben zu fahren und die Erträge einzustreifen. Das haben wir nicht getan, sondern mit der Industrie zusätzliche Gesprächsrunden gemacht, in der Logistik nach Einsparungsmöglichkeiten gesucht oder ausgewertet, wo wir in der Aus- und Weiterbildung Angebote haben, die sich überholt haben. Aber: Mitbewerber, die sich im Vorjahr auf den leichten Weg der Preiserhöhungen verlassen haben, wurden von den Kunden abgestraft und haben letztlich Verluste eingefahren. Eine wichtige Erkenntnis der letzten Jahre für mich war: ‚Leichte Entscheidungen, schweres Leben. Schwere Entscheidungen, leichtes Leben.' Das bewahrheitet sich tatsächlich immer wieder.

medianet:
Mehr als 28.300 Mitarbeiter, über 1.900 Filialen in insgesamt zwölf Ländern, ein Jahresumsatz von über fünf Mrd. Euro – welche Ziele setzen Sie sich für die nächsten Jahre?
Bauer: Bei dm geht es uns nicht um Wachstum um des Wachstums willen, sondern wir sehen dies als Folge, wenn es uns gelingt, für unsere Kunden in besonderer Weise relevant zu sein und Verbundenheit zu schaffen. Wir haben in den kommenden Jahren auch keine weiteren Expansionen in neue Länder geplant, sondern wollen uns noch stärker auf die Weiterentwicklung von Qualität und Exzellenz in den bestehenden Märkten konzentrieren. Wir wollen unsere bestehenden Markenauftritte noch mehr zum Glänzen bringen und in Preise, Ladenbild, Kommunikation und insbesondere auch in unsere Mitarbeiter investieren. Dazu kommen umfangreiche Vorhaben in den IT-Systemen, im Bereich Digitalisierung und in der Logistik – beispielsweise ein neues Verteilzentrum in Kronstorf, welches im Jahr 2026 eröffnet wird.

medianet:
In der Ihre neue Position vorstellenden Aussendung haben Sie gemeint, dass dm erfolgreich sei, sich an den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren. Was kann ein Drogeriemarkt in dem Zusammenhang tun?
Bauer: Faire Gehälter für Mitarbeiter und Maßnahmen zur Eindämmung der Preisentwicklung zugunsten unserer Kunden sind für uns selbstverständlich. Wenn wir von den Bedürfnissen unserer Mitarbeiter sprechen, dann denken wir an Entwicklungsmöglichkeiten, an ein dialogisches Miteinander, an Vereinbarkeitsfragen, an die Anliegen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen oder auch an neue Modelle, um Arbeit mit Blick auf ältere Mitarbeiter neu zu gestalten. In Richtung unserer Kunden wollen wir deren Konsumbedürfnisse veredeln – wir wollen überraschen und begeistern. Dazu braucht es nicht nur ein ständiges Arbeiten an Sortiment und Preis, sondern auch an der Beratungsqualität, am Ladenbild, an Serviceleistungen, an unserer Kommunikation und an den OCR-Systemen oder an zahlreichen ökologischen und sozialen Initiativen, die es unseren Kundinnen und Kunden ermöglichen, sich emotional mit dm zu verbinden. Letztlich geht es darum, durch Exzellenz in diesen und vielen weiteren Bereichen für die Menschen einen Unterschied zu machen.

medianet:
Die Welt da draußen wird nicht unbedingt einfacher. Sie haben den Bereich Marketing verantwortet und im Lichte der vorherigen Frage – haben Firmen in der Werbung eine Welt gemalt, die es so in der Form nicht gibt?
Bauer: Wie kaum eine andere Marke sehen wir dm als Reputationsmarke – wir genießen ein sehr hohes Vertrauen der Menschen, dass wir uns in der internen Zusammenarbeit, in ökologischen Fragen oder in unserem gesellschaftlichen Engagement stetig bemühen, die Dinge richtig zu machen und unser Bestes zu geben. Dieses Bild haben die Menschen nicht aus der Werbung, sondern durch persönliches Erleben über viele Jahre. Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die dieses Vertrauen der Menschen in dm mit sich bringt.

