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daniela prugger 09.09.2016

Wie prekär läuft’s für die Modehändler stationär?

Deutsche Innenstädte leeren sich immer häufiger; doch für Wien zeichnet die WKO ein anderes Bild.

Von Daniela Prugger

 

Über steigende Geschäftsschließungen in deutschen Innenstädten liest man in letzter Zeit ja öfters. Leerstandsquoten von 40% seien keine Ausnahme; Prognosen, wonach bis 2020 rund 50.000 Geschäften das Aus droht, sind laut Gerrit Heinemann, Handelsexperten von der Hochschule Niederrhein, nicht übertrieben. Und in Wien? In Wien gestalte sich die Entwicklung der inneren Stadt anders; das erklärt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel der Wirtschaftskammer Wien gegenüber medianet. „Für Wien seh ich das Ganze nicht so pessimistisch. Die Kleinen haben die Chance, Nischen zu besetzen. Qualität und Beratung ist der USP der kleineren Händler.”

96% kaufen in Geschäften

Profitiert also, während die Kollegen in Deutschland unter dem wachsenden Onlinehandel und fehlenden Kunden ächzen, der Wiener Modehandel immer noch von der Vorliebe seiner Bewohner und Touristen für Beratung und die Tätigkeit an sich? In einer Untersuchung von MAKAM Research stellte sich heraus, dass 87% der Befragten an Modegeschäften vor allem den Umstand, Dinge anfassen und probieren zu können, schätzen. 76% wollen die Ware schlicht sofort mitnehmen. Und 78% ist die persönliche Beratung wichtig. Und wie halten es die stationären Modehändler mit dem Onlinehandel? Laut dem Wiener Landesgremium spielt das Internet beim Modekauf noch eine untergeordnete Rolle. Aber: Das Wachstum in diesem Bereich sei extrem hoch, betonte Trefelik, er ist aber überzeugt, dass „diese große Angst vor Online übertrieben ist”. Die MAKAM-Studie (es waren Mehrfach-Angaben möglich) zeigt, dass rund 96% der befragten Wiener Käufer Mode in Geschäften shoppen. 30% der Befragten kaufen Mode (auch) in Geschäften außerhalb Wiens, häufiger Personen mit einem höheren Haushalts-Netto-Einkommen ab 2.500 € pro Monat. Und 35%, häufiger Frauen sowie und unter 50-Jährige, kaufen Mode (auch) online. Dabei verzeichnet der Onlinehandel seit Jahren Zuwächse – in Wien und auch sonst in Österreich.

Die Liebe zum Menschelnden

In Deutschland bereitet gerade dieser Umstand Kopfschmerzen: „Das eigentliche Drama wird sich in den Klein-und Mittelstädten abspielen”, befürchtet Heinemann. Heute entfallen auf sie noch knapp 50% der Einzelhandelsumsätze. Doch wenn nichts geschehe, werde der Erfolg des Onlinehandels hier zu existenzbedrohenden Umsatzrückgängen führen: Leerstandsquoten von 40% seien bereits heute keine Ausnahme mehr. Vergleichen lasse sich die Situation in Deutschland mit jener in Österreich nur bedingt, so Trefelik. „Die Wiener sind nicht eins zu eins mit den Deutschen vergleichbar, und Wien hat sicherlich noch ein ganz anderes Rahmenumfeld als andere österreichische Städte. Wir haben hier lebendige Einkaufsstraßen. Und ich glaube, dass die Wiener auch gern dieses Menschelnde haben.” Ganze 817 € geben die befragten Konsumenten im Durchschnitt pro Jahr für Mode aus, den Großteil davon in stationären Geschäften. Frauen geben mit rund 868 € pro Jahr mehr aus als Männer mit rund 763 €.

„Echtshopper” für Wien

An diese Stammkunden des stationären Handels richtet sich auch die neue Echtshopper-Kampagne: Während der Aktion verpacken die teilnehmenden Händler etwa die gekauften Waren in eigens gebrandete Tragtaschen. Promotoren sind mit überdimensionalen Einkaufssackerln unterwegs; Ziel ist, auf die Vorteile des Einkaufens in Wiener Modegeschäften hinzuweisen, erklärte Herbert Gänsdorfer, Obmann des Landes­gremiums Wien des Einzelhandels mit Mode und Freizeitartikeln, bei der Präsentation der Aktion.

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