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Erlebnis Venet: dem Himmel ganz nah © Venet Bergbahnen
© Venet Bergbahnen

Redaktion 29.05.2020

Erlebnis Venet: dem Himmel ganz nah

Auf dem Venet bieten Tirols erste Volkssternwarte Himmelsblicke und eine Gipfelhütte jetzt wieder feine Nächtigungsmöglichkeiten.

••• Von Jürgen Zacharias

Acht Tage, drei Länder und 9.500 Höhenmeter – wer auf dem legendären Fernwanderweg „E5” die Alpen überqueren möchte, benötigt einiges an Fitness und Durchhaltevermögen. Von Oberstdorf im idyllischen Allgäu geht es über die Lechtaler Alpen, durchs Inntal bis hinauf auf 3.000 m zum Alpenhauptkamm – und schließlich ins sonnige Südtirol zum Finale nach Meran. Der Lohn der Mühen: Grandiose Alpenpanoramen, zünftige Hüttenmahlzeiten, jede Menge Murmeltiersichtungen und eine erholsame Nächtigung in der Venet-Gipfelhütte etwa zur Hälfte der Wanderstrapazen. Das Gebiet um Westtirols schönsten Aussichtsberg startet zu Pfingsten in die Sommersaison.

Schlicht, aber gemütlich

Die auf 2.208 m Höhe gelegene Hütte ist eigentlich ein Hotel, darf das aber aufgrund von Umweltschutzgründen nicht namentlich sein. Egal, denn was zählt, ist das Angebot, und das kann sich durchaus sehen lassen.

Die geräumigen Zimmer mit ihren großzügigen Glasfronten sind schlicht, aber gemütlich; sie verfügen jeweils über ein eigenes Bad mit Toilette und Fußbodenheizung (!), im Gebäude ist zudem Platz für Veranstaltungen, Seminare und Vorträge, und im nebenan gelegenen Panoramares­taurant kann man Entenbrust, Käsespätzle, Schweinsbraten, Gulaschsuppe und Heilbutt mit Weinbegleitung ebenso wie eine formidable Fernsicht über die umliegenden Täler und Gipfel genießen.

Neupositionierung des Venet

Das gute Angebot überrascht umso mehr, wenn man auf die Geschichte des Hotels bzw. der Hütte zurückblickt. Diese wurde im Jahr 2012 nämlich im Rekordtempo von nur wenigen Monaten geplant, gebaut und eröffnet, wie Venet Bergbahnen-Vorstand Werner Millinger im Gespräch mit medianet erzählt. „Damals war die Stilllegung des gesamten Lift- und Bergbahnenbetriebs am Venet beschlossene Sache”, so der Tiroler. „Es ging nur noch um den Ab- und Rückbau der Anlagen.” Eigentlich, denn einige Unternehmer und Entscheidungsträger aus der Region wollten die Schließung nicht so einfach hinnehmen und arbeiteten fieberhaft an der Fortführung und Wiederaufnahme des Betriebs.

Einen Eckpfeiler der Überlebensstrategie bildete die neue Gipfelhütte, einen anderen die Neupositionierung der Gipfelregion über dem Talkessel von Landeck, Zams und Fließ als Genussberg.

Infrastruktur-Investitionen

„Rein größenbedingt und was die Anzahl und Länge der Wanderwege und Skipisten betrifft, können wir es mit anderen Anbietern in der Region nicht aufnehmen”, sagt Werner Millinger. Punkten könne man bei der Kundschaft, die vornehmlich aus dem Bundesland und dem angrenzenden Süddeutschland kommt, aber trotzdem. „Wir überzeugen mit einem tollen Naturerlebnis, Qualität und einem hohen Genussfaktor.”

Dafür wurde zuletzt einiges getan. Im vergangenen Sommer wurde beispielsweise die 800 m lange und ganzjährig nutzbare Alpenachterbahn „VenetBob” fertiggestellt, die angebotenen Yoga Retreats werden stark nachgefragt, und kürzlich wurde unweit der Gipfelhütte Tirols erste Volkssternwarte eröffnet. Frequentiert werden kann sie nicht nur in der Nacht, sondern auch am Tag. Dafür gibt es ein neues Sonnenteleskop, wie Astronom Norbert Span erklärt, ein Spiegelteleskop mit 16 Zoll Durchmesser sorgt für ein scharfes Bild der Sterne und Planeten.
Venet-Vorstand Millinger erhofft sich von der Anlage ein zusätzliches Angebot für Urlauber in der Region, mittel- bis langfristig aber auch mehr Frequenz für Bergbahn und Gipfelhütte. Der sogenannte Astrotourismus werde laut Norbert Span weltweit jedenfalls zunehmend zu einem relevanten Faktor.
Gefördert wurde die Sternwarte über das Interregprojekt „Terra Raetica unter Sternen”. Projektträger ist der Tourismusverband Tirol West. Künftig soll es von Sternenguides geleitete Führungen am Nachthimmel über dem Venet geben.
In den kommenden Jahren soll das Genussangebot am Venet weiter ausgebaut werden. Groß in die Karten blicken lassen will sich Bergbahnen-Chef Millinger bei seinen Plänen allerdings nicht; schon recht konkret scheinen allerdings die Überlegungen für einen Bike Trail zu sein, ein Thema ist offensichtlich auch die Schaffung eines Wellness-Angebots für die Gipfelhütte.

Weiterer Ausbau geplant

„Wir wollen nicht zu viel verraten und bevor wir etwas ankündigen unsere Hausaufgaben erledigen, die Pläne konkretisieren, mit allen Beteiligten abstimmen und die Finanzierung klären”, so Millinger. Unabhängig von den Zukunftsplänen sieht er den Venet in einer einzigartigen Situation: „Im Unterschied zu anderen Regionen können wir hier von der Bergbahn über die Gipfelhütte bis hin zum Observatorium und allem anderen alles aus einer Hand anbieten. Das gibt uns bei der Gestaltung von Angeboten eine hohe Flexibilität, die wir in Zukunft noch stärker ausspielen wollen.”

Davon sollen Wintersportler ebenso profitieren wie Astro-Touristen und „E5-Wanderer”, die von Zams aus in Richtung Meran hier hochkommen, sich auf der Gipfelhütte ein wenig erholen wollen und die abends nun auch dem Sternenhimmel ganz nah kommen können.

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