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Redaktion 27.05.2022

Volkeswille siegt über Wissenschaft

Die Regierung schafft die Maskenpflicht ab. Weil: Das Virus erlaube eine „Atempause”.

Kommentar ••• Von Dinko Fejzuli

 

SITUATIONSELASTISCH. Seit Beginn der Pandemie schickte die österreichische Bundesregierung die Bevölkerung in insgesamt drei harte Lockdowns – im März, November und Dezember 2020, und zusätzlich gab es im April 2021 einen Ost-Lockdown u.a. in Wien. Und vor etwas mehr als zwei Jahren warf die damalige Ministerin Elisabeth Köstinger der SPÖ, die von ihr eine Öffnung der Bundesgärten für die vielen Wiener forderten, die weder einen Balkon noch einen Garten hatten, eine „Kampagne” vor. Wörtlich sagte sie damals: „Das ist grob fahrlässig.” Das oberste Ziel, so Köstinger, müsse jetzt sein, Ansteckungen mit dem Coronavirus zu verhindern. „Auch draußen lauert die Gefahr einer Ansteckung. Das Öffnen der Bundesgärten wäre das völlig falsche Signal. Deshalb bleiben die Parks auch zu.”

Damit wir wissen, wovon wir sprechen, hier die Zahlen: Vier Wochenspäter, am 23. Mai 2020 gab es 31 neue Fälle, und der Tagesmittelwert lag bei 43. Auf den Tag genau, zwei Jahre später, am 23. Mai 2022, als kürzlich, gab es 7.428 neue ­Fälle und einen Mittelwert von 2.876. Und bevor mir jemand mit dem Argument kommt, jetzt seien ja die Menschen geimpft, auch hier die Zahlen: Je nach Alter sind 20 bis 30 Prozent der impfbaren Bevölkerung noch immer nicht geimpft.

„Es halten sich eh immer weniger dran”

Und jetzt, wo Experten vor einer Herbstwelle warnen, hebt die Regierung in einer Art Ohnmachtsgeste die Maskenpflicht auf. Die Pandemie erlaube eine „Atempause”, so der Gesundheits­minister, und deshalb wolle man auch pausieren.

Mehr, vermute ich, wird der Grund zählen, dass sich immer weniger Menschen an die Maskenpflicht halten wollen, und die Regierung nichts dagegen tun konnte und wollte.
Aber wen wundert die Ignoranz der Menschen, wenn selbst der Kanzler bei einer Parteiveranstaltung laut in die johlende Menge und in die Kameras schreit, ihm sei das Virus egal.
Übrigens: Bei diesem Virus, das besonders die Lunge angreift, von einer „Atempause”, die man ­mache, zu sprechen, ist besonders unlustig.

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