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Auch am Gipfel kann man sich nicht ausruhen © Österreich Werbung/Weinhäupl
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sabine bretschneider 07.04.2017

Auch am Gipfel kann man sich nicht ausruhen

Strenge Auflagen, hohe Steuern, neue Kassen … Die Branche bleibt trotz Rekordzahlen anspruchsvoll.

••• Von Sabine Bretschneider

Das Tourismusressort ist in einer auf Wirtschaftsberichterstattung spezialisierten Zeitung ein erfreuliches, hält doch dieser Sektor auch in schwierigen Zeiten oft Erfreuliches bereit. Zwar trübten die Diskussionen rund um letztlich offiziell nicht anerkannte Mangelberufe wie Koch und Kellner zeitweise die Stimmung – wie auch hohe Steuern, strenge Auflagen, Registrierkassen und sonstige Unbill den Touristikern das Leben schwer machen. Aber letztlich stimmen die Zahlen, jene aus den Nächtigungsstatistiken jedenfalls. Und auch wenn viele Betriebe investitionsbedingt Schulden schultern, so geben doch auch die Hoteliers eher optimistische Prognosen ab.

Die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, Michaela Reitterer, plädierte dafür, die Steuerlast der Betriebe zu reduzieren. Die Hoteliers würden durch Umsatzsteuer­erhöhung, Auflösungsabgabe und Streichung der Energieabgabenvergütung belastet. Die Mehrwertsteuer auf Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben wurde 2016 von zehn auf 13% angehoben – und die Lohnnebenkostensenkung sei „so konstruiert, dass Hotels davon nicht profitieren”.
Zu den Zahlen im heimischen Fremdenverkehr: Österreichs Beherbergungsbetriebe haben im Vorjahr 140,85 Mio. Nächtigungen gezählt; das waren um 5,65 Mio. bzw. 4,2% mehr als 2015. Die Übernachtungen von Gästen aus dem Inland legten um 4,4% auf 38,01 Mio. zu, jene von ausländischen um 4,1% auf 102,84 Mio.

40 Mio.-Marke übertroffen

Mit 41,45 Mio. Touristen wurde 2016 erstmals die 40 Mio.-Marke übertroffen – ein Plus von 5,2% gegenüber dem Jahr davor. Die Zahl der inländischen Gäste stieg um 5,1% auf 13,34 Mio., jene der ausländischen Urlauber um 5,2% auf 28,11 Mio.

Die Nächtigungszahlen von deutschen Gästen erhöhten sich, Zuwächse gab es auch bei Übernachtungen von Gästen aus den Niederlanden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Noch einmal deutlich eingebrochen sind im Vorjahr hingegen die Nächtigungszahlen von Gästen aus Russland.
In allen Bundesländern gab es in Summe mehr Übernachtungen als im Jahr davor. Die mit Abstand meisten Gästenächtigungen wies Tirol mit 46,9 Mio. auf, ein Plus von 3,4% vs. 2015. Das Schlusslicht bildet das Burgenland mit 3,1 Mio. Übernachtungen. Allerdings ist das Burgenland mit einem Plus von 5,9% gleichzeitig der Wachstumssieger unter den Bundesländern.
Der Trend zu höherwertigen Unterkünften schwächte sich 2016 ab. Die stärksten Zuwächse gab es bei gewerblichen Ferienwohnungen, wo die Übernachtungen um 9,4% stiegen. In 4- und 5-Sterne-Hotels gab es ein Plus von 3,5%, Privatquartiere stagnierten mit einem Minus von 0,1%.

Wintersaison enttäuscht

Auch die ersten Zahlen aus 2017 liegen inzwischen auf, sie dämpfen den Aufwärtstrend etwas: In der laufenden Saison 2016/17 sank die Zahl der Übernachtungen in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen gegenüber dem Jahr davor um ein Prozent auf 29 Mio.; die Urlauberzahl erholte sich zwar leicht um 0,4% auf 8,6 Mio., doch die Aufenthalte verkürzten sich, geht aus vorläufigen Daten der Statistik Austria hervor.

Insgesamt ging die Zahl der Nächtigungen durch Touristen aus dem Ausland in der ersten Halbzeit der laufenden Wintersaison (November bis April) um ein Prozent auf 21,9 Mio. zurück – und auch die Gäste aus dem Inland gönnten sich weniger Winterurlaub: Die Übernachtungen verringerten sich hier fast ebenso deutlich um 0,9% auf 7,1 Mio. „Kein Krankjammern, aber auch kein Jubel über Zwischenzeiten”, bilanzierte Reitterer. Die Feiertage seien ungünstig gefallen, und der Schnee sei sehr spät gekommen.
Neben einer geringeren Steuerlast plädiert Reitterer für eine verstärkte Offensive in Richtung Ganzjahrestourismus – Schließzeiten im Tourismus sollten durch innovative Angebote überbrückt werden, die auch gut vermarktet gehörten. „Wir können die Rückgänge im Winter nicht rückgängig machen, aber wir sollten alles daran setzen, sie aufzuholen und uns für die nächsten Jahre so gut aufzustellen – mit einem breiteren Angebot und einer offensiveren Bewerbung, dass wir das besser abfangen können”, betonte die Branchensprecherin. (APA/red)

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