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„Machenschaften” © AFP/Carl Court

Preiskrieg Einem Londoner Hotelier wurde erklärt, er müsse seinen „Price Quality Score” verbessern, um wieder über das reguläre Portal vertrieben zu werden.

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Preiskrieg Einem Londoner Hotelier wurde erklärt, er müsse seinen „Price Quality Score” verbessern, um wieder über das reguläre Portal vertrieben zu werden.

Redaktion 15.02.2019

„Machenschaften”

„Verlierer sind die Gäste”: Die Hotellerie warnt vor illegalen Praktiken der Buchungsplattformen.

WIEN. Die Hoteliervereinigung (ÖHV) warnt in einer Aussendung vor den „Machenschaften” von Plattformen wie Booking.com: „Hotelnächtigungen haben ihren Marktwert. Werden sie über teure Portale gebucht, entstehen zusätzliche Kosten”, verweist ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer auf teils hohe Kommissionen, die Booking.com den Hotels verrechnet. Will die Plattform den Kunden dennoch Bestpreise anbieten, verkauft sie Gästen unter dem Label „Booking.Basic” Kontingente für Reiseveranstalter – zu Konditionen für Reiseveranstalter.

Gratzer: „Das wälzt das komplette Risiko auf den Gast über. Ist das Zimmer gebucht, gibt es kein Zurück mehr – egal, was passiert.”

Strenge Gesetze in Österreich

Das System laufe darauf hinaus, dass Hoteliers auf anderen Plattformen nicht günstiger anbieten sollen als auf Booking.com. So sei einem Londoner Hotelier erklärt worden, er müsse seinen „Price Quality Score” verbessern, um wieder über das reguläre Portal vertrieben zu werden anstatt über Booking.Basic. Der Score zeigt, ob Hotels Zimmer anderswo günstiger anbieten als auf Booking.com.

„In Österreich widerspräche das dem Gesetz”, hält Gratzer fest. Dank intensivem Lobbying der ÖHV könnten Hotels heute ihren Gästen auf günstigeren Plattformen Zimmer günstiger anbieten: „Das führt zu mehr Wettbewerb, wir begrüßen das”, bestätigt Gratzer.

„Wettbewerb verhindern”

Die niedrigsten Preise und gleichzeitig hohe Kommissionen einzufordern, sei in Österreich verboten. In Deutschland geschieht laut Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) genau das: Online-Plattformen reihen Hotels in Rankings zurück, wenn sie ihre Zimmer anderswo günstiger anbieten (siehe Infobox). Gratzer: „Das soll Wettbewerb verhindern, zum Nachteil der Gäste. In Österreich ist das dank ÖHV nicht möglich.”

Problem für den Standort

Das sei nicht nur für die Hotels und ihre Mitarbeiter wichtig, sondern für den gesamten Standort: Laut ZEW sind Vergleichsportale der Hotellerie sowohl nach der Anzahl an Visits und Vermittlungen als auch nach der Höhe der Umsätze von allen untersuchten Branchen mit Abstand die bedeutendsten in Deutschland.

„In Österreich ist der Tourismus noch bedeutender als im Industrieland Deutschland, da sind gute Gesetze noch wichtiger”, setzt Gratzer darauf, dass Tourismusministerin Elisabeth Köstinger der zukünftigen Entwicklung im Online-Vertrieb bei der Erstellung der neuen Tourismus-Strategie entsprechend Platz einräumt. (red)

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