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So schützen Sie Ihr Business  vor Betrügern!
Redaktion 21.09.2018

So schützen Sie Ihr Business vor Betrügern!

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Die Fälle von Identitätsdiebstahl und vorsätzlichen Betrug im Online Handel steigen. Betroffen sind nahezu alle Branchen, besonders aber e-Commerce und Telekommunikations­unternehmen, Leasing- und Kreditinstitute. Allerdings, so vielfältig die Betrügereien, so vielfältig sind die Maßnahmen, die ein Unternehmen setzen kann.

Laut einer CRIF-Umfrage im DACH-Raum wird als Betrugsprävention am meisten auf die „Manuelle Prüfung” vertraut. Bei CRIF hat man drei Betrugsmuster isoliert: den Geist, den VIP und den Kreativen (siehe Seite 3). „Aufgrund unseres Datenuniversums erkennen wir erfundene Identitäten und abweichende Lieferadressen. Bei diesen abweichenden Lieferadressen können wir zudem anzeigen, ob sie belastet sind. Zusätzlich können wir kritische Adressen hervorheben.”, erklärt Gerald Sebastian Eder, Business Development Manager bei CRIF. Anschriften von Männerwohnheimen seien leider immer wieder Treffer, weiß man bei CRIF. Hier zeigt sich eine Schwachstelle der manuellen Antrags- oder Bestellüberprüfung: Einem Wiener Onlinehändler würde der „Generaldirektor XY in der Meldemannstraße” wahrscheinlich auffallen. „Dieses Wissen hat aber ein Händler in, zum Beispiel, Hamburg nicht. Im reinen Distanz- oder Online­handel weiß er das nur über eine Auskunftei”, gibt Boris Recsey, Geschäftsführer bei CRIF, zu bedenken und kommt auf eine „Spezialität” des DACH-Raums im eCommerce zu sprechen, die Lieferung auf offene Rechnung: „In Tschechien, Polen oder der Slowakei ist das nicht so üblich, dass der Konsument oder Verbraucher die Möglichkeit hat, die Ware erst nach der Lieferung zu bezahlen. Ich denke, das ist ein großer Service der kreditgebenden Wirtschaft, diese Zahlungsmethode anzubieten. Aufgrund der Erfahrungen, die wir gemeinsam mit unseren Kunden im DACH-Raum machen, können wir auch Händler in anderen Ländern beim ­Ausrollen neuer Geschäfts­modelle beraten. Es ist erwiesener­maßen ein großer Wettbewerbsvorteil für Unternehmen, wenn sie auf offene Rechnung anbieten können, da die Conversion Rate steigt. ”

Möglichkeiten der Prävention

Was also tun? „Im Shop, am Point-of-Sale, ist die Hemmschwelle im Vergleich zum Internet für einen Betrüger schon noch zu hoch”, erläutert Mohamed Ibrahim, Head of Costumer Finance bei T-Mobile Austria; die Angst, mit gefälschten Dokumenten im Shop „aufzufliegen”, sei einfach zu groß.

„Am einfachsten und derzeit effizientesten ist für uns, das via Upload hochgeladene Dokument automatisch, in Echtzeit mittels Fraud ­Prevention Kit von CRIF zu überprüfen”, ergänzt Ibrahim. Wer treibt bei T-Mobile am ehesten sein Unwesen? „Der Kreative – mit bestimmten E-Mail-Adressen, Anschriften, oder IP-Adressen – der Kit deckt dies in Echtzeit ab.”
„Bei Online-Vertagsabschlüssen gilt es daher, weitere Barrieren gegen Betrug aufzubauen. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel die Identifikation mittels Video-Call”, betont medianet-Herausgeber Oliver Jonke.
Bei Raiffeisen hat man gute Erfahrungen mit der Legitimierung mittels Video-Identifikation gemacht. „Es ist besser als der Mensch, weil der Mensch einfach nicht alle Ausweismerkmale erkennen kann. Das schafft das System sehr viel einfacher. Der Mensch ist überfordert, wenn er einen ihm unbekannten Ausweis sieht. Der Mensch ist auch überfordert, das Bild im Ausweis mit dem Antragsteller zu vergleichen. Wir verändern uns, werden älter, das kann das System besser abgleichen”, sagt Doris Brandt-Kalla, Fraud Risk Manager bei der Raiffeisen Bank International.
Die Video-Identifikation allein sei auch schon Abschreckung genug, sagt Recsey. Dieses Feedback hat Brandt-Kalla auch schon bekommen: „Kein Betrüger möchte sein Gesicht zeigen, kein Betrüger möchte sein Gesicht gespeichert wissen. Daher ist die Video-Legitimation generell gut zur Betrugsprävention.”

Kunden glücklich machen

„Eine gute Betrugsprävention über eine Auskunftei, wie zum Beispiel CRIF oder auch über andere Wege, verhindert ja nicht nur den Schaden, sondern macht auch unsere Kunden glücklich”, bringt Christoph Nissl, Leiter der Abteilung Betrugsprävention und -management der BAWAG P.S.K., eine weitere Facette in die Diskussion ein. „Wenn ich das gut mache, wenn ich das ‚trennscharf' und zielsicher mache, dann haben meine Kunden bei mir ein gutes Gefühl. Wir schauen bei uns ganz genau, dass wir, wenn wir Betrugsprävention einsetzen, eine gute Balance zwischen erfolgreicher Prävention und geringer Kundeneinschränkung haben.”

Schließlich ginge es auch darum, dass der ehrliche Kunde rasch zu seiner Dienstleistung kommt, erinnert Boris Recsey, oder auch gute Konditionen bekäme.

Zwischen Betrug und Geschäft

Von allen Seiten hat es die Versicherungsbranche mit Betrug zu tun: als Assekuranz, aber auch bei den Schadensfällen – sowohl vom Versicherten als auch vom Vertragspartner und von Dritten. „Wir haben da keine validen Zahlen, aber es gibt Schätzungen, die besagen, dass bis zu 20 Prozent der Schadensfälle zumindest teilweise Betrug beinhalten”, meint Alexander Gorth, Leiter Kfz der ERGO Versicherung; es sei des öfteren der Fall, dass echte Schäden „ausgedehnt” würden, und es würden auch Schadensfälle komplett erfunden, „aber man darf nie vergessen: die Mehrheit der Kunden ist ehrlich”.

Auf der anderen Seite? „Wir arbeiten gerade an einem neuen Gewerbeprodukt, wo solche Bestandteile wie Cyberbetrug auch berücksichtigt werden. Zielgruppe sind kleine und mittlere Unternehmen”, erklärt Gorth.
Wer ist jetzt besser? Mensch? Maschine? Technik? „Die Unterstützung durch die Technik oder bestimmte Dienstleister, die man zukauft, ist sicher da, aber im Endeffekt zählt letztendlich die Man-Power. Am Schluss muss bei uns ein Mensch ‚drüberschauen' und man braucht ja auch die Manpower, um die Maschine zu ‚füttern'”, meint Daniela Jordanich, Senior Fraud Investigator der Erste Group Bank, und beschreibt die Notwendigkeiten ihres Berufsbilds: „Man braucht einen gesunden Menschenverstand. Hilfreich ist es, wie ein Betrüger zu denken, um einen Betrüger zu finden.”
„Wir unterstützen unsere Kunden bei der Automatisierung und Digitalisierung des kompletten Kundenantragsprozesses und liefern dabei Daten zur Identitäts-, Bonitäts- und Fraud Prüfung. Dabei ist es wichtig, wirklich jeden Kauf, unabhängig von Größe und Art des Warenkorbs, zu prüfen, um Betrügern keine Chance zu geben”, so Eder abschließend.

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