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Chinesische Drachen am Neusiedler See © Jerzy Bin
© Jerzy Bin

Redaktion 31.05.2019

Chinesische Drachen am Neusiedler See

Der Intendant der Seefestspiele Mörbisch, Peter Edelmann, will das Publikum immer wieder aufs Neue überraschen.

••• Von Sabine Bretschneider

Mit einem Umsatz von über einer Mrd. € ist der Tourismus zu einem der wichtigsten Wirtschaftsbereiche im Burgenland geworden. Dazu tragen auch die Kulturevents maßgeblich bei.

Die Seefestspiele in Mörbisch am See zählten allein in der Saison 2017 112.300 Operettenfreunde. Seit September 2017 leitet Peter Edelmann als künstlerischer Direktor die Seefestspiele Mörbisch. Die Bilanz „seiner” ersten Festspiele 2018 ist beachtlich: Der Kartenverkauf stieg gleich einmal um zehn Prozent – und eine ordentliche Auslastung ist das A und O für Mörbisch, bekommen doch die Seefestspiele seit zehn Jahren keine Förderung seitens des Bundes mehr. „Obwohl die gesamte Region davon profitiert”, wie Edelmann betont.
Peter Edelmann, der im Vorjahr seinen Einstand als Intendant mit „Gräfin Mariza” gefeiert hat, sieht seine Berufung zum künstlerischen Direktor tatsächlich als „Berufung”: Seit er am künstlerischen Ruder ist, versucht er die finanzielle Absicherung der Traditionsveranstaltung am Neusiedler See auf stabilere Beine zu stellen; eine Operettenakademie für die Ausbildung von Jungtalenten wurde gegründet – und es gibt spezielle Aufführungen für Kinder, die Operettenfans der Zukunft.

„Operette der ersten Garde”

Neue Sponsoren sind ebenfalls schon an Bord – und auch bei den Zuständigen im Bund hat Edelmann schon angeklopft. „Es sieht gut aus”, meint er optimistisch. Warum man so lange vernachlässigt wurde? „Es hat niemand gefragt”, meint er trocken.

„Ich habe vor, die Operette der ersten Garde zu spielen”, hatte Edelmann zum Auftakt die Planung für seine Intendanz umrissen. Dem bleibt er treu; heuer soll die Seebühne wieder alle Stückln spielen.

Technische Raffinessen

Der Operettenklassiker „Das Land des Lächelns” von Franz Lehár steht – von 11. Juli bis 24. August – auf dem Spielplan in Edelmanns zweiter Saison als Direktor: „‚Das Land des Lächelns' ist die vielleicht emotionalste aller Operetten”, so Edelmann. Er wolle jedenfalls „das Publikum in jeder Hinsicht überraschen und unterhalten: Sei es mit großen Dimensionen und technischen Raffinessen in Bezug auf das Bühnenbild, mit traumhaften Kostümen, Musik auf höchstem Niveau oder mit einer hervorragenden Besetzung.”

Allzu viel soll noch nicht verraten werden, aber der Wiener Prater, Akrobaten und ein riesengroßer chinesischer Drache werden eine Rolle spielen und nicht nur für musikalischen Genuss sorgen, sondern auch ein optisches Spektakel garantieren – immer mit unverstelltem Blick auf die großartige Naturkulisse: „Der See spielt die Hauptrolle”, sagt Edelmann, denn irgendeine Bühne gibt es schließlich auch anderswo. Vergangenes Jahr, bei der „Gräfin Mariza”, beherrschte eine überdimensionale Geige die Bühne.
Auch der frühere Intendant Harald Serafin wird im „Land des Lächelns” auf der Bühne stehen – als „Obereunuch des Kaisers”. Am 3. Juni beginnen die Proben, am 11. Juli ist Premiere und damit die erste von insgesamt 22 Aufführungen 2019. Natürlich sollen auch heuer die Besucherzahlen wieder kräftig steigen.

Internationale Gästeakquise

Während das „Land des ­Lächelns” noch in Vorbereitung ist, müssen schon die beiden nächsten Jahre geplant werden. „Es sind drei Jahre parallel in Vorbereitung”, erzählt Edelmann. Sein Vertrag läuft insgesamt fünf Jahre lang.

Ein besonderes Anliegen ist es ihm, in den angrenzenden Nachbarländern noch mehr Interesse für die Seefestspiele zu wecken. Hier gebe es noch viel Potenzial, ist er überzeugt. Aber nicht nur dort: Auch der Hoffnungsmarkt Asien ist durchaus ein Thema: Mit der „Lustigen Witwe” gab es schon ein Gastspiel der Seefestspiele Mörbisch in Südkorea.
Woran es noch mangelt, ist ein breiter angelegtes Marketing. Mit mehr Budget ginge es wohl schneller, weiß Edelmann, aber man müsse sich eben nach der Decke strecken. Die Seefestspiele erst einmal verstärkt in den vergleichsweise günstigen Social Media zu promoten, sei die am schnellsten zu verwirklichende Erstmaßnahme gewesen, die auch schon gut greife.

„West Side Story” 2020

Im kommenden Jahr wechseln die Seefestspiele Mörbisch von Ost nach West, sprich von China in die USA: 2020 wird Leonard Bernsteins großer Musicalklassiker „West Side Story” auf der gigantischen Bühne im Neusiedlersee inszeniert, Intendant Peter Edelmann hat schon einige Ideen. Aber jetzt soll einmal der Drache fertig werden, der dafür sorgen wird, dass im Burgenland eine Zeit lang eine ganz neue Landmark zu bestaunen ist …

www.seefestspiele-moerbisch.at

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