RETAIL
Redaktion 12.05.2023

Der Preis ist heiß

Noch so viele Preisgipfel werden an der Situation wenig ändern. Die hohen Preise sind gekommen, um zu bleiben.

Kommentar ••• Von Christian Novacek

PREISFRAGE. Der Vorschlag der Stunde zum Thema „Die Lebensmittelpreise sind zu hoch”: Preis-Vergleichsportale ähnlich dem Spritpreisvergleichsportal. Wär doch super, wenn die Händler als Belohnung fürs hohe Preisniveau eine Plattform bekommen, wo gratis Werbung für ihre Eigenmarken gemacht wird. Und das als Maßnahme gegen die Teuerung verkaufen … da beißt sich die Katze aber sehr genüsslich in den Schwanz!

Auch fragwürdig: Der Wettbewerb in Österreich sei quasi rasiermesserscharf, weil sich die vier Großen nix schenken. Da schenkt der Apfel der Birne nix, weil erstens sind’s nur drei wirklich große, und zweitens sind unter den vier Großen zwei Diskonter – und Diskont und Vollsortimenter sind vielleicht nicht mehr so unterschiedlich wahrnehmbar wie vor zehn Jahren, aber die Unterschiede sind trotzdem eindeutig; ob mit oder ohne Fleischhauer im Geschäft sind das grundunterschied­liche Waren- und Preiswelten.

Somit: Der Preiswettbewerb beschränkt sich auf zwei Marktführer, die es zusammen auf zwei Drittel Marktbeherrschung bringen. Dass das für die beinharte Preisschlacht steht – unbenommen, so lange noch zu Zeiten der alten Billa- und Merkur-Könige die Ignoranz das größtmögliche Maß der Zuneigung dem Konkurrenten gegenüber war. Aber heute?

Billig in Deutschland, teuer in Österreich

Auch schön, dass mehr oder minder über Nacht nicht mehr bestritten wird, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland höher sind als in Österreich. Dafür die unterschiedlich hohe Mehrwertsteuer verantwortlich zu machen, ist billig, aber nicht ausreichend. Und dass wir mehr Bio im Warenkorb haben? Schön, aber der Preisvergleich bezieht sich eben nicht auf Bio-Limonaden. In der Tat hat ein einstiger Hofer-Chef Armin Burger schon vor mittlerweile langer Zeit darüber geschmunzelt, dass die Spannen in Österreich klar besser sind als in Deutschland. Als Grund für den schönen Preisunterschied heute könnte man sich an Salzburgs Landeshauptmann anlehnen: In Österreich ist es halt deshalb so teuer, weil es so schön ist! Was für Salzburg gelten mag, gilt allerdings nicht zwingend für Wien-Simmering.

Mächtige Conclusio: Natürlich sind die Preise in Österreich so hoch wie sie nur sein können. Alles andere wäre unsinnig in dem Sinn, dass es dem Sinn des Handelns widerspricht. Händler gibt es, damit sie Geld verdienen. Das ist das Credo der Händler – und es ist nicht verwerflich.

Und das zweite Credo der Händler bzw. des Kaufmanns ist das Jammern. Das machen die Branchenvertreter in Anbetracht der explodierenden Energiekosten aktuell vorzüglich eloquent.
Das einzige, was mir nicht zusammengeht: Warum kann eine Nah&Frisch-Kauffrau, die ihr Geschäft aufgeben muss, in der ORF-Sendung „Am Schauplatz” von zwanzig Prozent Aufschlag reden, wenn doch die kolportierte Spanne des Handels nur zwischen ein und zwei Prozent liegt?

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