Was verdienst du?
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Kommunikationsberater Michel Reimon: Richtlinie ist „kein reines Gleichstellungsgesetz, sondern ein Signal“.
CAREER NETWORK Redaktion 23.01.2026

Was verdienst du?

Heuer kommt die EU-Lohntransparenz – Österreichs Unternehmen unter massivem Kommunikationsdruck.

••• Von Alexander Haide

BRÜSSEL. Ab Juni 2026 werden Beschäftigte in ganz Europa wissen können, ob sie im direkten Vergleich mit ihren Kollegen fair bezahlt werden. Was ein Fortschritt für Gleichstellungsbemühungen ist, wird für viele Unternehmen zur kommunikativen Bewährungsprobe: Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie zwingt Arbeitgeber dazu, Gehaltsunterschiede zu erklären, zuerst der eigenen Belegschaft und im Problemfall öffentlich.

Während die Richtlinie europaweit einen gut vorbereiteten Schritt in Richtung Fairness und Gleichstellung darstellt, wird Österreich zum Sonderfall. Heimische Vorschriften werden erst wenige Wochen oder Tage vor Inkrafttreten im Juni erwartet. Für Unternehmen entsteht dadurch ein Zeit- und Handlungsdruck.

Internes Auskunftsrecht
Die neue EU-Richtlinie verpflichtet Unternehmen zu weitreichender Transparenz. Gehaltsstrukturen müssen offengelegt, Lohnunterschiede sichtbar gemacht und ein umfassendes Auskunftsrecht für alle Beschäftigten eingeführt werden. Michel Reimon, ehemaliger EU-Abgeordneter und Kommunikationsberater, plädiert für eine aktive Vorgangsweise: „Die Entgelttransparenzrichtlinie ist kein reines Gleichstellungsgesetz, sondern ein Signal“, ist er überzeugt. „Sie zwingt Unternehmen auch ihre Haltung zu Fairness und Wertschätzung offenzulegen. Man kann sich dagegen wehren oder das leben und vorangehen.“

Gender Pay Gap beträchtlich
Obwohl in den vergangenen Jahren Verbesserungen umgesetzt und dadurch die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede verringert werden konnten, zählt Österreich nach wie vor zu den EU-Ländern mit dem größten Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern, er lag laut Eurostat im Jahr 2023 bei 18,3%, und damit über dem EU-Schnitt von zwölf Prozent.
Reimon empfiehlt, dass der politische Prozess ab sofort genau verfolgt werden sollte, um nicht von späten gesetzlichen Vorgaben überrascht zu werden. Und es sei dringend notwendig, die Offenlegung und begleitende Kommunikation schon vorzubereiten, „um Orientierung zu geben und einen Riss durch die Belegschaft zu verhindern“.

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