MARKETING & MEDIA
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Marco Schreuder ist selbständiger Kommunikations- und Strategieberater und Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation

Marco Schreuder 21.06.2019

Mehr als ein Logo

Markenrelaunches werden medial gern auf neue Logos reduziert, Agenturleistungen dadurch herabgewürdigt.

Gastkommentar ••• Von Marco Schreuder

WIEN. In der Berichterstattung vieler Medien gibt es viel Empörung über die Kosten von Logos – etwa für die Stadt Wien, für ORF 1 oder aktuell für die Krankenkassen. Diese verkürzte Darstellung ist ein Problem. Denn mitnichten werden bei einem Marken-Relaunch nur Logos ersetzt und that’s it. So ein Prozess ist ein durchaus intensiver, der alle Kommunikationskanäle bedienen muss und sehr in die Tiefe jedes Unternehmens und jeder Institution geht.

Bei einem Rebranding geht es etwa oft um eine Reihe von Websites und Online-Kanälen, Druckwerke, Direktkommunikation und vieles mehr. Das muss alles angesehen und in der Überarbeitung des Markenauftritts mitgedacht werden. Ein neues ‚Corporate Design' für eine große Institution zu entwickeln, ist ein aufwendiger Kreativprozess, der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbinden und die Unternehmenskultur abbilden muss.
Es kann also nicht sein, dass bei solch äußerst komplexen Marken-Relaunches wie dem bei den Krankenkassen medial nur von einem schlichten Logo die Rede ist.

Kreativleistungen würdigen

Dass Ausschreibungen und Vergaben korrekt laufen, ist natürlich Aufgabe der Politik. Wenn hier etwas nicht passt, muss und soll das unbedingt aufgeklärt werden. Was mich und meine Kolleginnen und Kollegen aber vor allem stört, ist das medial kommunizierte Bild der Kreativbranche, denn dieses ist verheerend! Wenn Leute meinen, unsere Branche würde sich mit Aufträgen von öffentlichen Institutionen eine goldene Nase verdienen, will ich hier etwas klarstellen: Fakt ist, dass Kreativleistungen immer weniger honoriert werden.

Das konnten wir für den Bereich der Grafikdesigner anhand von Daten aus den Jahren 2007 bis 2017 nachweisen. Um bis zu 40 Prozent weniger verdienen Designerinnen und Designer inflationsbereinigt in einzelnen Bereichen im Vergleich zu vor zehn Jahren. Das ist ein dramatischer Abwärtstrend, der bewirkt hat, dass ein Drittel der selbstständigen Designschaffenden mit ihrer Tätigkeit heute gerade so über die Runden kommt.
Wenn also in Medien die Kreativleistungen der Branche erniedrigend und grob verfälscht dargestellt werden, muss man sich als Branche wehren. In der Werbe- und Kommunikationsbranche sind Tausende Menschen beschäftigt, die jeden Tag Hervorragendes leisten. Diese haben für ihre wichtige Arbeit auch Wertschätzung in der Berichterstattung verdient und vor allem Fairness in politischen Debatten.

Aufruf an die Medien

Die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien wehrt sich jedenfalls mit aller Vehemenz gegen die ungerechtfertigte Herabwürdigung von Agenturleistungen. Wir fordern die Medien – insbesondere die Kronen Zeitung – auf, die Sache dringend richtigzustellen.

Für die Zukunft erwarten wir uns von Journalisten, auf solche verkürzten Darstellungen zu verzichten und fair über die vielfältige und aufwendige Arbeit unserer Branche zu berichten. Denn Medien leben letztlich auch etwas von der Werbung, die diese Agenturen gestalten.

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