medianet:
Wenn wir zurückblicken, gab es in den letzten 20 Jahren nicht gerade wenige, auch globale Krisen, angefangen mit der Bankenkrise 2008. Welche hat dm aus Ihrer Sicht am härtesten getroffen?
Bauer: Als Händler, aber auch mit unseren Friseur- und Kosmetikstudios war Covid für uns natürlich eine große Herausforderung – sowohl für die Organisation als Ganzes, als auch für jede einzelne Kollegin bzw. Kollegen, die unter oft schwierigen Rahmenbedingungen für unsere Kunden gearbeitet haben. Diese wirklich großartigen Leistungen der Menschen zur Aufrechterhaltung der Versorgung sind leider rasch wieder in Vergessenheit geraten. In weiterer Folge hat der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine die Engpässe auf den Rohstoff- und Energiemärkten verstärkt und eine Teuerungsspirale in Gang gesetzt, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten in unseren Märkten nicht gekannt haben. Wir haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Beitrag gegen die Teuerung zu leisten. Diese Bemühungen waren letztlich auch insofern erfolgreich, als die Teuerung im Warenkorb der dm-Kunden von Oktober 2023 bis September 2024 bei lediglich 1,8 Prozent lag, während die allgemeine Teuerung laut Wifo im selben Zeitraum mit 3,8 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfiel.

medianet: Was konnte man aus den Krisen lernen?
Bauer: Am Beginn der Covid-pandemie stand die Hoffnung vieler, dass diese Zäsur trotz all ihrer negativen Auswirkungen auch etwas Positives bewirken kann – nämlich mehr Achtsamkeit füreinander und mehr Miteinander in der Gesellschaft. Die Entwicklungen haben gezeigt, dass herausfordernde Zeiten leider auch ein Nährboden sein können für Misstrauen und Gegeneinander, für Demagogie und für das Bedürfnis, nicht Lösungen zu finden, sondern Schuldige. Es muss uns als Gesellschaft gelingen, mit viel mehr Wohlwollen aufeinander zuzugehen, das Verbindende zu suchen und das Gemeinwohl in den Mittelpunkt zu stellen.

medianet:
Ist dm resilient genug?
Bauer: Das Fundament unseres Erfolgs in fünf Jahrzehnten ist das Menschenbild, das eine Liebeserklärung an die Freiheitsfähigkeit im Menschen darstellt. Es ermöglicht subsidiäre, kundenorientierte und für die Mitarbeiter attraktive Strukturen und Abläufe innerhalb des Unternehmens. Und es schafft eine Verbundenheit mit unseren Kunden, die über eine reine Händler-Konsumenten-Beziehung weit hinausgeht. Wenn wir an der Erhaltung und Weiterentwicklung unserer Resilienz arbeiten wollen, dann bedeutet das daher insbesondere auch, die geistig-kulturellen Grundlagen unserer Wirtschaftsgemeinschaft zu pflegen und relevant zu halten.

medianet:
Kehren wir wieder in die Jetzt-Zeit zurück. Marlene Draschwandtner, Sortiment, und Bernhard Moser, Marketing und OCR, sind neu in der Geschäftsleitung. Warum sie?
Bauer: Beide haben die Entwicklung in ihren Fachbereichen in den letzten Jahren sehr erfolgreich gestaltet und beiden ist die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit in der dm-Gruppe ein persönliches Anliegen. Wir sind stolz darauf, Führungspositionen bei dm aus dem Management heraus in dieser Qualität und Expertise besetzen zu können.

medianet:
Was soll von den beiden umgesetzt werden?
Bauer: Durch die Zusammen­arbeit zwischen den 14 Ländern der dm-Gruppe haben wir heute Möglichkeiten, die wir noch vor wenigen Jahren gar nicht für möglich gehalten hätten. Die Vereinheitlichung von Systemen ermöglicht neue Serviceleistungen für unsere Kunden, unterstützt die Mitarbeiter, schafft Synergien, wirkt kostendämpfend und stellt Transparenz sicher, um in jedem Land und für die Gruppe fundierte Entscheidungen treffen zu können.

medianet:
Das Jahr 2025 steht noch am Anfang – dennoch: Was erwarten Sie sich?
Bauer: Im gesamten Unternehmen ist spürbar, dass die Menschen große Lust auf Weiterentwicklung in vielfältiger Art und Weise haben. Wohl noch nie waren derart viele unterschiedliche Initiativen und Vorhaben auf dem Weg. Dabei sind wir aufgrund der erfolgreichen Entwicklungen in der Vergangenheit in der komfortablen Situation, Change-Prozesse nicht einleiten zu müssen, sondern sie aktiv gestalten zu können. So wollen wir für Kunden, Mitarbeiter und Partner auch weiterhin ein Unternehmen gestalten, mit dem sich die Menschen in besonderer Weise verbinden wollen.

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