FINANCENET
Der reiche Banken-Onkel wohnt in den USA © AFP/Bryan R. Smith
© AFP/Bryan R. Smith

reinhard krémer 03.05.2019

Der reiche Banken-Onkel wohnt in den USA

Die US-Institute spielen beim Gewinn in einer ganz ­anderen Liga als die europäischen Banken.

••• Von Reinhard Krémer

Wenn’s um Geld und Profit geht, sind die USA noch immer das Maß aller Dinge. Das gilt auch für das Bankgeschäft. Hier zeigt sich, dass der Abstand zwischen den größten US-amerikanischen Banken und ihren europäischen Wettbewerbern immer größer wird: Während die zehn nach Bilanzsumme größten US-Institute ihren Nachsteuergewinn im vergangenen Jahr um 88% auf umgerechnet 138 Mrd. € steigern konnten, stieg der Gewinn der zehn größten europäischen Banken nur um 35% auf 52 Mrd. €. Damit lag der Gesamtgewinn auf beiden Seiten des Atlantiks auf dem höchsten Niveau seit der Finanzkrise.

JP Morgan Chase mit Muskeln

Während in den USA immerhin fünf Institute einen Nachsteuergewinn von umgerechnet mehr als zehn Mrd. € vorweisen konnten, gelang dies in Europa nur einem Institut, nämlich der britischen HSBC, die knapp zwölf Mrd. € verdiente. Das gewinnstärkste Institut unter den 20 analysierten Banken war die US-Großbank JPMorgan Chase, die nach Steuern 28 Mrd. € verdiente. Die insgesamt gute Gewinnentwicklung wurde an der Börse allerdings nicht honoriert: Alle 20 analysierten Banken verzeichneten zum Jahresende niedrigere Aktienkurse als zu Jahresbeginn. Insgesamt sank die Marktkapitalisierung der US-Banken um 20%, während der Börsenwert der europäischen Banken um 28% zurückging. Zum Jahresende waren die US-Institute mit einer Billion € mehr als doppelt so viel wert wie die europäischen Banken, die zusammen einen Börsenwert von knapp 470 Mrd. € hatten.

Europa mit höheren Gewinnen

„Die gute Nachricht ist, dass Europas Top-Banken trotz eines schwierigen Umfelds deutlich höhere Gewinne erwirtschaften konnten als im Vorjahr”, kommentiert Armin Schmitt, Leiter des Bereichs Financial Services Advisory und Partner bei EY Österreich, die Ergebnisse. „Nach wie vor spielen die US-Institute beim Gewinn aber in einer anderen Liga.”

Das starke Gewinnwachstum der US-Banken sei allerdings vor dem Hintergrund der Sondereffekte der US-Steuerreform zu sehen, die im Vorjahr die Gewinnentwicklung der US-Banken stark gebremst hatte, 2018 hingegen für deutlich niedrigere Zahlungen an den US-Fiskus sorgte. Aber auch andere Faktoren begünstigen die gute Entwicklung der US-Institute, erklärt Schmitt: „Die US-Wirtschaft boomt, steigende Zinsen bescheren den Banken höhere Zinseinnahmen, und ein reger M&A-Markt sorgt für reges Geschäft im Investmentbanking.” Zwar konnten auch Europas Top-Banken im vergangenen Jahr ihre Eigenkapitalrentabilität, den sogenannten Return on Equity (RoE), erhöhen: von 4,8 auf 6,4%.
Allerdings waren auch hier die US-Banken besser unterwegs und steigerten den RoE von 7,4 auf 13,2%. Vom Vorkrisenniveau etwa des Jahres 2006, als Europas zehn größte Banken einen RoE von gut 15% erwirtschafteten, sind die europäischen ­Institute immer noch weit entfernt.

Gegenwind in Eurozone

„Die Geldinstitute in Europa spüren nach wie vor kräftigen Gegenwind; vor allem die Banken in der Eurozone: Sie leiden unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und müssen sogar hohe Strafzinsen auf Einlagen zahlen.

Eine schwächelnde Konjunktur bremst zusätzlich das Geschäft, und nach wie vor belasten hohe Restrukturierungs- und Rechtskosten die Gewinnentwicklung, denn viele europäische Institute leiden immer noch unter Altlasten der Finanzkrise”, so Schmitt.
Zwar verzeichneten die meisten der europäischen Top-Banken im vergangenen Jahr steigende Gewinne. Insgesamt sei die Gewinnsituation aber nach wie vor alles andere als zufriedenstellend, meint Schmitt. „Unterm Strich stehen die US-Banken mit einer eindeutig höheren Profitabilität und einer besseren Eigenkapitalaus­stattung derzeit deutlich besser da.”

Regulierungswut drückt

„Die Rahmenbedingungen in Europa sind nicht gerade günstig: Ein Ende der Niedrigzinsphase ist immer noch nicht absehbar, viele Banken erwirtschaften im Zinsgeschäft kaum noch oder gar keine Gewinne. Und während die US-Bankenregulierung gelockert wird, nimmt die Intensität der Regulierung in Europa immer weiter zu – mit negativen Folgen für zahlreiche Geschäftsbereiche der Banken”, sagt der EY-Experte.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL