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ÖAMTC kritisiert Verbrenner-Verbot © panthermedia gbp

Ab 2035 sollen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden dürfen, die keine Treibhausgase ausstoßen.

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Ab 2035 sollen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden dürfen, die keine Treibhausgase ausstoßen.

Jürgen Zacharias 04.11.2022

ÖAMTC kritisiert Verbrenner-Verbot

Die EU-Einigung auf emissionsfreie Neuwagen ab 2035 stößt auf herbe Kritik beim ÖAMTC. Der Autofahrerclub erwartet eine Revidierung der Entscheidung im Jahr 2026.

WIEN. Vor wenigen Tagen haben sich EU-Staaten und Europaparlament geeinigt: Ab 2035 sollen in der EU nur noch Neuwagen verkauft werden, die im Betrieb keine Treibhausgase ausstoßen – de facto wurde also ein Verbot für Verbrennungsmotoren beschlossen. „Aus unserer Sicht ist diese Entscheidung nicht zu Ende gedacht“, hält Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung fest. „Daher gehen wir davon aus, dass sie 2026 nach einer neuerlichen Überprüfung revidiert werden muss. Denn bis dahin wird offensichtlich sein, dass das alleinige Setzen auf die E-Mobilität nicht ausreichen wird, um die Klimaziele zu erreichen.“

Der Hintergrund für die Bedenken des Clubs: In Österreich werden laut Untersuchungen des Verkehrsministeriums rund 70 Prozent der Personenkilometer durch den motorisierten Individualverkehr erbracht. 20 Prozent entfallen auf öffentliche Verkehrsmittel, der Rest auf aktive Mobilität (zu Fuß, Rad). Sollen die Klimaziele 2030 nur mit E-Mobilität erreicht werden, müssten bis dahin allein in Österreich an die 2,5 Millionen Elektroautos zugelassen sein – das würde sich nicht einmal ausgehen, wenn ab sofort alle Neuzulassungen in Österreich E-Autos wären. Wenn diese Zahl nicht erreicht wird, bleibt der Politik zur Erreichung der Klimaziele aus der Sicht des ÖAMTC nichts anderes übrig, als Autos mit Verbrennungsmotor so weit zu verteuern, dass realistischerweise bis zu ein Drittel den Pkw stehen lassen muss. „Es ist aber auch illusorisch anzunehmen, dass der öffentliche Verkehr für all diese Menschen Ersatz bieten kann. Dazu wäre eine Verdoppelung der Öffi-Kapazitäten notwendig – das ist bis 2030 schlicht nicht zu schaffen“, stellt Wiesinger klar.

Wird der Verbrennungsmotor ab 2035 tatsächlich verboten, können die Klimaziele nur erreicht werden, wenn die Mobilität eingeschränkt wird, so der ÖAMTC-Experte. „Das betrifft vor allem Menschen, die sich kein E-Auto leisten können und die keine Aussicht auf ausreichende Öffi-Angebote haben. Nur wenn wir über nachhaltige Kraftstoffe auch in der Bestandsflotte mit sofortiger Wirkung effektiv CO2 einsparen, haben wir eine Chance, die Klimaziele einzuhalten und auch die Mobilität der Menschen zu vertretbaren Kosten zu erhalten.“ (jz)

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