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Austrian Airlines: Blick zurück bis 1958 © Daniel Egger für Austrian Airlines
© Daniel Egger für Austrian Airlines

sabine bretschneider 01.06.2018

Austrian Airlines: Blick zurück bis 1958

Eine Airline feiert sechs bewegte Jahrzehnte: Vom Erstflug nach London bis zum Rekordergebnis im Vorjahr.

••• Von Sabine Bretschneider

WIEN. Die Traditionsfluglinie Austrian Airlines feiert heuer ihren 60. Geburtstag. Am 31. März 1958 war es, als erstmals eine Maschine der AUA für einen kommerziellen Flug abhob. Die viermotorige Vickers Viscount mit der Registrierung OE-LAD flog nach London. Für die geladenen Gäste in Wien und London gab es dementsprechend rund um diesen „Jungfernflug” ein großes Rahmenprogramm: Cocktailempfänge, Abendessen und Stadtrundfahrten – und einen Besuch in der Wiener Staatsoper; gespielt wurde Mozarts „Don Giovanni”.

Der Erstflug wurde zum Erfolg. Ein Zeitungsbericht lobte das „wienerische Lächeln” und die „herzliche Gastfreundschaft” an Bord. Die Flieger seien britisch, doch die Atmosphäre österreichisch, schreibt die Zeitung Neues Österreich am 6. Juli 1958. Im Jahr 1958 hatte Austrian Airlines vier gecharterte Vickers Viscount und sechs Destinationen im Programm. 60 Jahre später hat Austrian Airlines eine Flotte von 82 Flugzeugen und bietet ein weltweites Streckennetz von rund 130 Destinationen.
Neben London finden in jenem Jahr noch weitere Erstflüge statt: Am 5. Mai fliegen Austrian Airlines erstmals nach Frankfurt, am 10. Mai nach Zürich. Am 27. Mai ist es Paris, am 28. Juni folgt Rom sowie am 17. Oktober Warschau.

„Spielball der Politik”

Offiziell gegründet wurde die „Austrian Airlines Österreichische Luftverkehrs Aktiengesellschaft” übrigens schon am 30. September 1957, im Großen Sitzungssaal der Creditanstalt in der Wiener Schottengasse. Dies und mehr kann man in dem Buch „Ein Lächeln fliegt um die Welt. Eine Zeitreise durch die Geschichte von Austrian Airlines” nachlesen, das – in der zweiten aktualisierten Auflage erhältlich – vor allem den politischen Einfluss rund um ihre Gründung beleuchtet. Interessantes Detail: Die Republik Österreich erlangte bereits mit dem Staatsvertrag 1955 ihre Lufthoheit wieder zurück. Weshalb es zwei Jahre gebraucht hat, um dann eine Fluglinie zu gründen, erklärt Buchautor Peter Baumgartner so: „Die Austrian Airlines waren von ihrer Gründung bis zur Privatisierung 50 Jahre lang oftmals ein Spielball der Politik.” Erst mit dem Luftverkehrsabkommen zwischen ÖVP und SPÖ sei 1957 die politische Voraussetzung für die Gründung geschaffe worden.

Finanzielle Probleme sorgten zudem von Beginn an für wirtschaftliche Turbulenzen, da es der AUA schnell an Kapital fehlte. Nach Kosten- und Personalreduktionen gelang es überhaupt erst 1971, einen Bilanzgewinn auszuweisen. Die Fluglinie sei, so der scheidende Austrian Airlines-CEO Kai Kratky bei der Buchpräsentation, ein „kleines österreichisches Wirtschaftswunder”. Auch während der Restrukturierung nach der Privatisierung, als der „sprichwörtliche Kuckuck nicht erst an die Tür klopfte, sondern bereits in der Firmenzentrale herumflog”, sei es bereits „eine Sekunde vor Zwölf” gewesen.

Kooperationen und Verkauf

Die Neunzigerjahre waren für die AUA das Jahrzehnt der Kooperationen: Es erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit Swissair und der Luftfahrtallianz Qualiflyer Group sowie der Zusammenschluss mit Tyrolean, Rheintalflug und Lauda Air. Der Wechsel zur Star Alliance nach der Jahrtausendwende brachte eine Vielzahl an Synergien im Vertrieb. Diese wurden jedoch durch Terror, SARS sowie die Vogelgrippe und erneuten finanziellen Problemen überschattet. Vor zehn Jahren, nach der Finanzkrise 2008, wurde die Fluglinie privatisiert, und Lufthansa erhielt letztendlich den Zuschlag für den Kauf.

Was folgte, war eine harte Sanierung; die Veränderungen begannen sich nach und nach in den Unternehmenszahlen widerzuspiegeln – und 2013 präsentierte die Airline erstmals seit 2007 wieder ein positives operatives Ergebnis. Parallel zum Um- und Ausbau der Flotte fand eine Ausweitung des Streckennetzes mit neuen Destinationen wie Chicago, Shanghai oder Los Angeles statt.

Rekorde im Jahr 2017

2017 verbuchte die AUA mehrere Rekorde – sowohl bei den Passagierzahlen, die um 13% auf mehr als 12,9 Mio. zulegten, als auch bei den Bilanzergebnissen. Der operative Gewinn war um 55% auf 101 Mio. € gestiegen; für 2018 erwartet die AUA einen geringeren Gewinn als im Vorjahr.

Zum 60er hat die Airline ein zusätzliches Langstreckenflugzeug erhalten. Die Boeing 777 wurde im Rahmen der Feierlichkeiten von Bundeskanzler Sebastian Kurz eingeweiht und erhielt anlässlich des Jubiläums auch eine Sonderbeklebung (s. Bild l.).
Lufthansa-Chef Carsten ­Spohr gab der Tochter auch an deren 60. Geburtstag keine Bestandsgarantie für die Größe der Langstreckenflotte: „Wir entscheiden dann über die Zukunft der Langstreckenflotte der AUA, wenn wir uns sicher sind, dass sich die AUA eine solche Investition leisten kann.” Ab Sommer 2018 ist mit Alexis von Hoensbroech ein neuer AUA-CEO an Bord.

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