MARKETING & MEDIA
Redaktion 06.11.2020

So sind wir nicht

Wenn es um Revolverjournalismus geht, ist ­Österreich noch immer eine Insel der Anständigen.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

GRENZZIEHUNG. Von Frauen, die von einem Alien schwanger sein wollen, über Fotos von Politikern beim Seitensprung bis zu heimlich aufgenommenen Bildern von Promis am Sterbebett – in vielen Ländern dieser Welt ist man vor der sogenannten Yellow Press und den wildesten Ausprägungen des Revolverjournalismus, der nichts anderes bedient als den Voyeurismus der Leserinnen und Leser, nicht sicher. Schon gar nicht im Netz.

Es gibt Boulevard und es gibt Boulevard

Nicht so in Österreich. Bis auf ganz wenige, bisher erfolglose Versuche, diese Art von Journalismus auch nach Österreich zu bringen, gibt es in unserem Land Gott sei Dank kein Publikum und auch keinen Werbemarkt für diese Art von Medien.

Der letzte, kläglich gescheiterte Versuch war ein Blattl namens täglich alles mit so pseudo­witzigen Schlagzeilen wie „Klestil, wann gibst du die Löffler ab”.

Nun gab es aber einen Tabubruch, als zwei Medien eine Szene veröffentlichten, bei der zu sehen ist, wie der Attentäter von Wien auf einen Passanten schießt – verpixelt zwar, aber um hinter die Pixel zu sehen, brauchte es nicht viel Fantasie.
Was folgte, war ein Sturm der Entrüstung – gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch –, und die beiden Medien zeigten sich einsichtig und nahmen die Videos offline. Es bedarf jetzt auch keiner Rufe „hängt sie höher”, denn auch der Boulevard hat seine Berechtigung. Aber nicht so!

Denn wie sagte der Bundespräsident so schön: „So sind wir nicht.” Und gut, dass gewisse Dinge, wie diese Art des journalistischen Umgangs mit solchen Videos, als gesellschaftlich breiter Konsens in Österreich keinen Anklang finden.

WhatsApp-Gruppen als Dreckschleuder

Ein Problem gibt es da aber sehr wohl noch: Einen Tabubruch begehen auch all jene Privatpersonen, die Videos wie dieses täglich und Tausendfach in diversen WhatsApp-Gruppen teilen und via unsoziale Medien online stellen.

Darüber müsste man auch mal sprechen.

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL