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Die rekordverwöhnte Branche im Rückblick © APA/Robert Jäger
© APA/Robert Jäger

Redaktion 05.04.2019

Die rekordverwöhnte Branche im Rückblick

Die aktuelle Konjunkturdelle trübt die Stimmung nur kurzfristig. Der Tourismus bleibt ein Wirtschaftsmotor.

Enorme Schneemengen und unterdurchschnittliche Temperaturen in den Nordalpen dämpften im Jänner 2019 das in der Wintervorsaison bisher kräftige Wachstum der Tourismusnachfrage. Dennoch fällt die Bilanz zur Halbzeit der Wintersaison 2018/19 deutlich positiv aus (Gästeankünfte +3,1%, Übernachtungen +2,9%). In den ersten drei Monaten der Wintersaison 2018/19 erreichten die Gesamteinnahmen im österreichischen Tourismus nominell 6,63 Mrd. € (Wifo-Schätzung). Damit wurde der bisherige Höchstwert der Vergleichsperiode 2017/18 um 3,0% übertroffen (real +1,0%).

Wien mit deutlichem Plus

Regional entwickelten sich die Tourismusumsätze im Analysezeitraum vor allem in der Städtedestination Wien sehr dynamisch (nominell +17,9%), aber auch in Ober- und Niederösterreich (+6,0% bzw. +5,0%) sowie Kärnten (+5,8%) wuchsen die Einnahmen kräftiger als im Österreich-Durchschnitt.

Die anderen Bundesländer verzeichneten zu laufenden Preisen entweder eine nur geringe Steigerung (Salzburg +1,1%, Tirol +0,5%) oder sogar Einbußen (–0,1% bis –1,4%); in realer Rechnung bedeutet dies Einnahmenverluste gegenüber November 2017 bis Jänner 2018 von rund 1% bis 4%.
Auf Basis erster Hochrechnungsdaten erhöhte sich die Zahl der Ankünfte in der ersten Winterhälfte 2018/19 um 3,1% und jene der Übernachtungen um 2,9%. Die Aufenthaltsdauer blieb mit 3,4 Nächtigungen pro Gast praktisch unverändert, nachdem sie in der Vergleichsperiode 2017/18 erstmals seit 2012/13 wieder gestiegen war; damals war die Verweildauer bei durchschnittlich 3,7 Übernachtungen gelegen.

Einbußen wegen Schneefalls

Von November 2018 bis Jänner 2019 wurden in österreichischen Beherbergungsbetrieben 31,74 Mio. Nächtigungen registriert. Mit 76,4% entfielen mehr als drei Viertel auf internationale Gäste, deren Nachfrage sich zudem wesentlich dynamischer entwickelte als jene aus dem Inland (+3,8% gegenüber +0,4%).

Nachdem die Zahl der Nächtigungen im November und Dezember 2018 insgesamt noch kräftig gestiegen war (+7,9% bzw. +8,0%), brach die Nachfrage im Jänner um 2,1% ein. Ursache dieser Entwicklung dürften der ergiebige Schneefall in einigen Regionen und die daraus resultierenden Maßnahmen (Sperre von Pisten und Straßenverbindungen sowie ganzer Skigebiete, Lawinenwarnungen) gewesen sein. Die vor allem in den Bundesländern mit Wintersportregionen empfindlichen Einbußen dürften dabei vor allem auf das Ausbleiben von Tagesreisenden zurückzuführen sein, während die Übernachtungsgäste zum Teil sogar länger als geplant vor Ort bleiben mussten.

Herkunftsländer

Von 24,26 Mio. Übernachtungen aus dem Ausland entfielen in der ersten Winterhälfte 2018/19 86,7% auf 15 ausgewählte Herkunftsländer, deren Nachfragewachstum mit +3,1% unter der internationalen Gesamtdynamik blieb. Besonders stark expandierte im Analysezeitraum die Nachfrage aus den USA (+17,4%) und Dänemark (+11,3%), aber auch die Quellmärkte Frankreich, Tschechien (jeweils +6,7%), Rumänien (+6,5%), Ungarn (+5,4%) sowie Niederlande und Vereinigtes Königreich (jeweils +3,9%) entwickelten sich stärker als im internationalen Durchschnitt.

Für Österreichs wichtigsten Auslandsmarkt, Deutschland (Marktanteil von knapp 50%), wurde ein Nächtigungszuwachs von 3,0% verzeichnet, gefolgt von Belgien (+2,6%), Italien (+1,5%) und Schweden (+1,2%).

Positive Bilanz für Gesamtjahr

Neuerlich waren in der ersten Hälfte der Wintersaison 2018/19 die gewerblichen Ferienwohnungen am erfolgreichsten (Übernachtungen +9,0%) vor den 2/1-Stern-Betrieben (+3,8%) und den privaten Ferienwohnungen und ‑häusern (+3,6%). In der gehobenen Hotellerie (5/4-Stern-Betriebe +2,7%, 3-Stern-Betriebe +2,1%) entwickelte sich die Nächtigungsnachfrage schwächer als im Durchschnitt aller Unterkünfte.

Nach ersten und noch vorläufigen Schätzungen des Wifo fällt die Bilanz über das Kalenderjahr 2018 für die österreichische Tourismuswirtschaft positiv aus: Die Umsätze stiegen im Gesamt­reiseverkehr preisbereinigt um 2,2%, wobei diese Dynamik vor allem von der ausländischen Nachfrage ausging (reale Umsätze +2,9%), während die Nachfrage aus dem Inland stagnierte (–0,1%). Gleichzeitig gaben Inländer und Inländerinnen für Urlaube im Ausland deutlich mehr aus als im Jahr 2017 (real +4,5%).

Mehr Geld für Werbung

Die Österreich Werbung (ÖW) erhält für heuer etwas mehr Budget: Das Tourismusministerium stelle 800.000 € zusätzlich bereit, hieß es in einer Aussendung im März; 500.000 € davon für Digitalisierung, 300.000 € für den Radtourismus. Insgesamt werkt die ÖW mit einem Jahresbudget von rund 50 Mio. €.

Mit der größeren Tranche der Sonderfinanzierung (500.000 €) wird unter anderem bei der ÖW ein „FutureLab” namens „Next Level Tourism Austria” (NETA) als Innovationshub für die Branche eingerichtet. Erarbeitet und ausprobiert werden sollen dort etwa Preis- und Buchungsprognosemodelle, Instrumente zur Besucherstromlenkung in Destinationen oder das Testen neuer Technologien auf ihre Anwendungsmöglichkeiten für den heimischen Tourismus.
NETA ist als Netzwerkorganisation an der Schnittstelle zwischen Österreichs traditionellen Tourismusstrukturen und der globalen Travel & Communication-Tech-Szene gedacht. Es gehe dabei nicht um die digitale Basisarbeit oder um Websites, sondern um den Einsatz von komplexeren technologischen Anwendungen und Prozessen – vom einzelnen Betrieb bis zur gesamten Region. Im Blickpunkt stehen dabei nicht nur Hotellerie und Gastronomie, sondern alle KMU entlang der touristischen Wertschöpfungskette.

„You like it …”

Fast ein Drittel der heurigen Zusatzmittel (300.000 €) aus dem Topf des Tourismusministeriums sind für die internationale Werbekampagne „You like it, bike it” reserviert, mit der die ÖW Österreich als Zielland für Radfahrer positionieren möchte – insgesamt haben die Tourismuswerber dafür zwei Mio. € dotiert. (sb)

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